„Das Tagebuch der Anne Frank“ auf die Bühne

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Ida Kretschmer als Anne Frank mit ihrem Vater Otto Frank alias Tassilo von und zur Mühlen.

Halver - Das Tagebuch der Anne Frank, am 14. Juni 1942 in unmenschlicher Zeit begonnen, ist weltberühmt. Zwei Jahre lang, bis zur Verhaftung und Verschleppung der Familie Frank ins Konzentrationslager, vertraute das jüdische Mädchen Anne Frank ihrem Tagebuch ihre geheimsten Gedanken an.

Ihre Aufzeichnungen, nach dem Krieg von ihrem Vater Otto Frank als einzigem Überlebenden der Untergetauchten im Hinterhaus der Prinsengracht 263 in Amsterdam veröffentlicht, sind ein erschütterndes Zeugnis der Angst und des Lebens auf engstem Raum. Kurz vor Kriegsende starb Anne – fünfzehnjährig – im KZ Bergen-Belsen einen allzu frühen, einsamen Tod.

Mit dem „Tagebuch der Anne Frank“ – eindrucksvoll nach der mehrfach preisgekrönten Theaterfassung von Frances Goodrich und Albert Hackett inszeniert – rief die Theater-AG des Anne-Frank-Gymnasiums am Donnerstagabend das traurige Schicksal seiner Namengeberin in Erinnerung. Im Rahmen des 50-jährigen Schuljubiläums rollte das junge Ensemble mit Mitwirkenden aus den Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 das Leben im Versteck, das eine Zeitlang unter größten Einschränkungen Zuflucht vor dem Zugriff der Nazis bot, aus der Rückblende auf.

Das Tagebuch der Anne Frank

Otto Frank, von Tassilo von und zur Mühlen als gebrochener Mann darstellt, kehrte darin nach dem Krieg ein letztes Mal ins Hinterhaus zurück, um Abschied zu nehmen. Als ihm seine frühere Sekretärin Miep Gies (Vivien Schlinger) dabei das Tagebuch in die Hand drückte und er zu lesen begann, waren ihm die letzten schicksalhaften Jahre wieder deutlich vor Augen. Unter Regie von Karsten Thiesbrummel und Assistenz von Christiane Schmidt, näherten sich die jungen Akteure, die ihr Stück am heutigen Samstag noch einmal – dann in anderer Besetzung – aufführen, einfühlsam dem Schicksal von Menschen, die den rassistischen Wahnvorstellungen der Nazis zum Opfer fielen, an.

Herr Kraler, dargestellt von Nikola Hüttenschmidt (rechts), setzte für das Überleben der Untergetauchten sein Leben aufs Spiel.

Ida Kretschmer in der Hauptrolle der Anne verkörperte ein heranwachsendes Mädchen voller Träume, Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste, das so gern leben wollte und nicht durfte. Aufmüpfig ihrer Mutter Edith (Silja Fröhling) gegenüber, war Anne besonders ihrem ruhigen, besonnenen Vater zugetan. Die inneren Spannungen, unter denen sie in der Enge der spärlich eingerichteten Hinterhaus-Wohnung litt, traten deutlich zutage. Ebenso ihr innerer Reifungsprozess, der eine Annäherung an die Mutter und an Peter van Daan (Nik Nilovic), ihren Leidensgenossen, ermöglichte.

Schwester Margot (Johanna Ramel) kam besser mit den Verhältnissen zurecht. Mit der Familie van Daan (Fynn Grotehans und Selena Soler Soler), deren Reibereien jeder miterlebte, und dem streitlustigen Herrn Dussel (Fabian Hoffmanns) bildeten die Franks eine mehr schlecht als recht funktionierende Schicksalsgemeinschaft. Je knapper die Lebensmittelvorräte wurden, desto mehr spitzte sich die Lage zu. Kurz vor der Verhaftung lagen die Nerven blank. Verraten wurden die Untergetauchten durch einen erpresserischen Dieb. Miep und Herr Kraler (Nikola Hüttenschmidt) setzten für das Überleben der Untergetauchten ihr eigenes Leben aufs Spiel. Sehr eindrucksvoll und bewegend gespielt!

Am Samstag, 13. Juni, findet eine weitere Aufführung des Stücks „Das Leben der Anne Frank“ statt. Karten gibt es an der Abendkasse für 5 Euro (Erwachsene) und 3 Euro (Schüler). Los geht’s um 19 Uhr, Einlass ist ab 18.30 Uhr.

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