Coronavirus in Halver

Kurzarbeit auch an der Heesfelder Mühle in Halver

Das Wasserrad an der Heesfelder Mühle dreht sich. Aber auch die Mitarbeiter versuchen trotz Corona, das Jahr am Laufen zu halten.
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Das Wasserrad an der Heesfelder Mühle dreht sich. Aber auch die Mitarbeiter versuchen trotz Corona, das Jahr am Laufen zu halten.

Eigentlich finden an der Heesfelder Mühle übers Jahr verteilt viele Veranstaltungen statt. Dieses Jahr sind sie alle ausgefallen. Was bedeutet das? Wer ist davon betroffen? Wir haben mit Klaus Brunsmeier und Teresa Schabo gesprochen. Die Lage ist ernst, sagen sie deutlich. Neben Corona ist auch die Klimaveränderung etwas, das ihnen Sorgen bereitet.

Halver - Das Wasserrad an der Heesfelder Mühle dreht sich und man hört es plätschern. Kein Mensch ist an diesem Morgen in der Nähe. Das ganze Jahr über war es weitgehend ruhig in dem Naturschutzgebiet.

Von 81 angekündigten Veranstaltungen mussten 45 abgesagt werden. Die überregional bekannten Feste abzusagen, „war besonders schmerzlich“, sagt Teresa Schabo von der Soundbäckerei. Kein Kirschblütenfest, kein Music Fever, kein veganes Sommerfest, kein Kürbismarkt – und der Winterzauber wird hiermit auch abgesagt. „Es ist total traurig“, sagt Teresa Schabo. Klaus Brunsmeier vom Verein Heesfelder Mühle ergänzt: „Es geht allen so. Jedem auf seine Weise.“ Solidarität zeigen ist ihnen wichtig, sagen sie. „Aber ja, es ist zum Heulen“, sagt Klaus Brunsmeier.

Klimaveränderungen in diesem Jahr deutlich spürbar

Er meint nichtmals nur das Corona-Jahr, sondern sieht auch die drastischen Klimaveränderungen, die in diesem Jahr im besonderen Maße für alle sichtbar wurden. Rund um die Mühle stehen 20 Hektar Wald, die für die NRW-Stiftung betreut werden. Oder besser gesagt, standen. Die Fichten wurden alle gefällt. Brunsmeier spricht von einem „gewaltigen Vermögensverlust“. Einen neuen Wald auf den Hängen wird er nicht mehr erleben, sagt das Mitglied des BUND-Vorstands. Den Sommer hat man an der Mühle vor allem mit Gießen verbracht. Jeder der 91 Bäume auf der neu angelegten Streuobstwiese bekam alle 14 Tage 100 Liter Wasser.

Alle Sorten haben es geschafft, ist Brunsmeier froh. Aber die Wiesen auf dem Südhang sind vertrocknet, der Ertrag auf den Feldern fiel mit halb so vielen Heuballen als im Vorjahr mager aus und die Bäche waren alle trocken. Ja, es ist zum einen ein ökonomisches Problem, sagt Brunsmeier. Es ist aber zum anderen vor allem ein ökologisches. Zu dem finanziellen Problem kommt noch hinzu, dass es einen „erheblichen Rückgang bei der Naturschutzförderung“ gibt. Geld, was man gerade in diesem Jahr gut gebraucht hätte. Klaus Brunsmeier ist selbst in Kurzarbeit.

Es ist zum Heulen.

Klaus Brunsmeier

Vieles wurde versucht. 16 neue Veranstaltungen wurden konzipiert. Oft als digitale Formate, wie Videoworkshops, Livestreams von Konzerten oder Naturerlebnisse zum Selbermachen. „Aber der große Schatz der Heesfelder Mühle ist die Natur.“ Digital kann man das nicht erleben, sagt Klaus Brunsmeier. Stattgefunden haben weiterhin Trauungen, Kuh-Yoga und auch die Apfel-Ernte. Alles wurde versucht. An dem Konzept für den Kürbismarkt wurde intensiv gearbeitet – letztendlich fand er trotzdem nicht statt. Es war ein Hin und Her, sagt Teresa Schabo.

Das Naturerlebnis Oben an der Volme hat alles versucht, sagt Brunsmeier, und bedankt sich für das Engagement in dieser Zeit. So wurden trotz vieler Umplanungen viele Pläne realisiert. „Ich danke dem Leader-Büro in Kierspe.“

Erlebnis digital nicht erlebbar

Aber die Heesfelder Mühle ist wegen seiner schönen Umgebung auch ein Treffpunkt – für Wandergruppen oder auch Vereine. „Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die touristischen und kulinarischen Angebote“, merkt Teresa Schabo an. Sowohl der Unverpackt-Laden, als auch das Café Heimatliebe, das im Februar eröffnet hat, merken den Rückgang.

Die Einbußen stellen alle Beteiligte, das sind rund 15 Mitarbeiter an der Heesfelder Mühle, vor „große Herausforderungen“. Mit Sorge blickt man auf die Entwicklung der Pandemie und das kommende Jahr. Die Soforthilfe, die es zu Beginn der Pandemie gab, war zwar richtig und wichtig, „aber sie kann nicht ansatzweise das auffangen, was fehlt“.

Ein zweites Jahr wie dieses, sagen Klaus Brunsmeier und Teresa Schabo, könnte man kaum schaffen. „Wir gehen aber mit Optimismus ins kommende Jahr. Trübsal blasen hilft nicht.“ Auch mit Ausstellern, die normalerweise auf dem Kirschblütenfest oder Kürbismarkt gestanden hätten, hat Teresa Schabo erst kürzlich telefoniert. „Alle sind optimistisch.“

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