Erste Anfragen bei der Wohnungsgesellschaft

Coronavirus in Halver und Schalksmühle: Ohne Einnahmen keine Miete 

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Die Läden am Fachmarktzentrum sind geschlossen. Die ersten namhaften Filialen kündigten bereits an, mit Mietzahlungen auszusetzen. Auch die Geschäftsführung des Halveraner Unternehmers Gato Toys muss auf die Corona-Krise reagieren.

Halver/Schalksmühle - Wer aufgrund der Corona-Krise seine Miete nicht zahlen kann, hat das Recht sie auszusetzen. Seit dem 1. April gilt diese Regelung. Wie ist die Situation in Halver und Schalksmühle?

Bei der Wohnungsgesellschaft Halver-Schalksmühle (WHS) setzt man sich bereits mit der Thematik auseinander. Noch bevor das Gesetz vor zwei Tagen am 1. April in Kraft getreten ist, kamen erste Anfragen bei der Gesellschaft an. „Ansonsten beginnt es gerade erst“, sagt Andrea Craen, Geschäftsleitung der WHS. „Wir warten ab, was sich sonst noch ergibt.“

Von Vorteil sei, dass aktuell die Betriebskostenabrechnungen des vergangenen Jahres fertig sind. „Zum Glück haben viele ein Guthaben erhalten“, sagt die Geschäftsführerin. Diese könnten grundsätzlich auch verrechnet werden, wenn es Zahlungsschwierigkeiten bei der Miete geben sollte. Auch Ratenzahlungen waren bereits als Angebot für Mieter im Gespräch. Denn klar ist: Grundsätzlich muss die Miete durchaus gezahlt werden. Zeit haben Mieter dafür bis Ende Juni 2022. Maximal gestundet werden können drei Monate. Es sei denn, an der gesetzlichen Regelung sollte sich noch etwas ändern. 

Eine Frage bleibt noch offen

Eine Frage bleibt für Craen indes noch offen: Wer die Miete nicht zahlen kann, muss dafür einen Grund nennen, der mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu tun hat. Wer also etwa von Kurzarbeit oder sogar Arbeitslosigkeit betroffen ist. Dafür müsste auch ein Beweis erbracht werden. Wie dieser erbracht werden kann oder sogar muss, sei allerdings noch nicht klar. Eventuell genüge ein Dokument, das den monatlichen Verdienst bescheinigt; eine Lohnabrechnung oder ein Kontoauszug. Das werde sich im Laufe der kommenden Wochen noch klären.

Gedacht ist dieses Gesetz vor allem für Selbstständige, denen die Einnahmen nun wegbrechen. Oder auch für Privatpersonen, die ein geringeres Einkommen durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit haben. Doch es sind auch die großen Händler, die dieses Notfallgesetz für sich nutzen. Der Sportartikelhersteller Adidas kündigte bereits an, die Mietzahlungen für seine Filialen in Deutschland auszusetzen. Auch das Schuhgeschäft Deichmann zieht nach. Ernstings Family ist auch in Gesprächen. Beide Ketten sind auch in Halver ansässig (

Lesen Sie hier, welche Geschäfte in Halver dicht sind

). Auf dem einstigen Bahngelände würde die Firma HIH Property Management GmbH mit Sitz in Düsseldorf die Mieten erhalten.

Aufträge bei Gato brechen weg

Doch es gibt auch kleinere, private Vermieter. Welche Rechte haben sie? Bleiben die Mieteinnahmen aus, können Privatvermieter schnell in Existenznöte geraten. Diese hat die Bundesregierung in ihrem Hilfspaket nicht vergessen: „Wenn ein Vermieter sein Darlehen nicht mehr zahlen kann, weil ihm die Einnahmen wegbrechen, dann sind auch Kündigungen des Darlehens wegen Zahlungsverzug für den gleichen Zeitraum von drei Monaten ausgeschlossen“, heißt es. Auf der anderen Seite stehen jene, die keine Miete mehr zahlen können. Dazu zählt das Unternehmen Gato, das auch einen Laden am Fachmarktzentrum in Halver besitzt. Dieser ist geschlossen und auch Inhaber Thomas Tourountzas werde die Mietzahlung vermutlich nicht leisten können, sagt er. Die Einnahmen brechen bei ihm nicht nur mit der Schließung der kleinen Filiale ein. Normalerweise beliefert er als Händler große Konzerne, die mehrere Tausend Filialen in Deutschland haben. Die Aufträge brechen ihm weg.

„Es ist eine Katastrophe“, wiederholt Tourountzas im Gespräch mit dem AA mehrere Male. Sein Geld, sagt er, gibt er lieber an seine Mitarbeiter. Und er könne auch die namhaften Konzerne verstehen, die ihre Mieten stunden ließen. Diese hätten noch sehr viel höhere Mieten und noch weitaus mehr Personal. „Und es kann doch nicht der Wille des Staates sein, dass große Firmen pleite gehen.“ Alleine wegen der Arbeitsplätze, die daran hängen. Momentan geht alles drunter und drüber, sagt er. „Aber wir schaffen das wieder“, ist Tourountzas überzeugt und gibt die Hoffnung nicht auf. „Was soll man auch sonst machen?“ Während ihm das Ostergeschäft wegbricht und er nicht weiß, für welche Saison er Ware einkaufen soll, ob für Herbst oder doch noch für den Sommer, versucht er, wenigstens Aufträge für sein neues Segment im Lebensmittelbereich Aufträge zu bekommen – aber sicher ist auch das nicht.

Coronavirus in Halver: Infizierte Mitarbeiterin bei Gato in Oberbrügge

Ihn beschäftigen aber noch ganze andere Dinge. Bei Gato ist eine Mitarbeiterin mit dem Coronavirus infiziert. Der Standort in Oberbrügge ist daher geschlossen worden, die Mitarbeiter in Quarantäne. Er selbst war bis vor zwei Tagen auch in Quarantäne – eine Vorsichtsmaßnahme, nach einer Griechenland-Reise. Aber jetzt geht nichts mehr. Stillstand. „Ich muss bei null anfangen.“ Aber wann? „Jeder kommt unverschuldet in diese Situation“, sagt der Lüdenscheider. Thomas Tourountzas ist jetzt wichtig, dass seine Familie, Freunde, Nachbarn und Bekannte gesund bleiben.

Wenn Sie die aktuelle Lage im Märkischen Kreis verfolgen wollen, nutzen Sie unseren Ticker zum Coronavirus. Das Wichtigste aus ganz NRW haben wir ebenfalls für Sie zusammengetragen.

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