Gratulieren in Zeiten von Corona

Coronavirus in Halver und Schalksmühle: Bürgermeister gratuliert 97-Jährigen per Videotelefonie

Die Bürgermeister versuchen auch mit moderner Technik, so weit möglich, Bürgern zu Geburtstagen und Ehe-Jubiläen zu beglückwünschen.
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Die Bürgermeister versuchen auch mit moderner Technik, so weit möglich, Bürgern zu Geburtstagen und Ehe-Jubiläen zu beglückwünschen.

Halver/Schalksmühle - Der 90-jährigen Halveranerin zum Geburtstag einen Blumenstrauß vorbeibringen oder dem Ehepaar aus Schalksmühle zur Diamanthochzeit persönlich gratulieren – das gehört für die Bürgermeister in Halver und Schalksmühle zum Arbeitsalltag dazu. Aufgrund des Coronavirus ist das nicht mehr möglich. Michael Brosch, Bürgermeister in Halver, und Jörg Schönenberg, Bürgermeister von Schalksmühle, gehen nun andere Wege, um ihre Glückwünsche trotzdem zu überbringen.

Zum Schutz gerade ältere oder auch vorerkrankter Bürger verzichtet Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg auf persönliche Besuche im Rahmen von Ehejubiläen oder Geburtstagen. Er betont immer wieder, dass die massiven Einschränkungen durch die Rechtsverordnung des Landes NRW „angemessen“ und „zielgerichtet“ sind, um „die Ausbreitung des Virus zu bremsen und die Zahl der zu erwartenden Neu-Infektionen über einen längeren Zeitraum zu verteilen“. 

Coronavirus im MK: Persönlicher Besuch fällt aus

„Natürlich kann ich deshalb dort nicht vorbeigehen. Wir als Gemeinde schreiben nun alle Jubilare und Geburtstagskinder an und verschicken den sonst üblichen Blumengruß in Form eines Gutscheins, der später eingelöst werden kann.“ Aufgrund der Anzahl der Glückwünsche sei es schwierig, einen anderen Weg zu gehen. Moderne Kommunikationswege schließe man zudem derzeit noch aus, da die Vernetzung in der Gemeinde dazu besser sein müsste. „Selbst in der Verwaltung ist ein Videochat noch nicht so verbreitet.“ Der Bürgermeister ist sich aber sicher, dass man zumindest zu diesem Punkt etwas aus der derzeitigen Situation mitnehmen werde. „Der Vorteil der Krise ist, dass die moderne Technik und das Homeoffice einen neuen Stellenwert bekommen haben, nachdem sie in Deutschland vorher stiefmütterlich behandelt wurden.“ Unter dem Strich sei eine gute Breitbandversorgung dringend erforderlich. „Jetzt merkt man, dass man mehr tun muss. Auch rathausintern laufen zusammen mit dem Rechenzentrum die Arbeiten daran nun auf Hochtouren.“

Die Situation in Halver

Auch Halveraner Jubilare bekommen in diesen Zeiten keinen Besuch vom Bürgermeister oder einem seiner Vertreter. „Auch die Besuche fallen dem Virus zum Opfer“, sagt Bürgermeister Michael Brosch. „Oft erfahre ich bei solchen Gelegenheiten die halbe Lebensgeschichte der älteren Herrschaften“, sagt er. Oft seien es Geschichten von Krieg, Flucht, Vertreibung aber auch von Wiederaufbau, Familienglück und großem Stolz auf die eigenen Kinder und Enkel. 

"Diese Generation kann etwas"

„Ich freue mich dann, daran teilhaben zu dürfen und gehe meist mit dem demütigen Gefühl nach Hause, dass diese Generation etwas kann, was vielen von uns schwer fällt: Bescheiden glücklich zu sein“, sagt Brosch und hofft: „Vielleicht lernen wir es auch gerade wieder.“ Aber Michael Brosch lässt es sich auch in diesen Zeiten nicht nehmen und versucht auf anderen Wegen der Technik mit den Geburtstagskindern in Kontakt zu treten. Vor einer Woche wurde ein Halveraner 97 Jahre alt. Zwar kein runder Geburtstag, aber in diesem Alter ist jedes Jahr ein Grund zum Feiern. Normalerweise bekommt der Halveraner Besuch von Ralf Reininghaus, sagt Michael Brosch. Sie spielen zum Geburtstag eine Partie Schach, weil das das Hobby des 97-Jährigen ist. Michael Brosch hatte in diesem Jahr eigentlich eine Verabredung mit dem Schachspieler. Aber in Zeiten des Kontaktverbots ist das nicht möglich. 

Videotelefonie mit 97-Jährigen

Stattdessen sollte eine Videotelefonie zum Gratulieren genutzt werden. Zur Überraschung des Bürgermeisters entpuppte sich der Halveraner als Silver Surfer. Über Whatsapp starteten die beiden zu einer verabredeten Zeit den Videoanruf. „Leider hat das nicht ganz so gut geklappt“, sagt der Bürgermeister. Woran es genau gelegen hat, bleibt unklar. Vielleicht, so Brosch, lag es an der Internetverbindung. Gut, dass das Telefon nicht von einer schnellen Leitung abhängig ist. Sie stiegen also um auf ein Telefonat. Und verblieben sind sie mit dem Versprechen, eine Partie Schach zu spielen, wenn sich die Lage wieder beruhigt hat. Gleich morgen hat Michael Brosch die nächsten Geburtstagswünsche zu überbringen. „Das sind schöne Anlässe zum Gratulieren“, sagt Brosch. Zum 90. und zum 95. Geburtstag – „das ist schon etwas Besonderes“. Und die Geburtstagskinder „freuen sich auch total“.

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