Schulen im Corona-Modus: Verzicht auf Projekte und Feiern

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Halver - In den Schulen findet wieder Unterricht statt. Nach und nach kommen die Schüler wieder. So sieht es aktuell in Halveraner Schulen aus. 

„Es kommt immer auf die Zielrichtung an, was man mit den getroffenen Maßnahmen erreichen wollte. Unter diesem Aspekt sind wir zufrieden.“ Reiner Klausing, Leiter der Humboldtschule in Halver, zieht zwei Wochen nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs ein auf den ersten Blick positives Fazit. Aber eben nur auf den ersten Blick. 

„Schule ist mehr als nur Wissensvermittlung“, sagt der erfahrene Pädagoge. Sprich: Es geht auch um soziale Kontakte, um Unterstützung der Schüler durch Strukturen im Tagesablauf, um gemeinsame Projekte. In diesem Bereich hat die Corona-Pandemie tiefe Spuren hinterlassen, kann von Normalität keine Rede sein. 

Viele Veranstaltungen abgesagt

Die Liste der abgesagten Veranstaltungen, sie ist lang. Der 8. Jahrgang der Humboldtschule hätte zum Beispiel ein neues Projekt in Angriff genommen, wäre sieben Tage lang unter Anleitung von Studenten allein unterwegs gewesen – abgesagt. Der große Sponsorenlauf – abgesagt. Die geplanten Feierlichkeiten zum fünften Geburtstag der noch jungen Schule am 13. August – abgesagt. Vorgesehene Praktika der Humboldtschüler – abgesagt. Klassenfahrten – abgesagt oder von Absage bedroht. Und das ist nur eine kleine Auswahl. „Mir blutet das Herz“, sagt Reiner Klausing. 

Rollierendes System seit dem 11. Mai

Der tägliche Unterricht wird seit dem 11. Mai in einem rollierenden System organisiert. Bedeutet: Schüler aller Jahrgänge sind einmal pro Woche vor Ort, ausgenommen der 9. Jahrgang, deren Schüler dreimal wöchentlich Präsenzpflicht haben. Damit sind die Räumlichkeiten der Humboldtschule so gut wie ausgelastet, weil das strenge Hygienekonzept – neben vielen anderen Punkten – auch vorsieht, dass Klassenräume an einem Tag nicht mehrfach belegt werden dürfen. 

Voraussichtlich bis zu den Sommerferien soll dieses System beibehalten werden, was kleinere Nachjustierungen in Form von zusätzlichen Angeboten nicht ausschließt. Die letzten regulären schriftlichen Abiturprüfungen – ab heute stehen dann noch die Nachschreibetermine und bis Mitte Juni die mündlichen Prüfungen auf dem Kalender – wurden am Montag am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) absolviert.

Kein Abiball für AFG-Schüler

„Die Schüler haben sich vorbildlich und sehr diszipliniert verhalten“, ist AFG-Leiter Paul Meurer voll des Lobes über seinen „Corona-Abschlussjahrgang“, den es nicht nur bei der Vorbereitung auf die Prüfungen, sondern auch im Nachgang besonders hart trifft. Denn: Ob Motto-Woche, Abi-Sturm oder festlicher Ball zum Abschluss – alle Großveranstaltungen, auf die zum Teil seit etlichen Monaten hingearbeitet wurde, müssen abgesagt werden. 

Gleiches gilt auch für die Kursfahrten. Die traditionelle Berlin-Tour kurz vor den Sommerferien wird nicht stattfinden können, gleiches gilt für die London-Fahrt nach den Sommerferien. Zu komplex sind bei Auslandsreisen die Regelungen um Einreisebestimmungen und Quarantänezeiten. „Das tut mir unheimlich leid für die Schüler“, sagt Paul Meurer, der mit seinem Team bei Bedarf auch versucht, Hilfestellungen zu leisten, was die beruflichen Planungen der Abiturienten, aber auch der Q1-Schüler angeht. Hintergrund: Absagen bei Ausbildungsstellen oder für ein duales Studium gab es coronabedingt bereits. 

Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling

Seit Dienstag sind am AFG im Übrigen wieder alle Jahrgänge vertreten, die Klassen fünf bis neun in einem Teilgruppen-System. An A- und B-Tagen wird hier ebenfalls rotiert zwischen Präsenzunterricht vor Ort und der „Heimarbeit“ in den eigenen vier Wänden. Dass diese Organisationsformen einen erheblichen Mehraufwand verursachen, ist klar. Doch Paul Meurer freut sich über die Gegebenheiten in Halver. „Wir haben genügend Räumlichkeiten und werden hervorragend von der Stadt Halver als auch vom Kreisgesundheitsamt unterstützt.“

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