Datenschutzbeauftragte inkognito in Halver

Die Nicolai-Kirche: Dort sollen künftig keine Veranstaltungen mehr von Seiten der Gemeinde aufgezeichnet werden.

HALVER ▪ Seit etwa einem Monat sorgt die Nachricht von unerlaubten Ton- und Videoaufzeichnungen in der Nicolai-Kirche für Ärger (der AA berichtete) – jetzt hat die Gemeindeleitung eingelenkt. Fortan sollen keine Aufzeichnungen mehr gemacht werden. Auslöser war anscheinend ein unangemeldeter Besuch der kirchlichen Datenschutzbeauftragten in Halver.

Petra von Böhlen und Werner Grutz sind Überraschungen gewohnt, wenn es um die Aufklärung von Verstößen gegen die Datenschutzbestimmungen der Evangelischen Kirche von Westfalen geht. In dieser Mission sind sie in der gesamten Region unterwegs – auch inkognito. Etwa am vorletzten Sonntag, als ein Besuch des Gottesdienstes in der Halveraner Nicolai-Kirche anstand.

Es galt, vor Ort herauszufinden, inwieweit die Gemeinde gegen geltende Bestimmungen verstößt. Wie berichtet, mussten von Böhlen und Grutz den Vorwürfen nachgehen, die Evangelische Kirchengemeinde Halver hätte ohne das Wissen der Gottesdienstbesucher Veranstaltungen im Gotteshaus aufgezeichnet. „Das geht nicht“, hatte von Böhlen bereits vor drei Wochen im Gespräch mit dem AA betont. Umso überraschter war die Datenschutzbeauftragte, als sie im Halveraner Gottesdienst Zeuge einer offiziellen Erklärung der Gemeindeleitung zu eben diesem Thema wurde: „Man hat versucht, das Ganze klein zu kochen“, erinnert sich Werner Grutz, der gemeinsam mit von Böhlen unangemeldet im Publikum saß.

Im Anschluss an die Erklärung habe jedoch ein Gespräch stattgefunden, in dem vieles habe geklärt werden können, so Grutz: So habe sich die Gemeindeleitung im Nachhinein für das Vorgehen entschuldigt und versichert, künftig keine Veranstaltungen in der Nicolai-Kirche mehr aufzeichnen zu wollen. Eine entsprechende gemeindeinterne Verlautbarung soll auch dem Büro der Datenschutzbeauftragten zukommen. „Wir warten jetzt mal ab, was uns vorgelegt wird. Dann hat sich die Sache für uns erst einmal erledigt“, sagt Werner Grutz, der weitere Überprüfungen allerdings nicht ausschließen will. „Wir haben ein eigenes Interesse daran, dass Ruhe einkehrt“, betont Grutz. Allerdings habe die Erfahrung gezeigt, dass der Datenschutz nicht selten als Trittbrett für anderweitige Kritik genutzt wird. „Das scheint auch in Halver der Fall zu sein.“

Werner Grutz selbst berichtete am Montag, bereits von der Absicht der Klägerseite gehört zu haben, die Staatsanwaltschaft wegen des offensichtlichen Verstoßes gegen Datenschutzbestimmungen einschalten zu wollen. „Das liegt nicht in unserer Hand“, betonte er. „Wir werden die Situation vor Ort aber weiterhin beobachten.“ ▪ Frank Zacharias

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