Die Entwicklungen bei den Spedition

Coronavirus in Halver: Die Lkw rollen schleppend weiter

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Weniger Aufträge, weniger Fahrten: Die Corona-Krise wirkt sich auf die Speditionen aus.

Halver - Der Güterverkehr muss weiter rollen. Aber einfach wird es ihm nicht gemacht. Und Spediteure, die Produkte von Firmen transportieren, arbeiten nur so viel wie diese eben noch produzieren.

Die Corona-Krise hat Auswirkungen auf die Arbeit der Speditionen in Halver und Schalksmühle. Gearbeitet wird weiterhin, aber unter anderen Bedingungen – und zum Teil mit weniger Einsatz.

Die Situation in Halver

Von 25 Lkw stehen acht auf dem Hof – keine Aufträge, keine Fahrten. Die Rechnung ist einfach. Die Lage bei der MLK Spedition ist geprägt von der Corona-Krise. Transportiert werden die Produkte heimischer Unternehmen. Aber zur Zeit wird da nicht viel produziert. Kurzarbeit in Firmen zieht daher auch die Kurzarbeit beim Spediteur MLK nach sich, wie Hans-Peter Ackermann sagt. Der erste Satz auf die Frage, wie sich der Alltag am Langenscheid in Halver verändert hat: „Mehr Autos auf dem Hof.“ Die Büros sind geschlossen worden. Kein Fahrer kommt mehr hinein. „Wir kommunizieren nur noch übers Fenster“, sagt Ackermann. Wenn die Fahrer zu anderen Firmen fahren, sei die Regelung auch häufig so, dass nur noch abgeladen und der Hof dann schnell wieder verlassen wird. Bei anderen Firmen bekommen die Fahrer Masken gestellt. Das macht jede Firma in Eigenregie, sagt Ackermann. Im Büro selbst sind manche Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die übrig gebliebenen haben sich auf die leeren Büros aufgeteilt, um auch hier Distanz zu wahren. „Das ist die Vorstufe vom Homeoffice“, sagt Ackermann. Bisher habe man diese Art der Arbeit aber umgehen können.

Raststätten sind zum teil geschlossen. Das macht es für Lkw-Fahrer noch schwieriger. 

Bei Spediteuren merkt man besonders, dass das Corona-Problem keine lokalen oder regionalen Grenzen kennt. Sondern ein globales Problem ist – auch, weil der Güterverkehr über Grenzen fahren muss. Frankreich zum Beispiel ist ein Ziel von MLK-Fahrern. Und an den Grenzen merkt man auch, dass es keine Normalität mehr gibt. Lange Staus wegen Kontrollen gab es vor allem zu Beginn. Jetzt habe sich die Lage wieder etwas beruhigt, sagt Ackermann. Nach Frankreich sei die Fahrt reibungslos verlaufen und Kontrollen erfolgten nur noch stichprobenartig.

Am Montag hat das Corona-Krisenkabinett des Bundes über mehr Grenzkontrollen zu den Beneluxländern beraten. Kritik dazu gab es von vielen Seiten, denn Grenzkontrollen gefährden auch den Transport von Gütern. Doch es gab gute Nachrichten für NRW, wie Ministerpräsident Armin Laschet nach der Kabinettssitzung sagte. Die Grenzen bleiben offen.

Coronavirus im MK: Immer mehr Lkw werden geparkt

Gut auch für das Transportunternehmen Kattwinkel, das zum einen Import und Export mit dem Hamburger Hafen betreibt, zum anderen mit dem Lkw-Frachtverkehr die Benelux-Länder beliefert. Von den 13 Fahrzeugen sind noch alle unterwegs. „Komischerweise“, sagt Stefan Dittert. Der Geschäftsführer wundere sich auch über die noch stabile Auftragslage. Bei Schneider Transporte steht dagegen bereits einer von vier Lkw still. „Ich denke, morgen kann ich auch Nummer zwei parken“, sagt Birgit Sallermann, Geschäftsführerin des Transportunternehmens. Die Spediteure transportieren Stahl. Und die Kurzarbeit bei den Firmen, merkt auch Birgit Sallermann. „Die Stahl-Branche hält die Füße still – aber ich bin froh, dass nicht alle unsere Kunden nur für Autos Teile herstellen“, sagt die Geschäftsführerin. So blieben einige Aufträge bestehen. Aber planbar sei aktuell keine einzige Woche. „Wir agieren von Tag zu Tag.“ Sie sei froh, einen kleinen Betrieb zu haben, wo die Folgen der Corona-Pandemie noch übersichtlich bleiben. Von Kollegen, die weitaus größere Fuhrparks haben, habe sie schon viel gehört – tauschen wolle sie aktuell nicht.

