„Dann kann ich dicht machen“

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Noch darf „Im Fässchen“ geraucht werden. ▪

HALVER ▪ Die Eckkneipen-Wirte fürchten um ihre Existenz. Nach dem Volksentscheid in Bayern, bei dem die Mehrheit für ein striktes Rauchverbot gestimmt hat, rechnen viele Halveraner nun auch mit einer entsprechenden Initiative in Nordrhein-Westfalen – mit für die Kneipen-Betreiber fatalen Folgen.

„Dann kann ich die Kneipe zu machen“, schätzt Dimitrios Serbesis-Tsarudis, Inhaber der klassischen Eckkneipe „Zum Löwen“. Obwohl er selbst seit acht Jahren nicht mehr die Kippe zwischen den Fingern hält, weiß er um das Verhalten seiner Kunden. „Die Gäste wollen zum Bier eine Zigarette.“ Ein restriktives Rauchverbot könne durch das bayerische Votum in NRW folgen. „Der Gesetzgeber fragt uns nicht“, rechnet der Löwen-Wirt mit dem Schlimmsten. „Die Nichtraucher-Lobby ist sehr stark geworden, ich glaube, die setzen das durch.“ Serbesis-Tsarudis wünscht sich von Seiten der Nichtraucher mehr Toleranz. Immerhin dürften viele Raucher weder zuhause noch auf der Arbeitsstelle zum Glimmstängel greifen.

„Wenn das so weiter geht, werden wir auch in NRW ein striktes Rauchverbot bekommen“, glaubt Bodo Schoppmann. Für den Wirt des Einraumlokals „Im Fässchen“ würde dies das Aus für die Eckkneipen bedeuten. „Dann kann ich die Bude dicht machen.“

Mit einem Volksentscheid in NRW rechnet auch der Wirt der Gaststätte „Zum Linken“, Günter Melzer-Dost. „Den werden wir auf jeden Fall bekommen.“ Doch die Auflagen würden in NRW dann sicher nicht so strikt wie in Bayern sein. „Es wird hier ein bisschen gelockert.“ Diese Einschätzung beruhe auf seinen Erfahrungen der jüngsten Zeit: Obwohl es in der Gaststätte an der Elberfelder Straße einen Raum für Raucher und einen für Nichtraucher gibt, würden letztere gar nicht in den ihnen zugedachten Raum gehen. Und wenn im Raucherbereich kein Platz mehr frei ist, müssten die Raucher zwangsläufig in den Nichtraucherraum ausweichen. Melzer-Dost, der bekennender Raucher ist, bemerkt zwar einen Trend hin zum Nichtraucher-Dasein, doch sollten sich die Raucher nicht unterdrücken lassen. „Und Rauchen bringt viele Steuern.“

Die Wirtin der Gaststätte „Zur Neustadt“, Iveta Svejnar hofft inständig, dass das Rauchverbot nicht noch einmal strikter gehandhabt wird. „Wir können die Raucher nicht als Ungeziefer betrachten.“ Außerdem müsse beachtet werden, dass die klimatischen Verhältnisse im Sauerland ganz andere seien als in Spanien oder Italien, sodass die Raucher nicht ganzjährig im Freien qualmen können. „Ich werde es unterstützen, dass es bei der aktuellen Regelung bleiben wird.“ Denn ansonsten fürchtet sie um einen Teil ihrer Einnahmen. ▪ Marco Fraune

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