Lockerung für Seniorenheime

Besuch in Pflegeheimen ab Sonntag - so bereiten sich die Einrichtungen vor

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Besuchsmöglichkeiten im Seniorenpark: Auf Abstand im Freien – so war es die letzten Tage schon möglich.

Halver/Schalksmühle - Gespräche aus der Distanz, Besuche unter freiem Himmel oder per Besuchsfenster: Seit Mitte März galt in Alten- und Pflegeheimen ein coronabedingtes Besuchsverbot. Pünktlich zum Muttertag am Sonntag hat die Landesregierung dieses nun aufgehoben – unter strengen Schutzmaßnahmen.

Doch bei aller Freude für Bewohner und Angehörige herrscht bei den Verantwortlichen auch weiterhin eine gewisse Unsicherheit. 

„Ich bin tatsächlich sehr zwiegespalten, auch wenn ich mich natürlich freue, dass wieder mehr Kontakte erlaubt sind. Das ist für viele Bewohner auch durchaus eine Notwendigkeit“, erklärt Steffen Mischnick, Leiter des Seniorenparks Reeswinkel. „Aber natürlich habe ich bei allen Vorkehrungen auch Angst, mir das Virus ins Haus zu holen. Ein Restrisiko bleibt und wird natürlich auch größer, je mehr Kontakte wieder möglich werden“, sorgt sich Mischnick. Froh sei er jedoch darüber, dass es nun eine klare, verbindliche Regelung gebe, an die man sich halten muss. „Das gibt uns natürlich auch ein Stück Sicherheit.“ Man werde die Vorgaben umsetzen, jedoch Mischnick hätte sich ein bisschen mehr Vorlauf gewünscht, denn: „Gerade der Muttertag ist neben Weihnachten der besucherstärkste Tag. Aber wir werden das hinbekommen.“ 

Schon in den vergangenen Wochen Wege gefunden

Denn auch in den vergangenen Wochen hatte das Team des Seniorenparks Mittel und Wege gefunden, um Kontakte auf Distanz zu ermöglichen. In Abstimmung mit der Heimaufsicht war im Freien ein Besuchszelt aufgestellt worden, in dem sich Bewohner und Angehörige nach Absprache und unter Einhaltung der Vorschriften sehen konnten. Alternativ dazu gab es ein Besuchsfenster, durch das Gespräche möglich waren. „Beides wurde auch dankbar angenommen und viel genutzt.“

In Reeswinkel wurde extra ein Besucherzelt aufgebaut, das soll auch am Muttertag zum Einsatz kommen.

Auch für den Muttertagssonntag hatten Mischnick und sein Team bereits alles vorbereitet: „Auch hier sollte unser Besuchszelt zum Tragen kommen und jeder Gast und Bewohner hätte Kaffee und Kuchen bekommen.“ 

Trotz der Lockerung möchte Mischnick an diesem Angebot auch festhalten und schauen, welche weiteren Ausweitungen darüber hinaus möglich sind. „Das muss natürlich auch personell zu stemmen sein“, verweist er unter anderem auf das Kurzscreening der Besucher. Denen und seinen Bewohnern, spricht Mischnick ein großes Lob aus: Alle hätten sich doch sehr verantwortungsbewusst und verständnisvoll verhalten. Aber dennoch gilt: „Normalität wird es in Pflegeeinrichtungen erst dann wieder geben, wenn es einen Impfstoff gibt.“ 

Große Vorfreude in Halver

Eine große Vorfreude auf die Verwandten und Bekannten verspüren nicht nur die Bewohner, sondern auch die Mitarbeiter des Seniorenzentrums Bethanien. „Natürlich freuen sich in erster Linie unsere Bewohner, weil sie ihre Verwandten endlich wieder sehen können und nicht nur über das Telefon oder weiter entfernt über den Gartenzaun kommunizieren. Aber für uns ist es auch schön, weil es einfach zu einer besseren Laune beiträgt“, erklärt die kommissarische Einrichtungsleiterin Stefanie Thiemann. 

Der Andrang am Sonntag wird dementsprechend hoch sein, schließlich haben sich die Bewohner und ihre Verwandten seit dem 13. März nicht gesehen. „Außerdem ist Muttertag. Da möchte jeder seine Mutter oder Oma sehen können. Deswegen haben wir zusätzlich zu den vier Besucherzelten, die ab Sonntag auf unserer Terrasse stehen werden, auch noch ein Zelt der Freiwilligen Feuerwehr aus Halver organisiert“, freut sich Thiemann über die lokale Unterstützung. In dem Feuerwehrzelt können drei Bewohner ihren Besuch empfangen, die Zelte auf der Terrasse sind für Einzelbesuche ausgelegt. 

Zeitliche Koordinierung der Besuchszeiten

Aufgrund der hohen Nachfrage werden die Besuchszeiten zeitlich koordiniert. Ab Montag gibt es zwei Zeitfenster für die Besuche. Jeder Besuch dauert zwei Stunden. Für den Muttertag sind die Besuche auf eine Dreiviertelstunde beschränkt. „Anders können wir es nicht lösen, sonst würden wir nicht allen Bewohnern gerecht. Wir brauchen zwischen den Besuchen ja auch noch Zeit, um die Bewohner von ihren Zimmern zu holen und die Plätze zu reinigen und zu desinfizieren.“ 

Die Pläne, den Muttertag für die Bewohner besonders zu gestalten, konnten mit der Aufhebung des Besuchsverbots auch beim Haus Waldfrieden ad acta gelegt werden. „Allgemein begrüßen wir natürlich, dass das Besuchsverbot aufgehoben wurde. Jetzt werden wir unsere Hausaufgaben machen und uns bestmöglich auf den Sonntag vorbereiten“, erklärt Geschäftsführer Bernd Lauermann. 

Lauermann hofft darauf, dass sich die Verwandten auch nach Aufhebung des Besuchsverbots angemessen verhalten und den Abstand wahren. „Die Solidarität zwischen Jung und Alt sollte weiterhin aufrecht erhalten bleiben. Achtsamkeit ist ein ganz wichtiges Gut. Wir hoffen, dass dies weiterhin so gelebt wird wie in den vergangenen Wochen.“

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