Doch vor allem für die Fahrer wird die sowieso schon schwierige Situation noch schwieriger gemacht. Sallermann selbst ist auch bis vor einem Jahr regelmäßig Touren gefahren. Schon damals war es ein Problem, dass unterwegs und bei den Firmenkunden selbst nicht genügend Sanitäranlagen zur Verfügung standen. Wenige Firmen hätten sich den vermehrt auftretenden Fahrerinnen angepasst. In Zeiten von Corona sind die Sanitäranlagen noch schlimmer als zuvor. Nicht mehr alle Raststätten haben geöffnet. Birgit Sallermann war selbst vor Kurzem an einer Raststätte an der Autobahn in Hamm. An den bekannten Toiletten waren die Schranken, die sonst erst nach Bezahlung durchgängig sind, geöffnet. Kostenlos also, sagt Sallermann. Aber was fehlte, waren die Reinigungskräfte, die sonst ständig reinigen und desinfizieren. So etwas mache Sallermann sauer. Schlimmer seien nur noch Firmen, die für die Fahrer Dixi-Klos auf ihren Höfen bereitstellen, wo es nicht einmal fließend Wasser gibt. Gerade aber, wenn die Fernfahrer aus anderen Ländern kämen, sei auch deren Wasservorrat am Lkw häufig aufgebraucht. Aber die Lkw-Fahrer würden von den Firmen ausgeschlossen. „Mit Flatterband sind die Büroräume abgeriegelt“, sagt Sallermann. „Auf einem Tisch soll der Fahrer seine Papiere hinlegen und sofort wieder gehen.“ Ein Aufenthalt sei nur am Lkw selbst gestattet. Für Birgit Sallermann ist am wichtigsten, dass alle gesund bleiben. Aber um das zu gewährleisten, wären ihrer Meinung nach bessere Hygienestandards zu erfüllen.

Die Situation in Schalksmühle

Nur indirekt betroffen ist derzeit das Schalksmühler Unternehmen Daßler Recycling, ehemals Tiefbau- und Transportbetrieb August Friemann jr., von den Folgen der Krise. „Wir haben keine Einschränkungen durch Corona“, sagt Björn Daßler, der zusammen mit seinem Vater Klaus-Peter Daßler das Unternehmen führt. „Die Auftraggeber beauftragen uns als Transportspezialist weiterhin. Wir arbeiten bestehende Aufträge ab und nehmen neue an.“

Auch in seinem Unternehmen habe sich allerdings der Tagesablauf aufgrund des Coronavirus verändert beziehungsweise musste neu organisiert werden. So finden die morgendlichen Besprechungen zu den anstehenden Touren entweder mit genügend Sicherheitsabstand unter freiem Himmel statt oder es gibt die wichtigsten Informationen vorab per E-Mail. Die Fahrer seien grundsätzlich weniger gefährdet während ihrer Fahrten, da sie alleine im Führerhaus sitzen würden. „Sie haben zudem selten Kundenkontakt, da die Firmen an den Abhol- und Bringorten selbst für Sicherheit sorgen“, erklärt der Inhaber. Auch Probleme mit verweigerten Toilettengängen habe man nicht. Das Unternehmen deckt den Nahbereich ab, sodass längere Raststättenaufenthalte entfallen. In den Firmen können die Sanitärräume besucht werden. Für ihre ununterbrochene Arbeit bekommen die Fahrer auch positives Feedback. Die Kunden, etwa aus der Betonsteinindustrie seien froh, dass man ihre Fehlchargen weiterhin abhole, da auch deren Lagerkapazitäten irgendwann erschöpft sind, sagt Björn Daßler. Man sei zwar nicht so systemrelevant wie etwa Speditionen im Lebensmittelbereich, aber man sei auch Teil des Gesamtgefüges.

Mehr zur aktuellen Situation zum Coronavirus im MK lesen Sie

hier.

 

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