Coronavirus

Trotz hoher Infektionszahl: Kein Halveraner Sonderweg

Abstand halten, Masken tragen. Doch einen Sonderweg mit eigenen, lokalen Beschränkungen will die Stadt aus verschiedenen Gründen nicht beschreiten, auch wenn die Fallzahlen in Halver hoch sind.
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Der Mundschutz spielt eine große Rolle um dazu beizutragen, dass sich der Coronavirus nicht weiter verbreitet.

Die Stadt Halver will keinen Sonderweg einschlagen, was die hohen lokalen Infektionszahlen angeht.

Mit aktuell 26 Menschen (Stand 13. Oktober), die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, sei Halver zwar bei den absoluten Zahlen im Kreisvergleich mit am stärksten betroffen und liege bezogen auf den Einwohnervergleichswert sogar an der Spitze. In isolierten Maßnahmen sehe er jedoch keinen Sinn, sagte Bürgermeister Michael Brosch im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger.

Das Herunterbrechen der Fallzahlen auf kleine Orte, Ortsteile oder sogar Straßenzüge ergebe ein falsches Bild vor dem Hintergrund der Systematik der Corona-Schutzverordnung, die Inzidenzzahlen für eine Einwohnerzahl von 100 000 Menschen mit 35 beziehungsweise 50 festzuschreiben. Dieser Richtwert orientiere sich an der Leistungsfähigkeit der Gesundheitsämter in den Städten beziehungsweise Kreise, wenn es darum gehe, die Verfolgbarkeit der Neuerkrankungen sicherzustellen. Erst ab dieser Grenze griffen weiterreichende Maßnahmen, wie sie andernorts bereits angeordnet seien. Für eine lediglich für Halver geltende ordnungsbehördliche Satzung bestehe aus seiner Sicht kein Anlass, so der Bürgermeister.

Bei einer Sperrstunde in Halver um 22 Uhr würden diejenigen, die feiern wollen, einfach in Nachbarorte ausweichen.

Michael Brosch, Bürgermeister Halver

Die landeseinheitliche Regelung sei „richtig und wichtig“ auch angesichts der Annahme, dass spezielle Vorschriften auf lokaler Ebene dazu führen könnten, dass sich das Risikogeschehen nur verlagere: „Bei einer Sperrstunde in Halver um 22 Uhr würden diejenigen, die feiern wollen, einfach in Nachbarorte ausweichen.“

Einen konkreten Grund für den Anstieg der Halveraner Zahlen in der vergangenen Woche kennt Brosch nicht, aber auch die Gerüchte, dass eine große Familienfeierlichkeit Auslöser gewesen sein könnte. „Das können wir im Einzelfall nicht überprüfen“, sagte Brosch, der aber die Begrenzung der Personenzahl bei privaten Feiern auf 50 ausdrücklich begrüßt. Doch bis vor etwa einer Woche habe auf städtischer Seite keine Handhabe bestanden, solche Veranstaltungen abzusagen. Bis zur Neuregelung seien Feiern ohne Mundschutz und Abstandsgebot bis zu 150 Teilnehmern genehmigungsfrei möglich gewesen.

Erleichterung über freiwillige Absagen

Erfreulich sei, dass in Halver eine Vielzahl von Veranstaltern auf die Ausrichtung ihrer Events verzichtet habe. Das gelte für das große Erntedankfest, das in Oberbrügge traditionell stattgefunden hätte, wie auch für den Kürbismarkt, der letzte Woche endgültig abgesagt wurde.

Wie Halver über die kalte Jahreszeit komme, sei zum jetzigen Zeitpunkt eine kaum zu beantwortende Frage. „Einen zweiten Lockdown vermag ich mir nicht vorzustellen“, sagt Brosch, der auf die Wirksamkeit der bekannten Maßnahmen setzt: das Tragen der Maske, Abstände einzuhalten und Hygieneregeln zu beachten.

Und auch, wenn geschlossene Gesellschaften oder Familienfeiern mit 50 Gästen nach wie vor erlaubt seien, gelte der Hinweis: „Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch klug.“ Eine private Weihnachtsfeier mit 30 Gästen aus dem ganzen Land sei zwar zulässig, aber eben auch gefährlich. „Erkrankt einer der Teilnehmer, müssen alle Quarantäne“, gibt er zu bedenken.

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