Ostertage in den eigenen vier Wänden

Coronavirus lässt Reiseträume in Halver und Schalksmühle platzen

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Susanne Dossmann und Maja Gering (von links) im Halveraner Reisebüro Kattwinkel haben es derzeit mit vielen Stornierungen und Umbuchungen zu tun.

Halver/Schalksmühle - Osterzeit ist Reisezeit – allerdings nicht in diesem Jahr. Das Coronavirus zwingt die Menschen dazu, die Ostertage in den eigenen vier Wänden zu verbringen, die Urlaubsträume können vorerst nicht in die Realität umgesetzt werden.

 

Für die Reisebüros fällt derzeit trotz ausbleibender Neubuchungen eine Menge Arbeit an. „Klar, die Leute sind traurig und gefrustet. Auch uns tut das sehr weh. Wir stecken viel Mühe und Liebe in die Buchungen“, sagt Büroleiterin Susanne Dossmann vom Reisebüro Kattwinkel. Die meiste Zeit fällt derzeit für Stornierungen und Umbuchungen an. Aber auch als Seelentröster sind die Mitarbeiter des Reisebüros derzeit gefragt. „Wir versuchen, die Kunden zu besänftigen. Aber natürlich müssen alle länger als üblich auf das Geld der Veranstalter bei einer Stornierung warten. Da kommt auch bei einigen die Sorge auf, dass die Veranstalter insolvent sind, bevor sie ihr Geld erhalten, so wie damals bei Thomas Cook.“ 

Bei den meisten Kunden standen die „Klassiker“ der Urlaubsziele auf dem Programm. „Von Kreuzfahrten über Mallorca bis hin zu Reisen nach Dubai hatten wir alles dabei. Viele Kunden rufen jetzt auch an und fragen, wie es mit ihren Reisen im Mai aussieht. Derzeit herrscht natürlich eine große Ungewissheit. Auch wir wissen nicht, wie es über den 30. April hinaus aussieht. Ich glaube persönlich nicht daran, dass im Mai wieder gereist werden kann. Aber offiziell ist es noch nicht“, sagt Dossmann. Viele Veranstalter hätten bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Freischaltung ihrer Reisen für den Sommer 2021 vorgenommen. Das sei außergewöhnlich. „Aber dadurch konnten einige Kunden zumindest ihre Kreuzfahrten einfach umbuchen und in das kommende Jahr verlagern.“ 

Coronavirus in Halver und Schalksmühle: Arbeit für Reisebüros schwierig

Für Dossmann und ihre Kollegen gestalte sich die Arbeitssituation äußerst schwierig. Der Kundenkontakt fehlt, alles wird telefonisch abgewickelt, die Ladentür bleibt von innen verschlossen. „Die laufenden Kosten müssen wir weiterhin tragen, allerdings haben wir derzeit überhaupt keine Einnahmen. Aber wir können den Laden auch nicht einfach vier Wochen schließen, weil wir nicht wissen, wann der Betrieb wieder aufgenommen wird. Aber ich bin mir ganz sicher, dass wieder gereist wird. Die Frage ist nur, wann es wieder losgeht. Das macht einen schon nervös.“ 

Die große Nervosität ist bei Ralph Gustav Adolf vom Reisebüro Reiseland an der Bahnhofstraße noch nicht ausgebrochen. Der Reisefachmann verkaufte vor sieben Jahren sein Geschäft an die RTK-Gruppe, die insgesamt 330 Reisebüros in ganz Deutschland ihr Eigen nennen. „Ich weiß nicht, wie viele Kreuze ich eigentlich machen müsste. Ich bin wirklich froh, dass ich in der jetzigen Situation kein Eigentümer mehr bin.“ 

Aber natürlich musste auch Adolf schon finanzielle Einbußen hinnehmen, seine Kunden konnten teils besondere Reisen nicht antreten: „Mich persönlich trifft es natürlich, dass die gebuchten Safaris in Namibia und Südafrika, die Kunden über mich gebucht haben, nicht stattfinden. Auch eine Japan-Reise musste gecancelt werden. Das sind die Ziele, die uns wirtschaftlich sehr geschmerzt haben. Ansonsten standen die Kanaren wie jedes Jahr zu dieser Zeit hoch im Kurs. Am Strand liegen und die Sonne genießen, fällt vorerst aus.“ 

Reisegutscheine: Das Urteil der EU-Kommission abwarten

Zum Thema Reisegutscheine einiger Reiseunternehmen und Fluggesellschaften hält sich Adolf bedeckt, schließlich müsse man einfach das Urteil der EU-Kommission abwarten. Er stellt nur fest, dass viele Kunden auch zu Umbuchungen bereit sind. „Für die meisten Kunden ist es kein Problem, den Urlaub auch erst ein paar Monate später anzutreten. Sie sind sehr offen und verständnisvoll.“ 

Größere Bauchschmerzen bereiten ihm eher die Auswirkungen der Corona-Krise. „Es ist nicht absehbar, wie viele Hotelketten und Reiseveranstalter diese Zeit überleben. Der ganzen Touristikindustrie geht es dadurch alles andere als gut. Und auch die Größe eines Unternehmens schützt nicht vor der Insolvenz und dem Untergang. Ich hoffe, dass ich meinen Kunden nach dieser Zeit noch genug Reisen und auch die dazu benötigte Auswahl anbieten kann.“ Dennoch bleibt der Reisefachmann optimistisch: „In einer Krise liegt auch immer die Chance, Sachen zu verbessern und anzuschieben. Ich tausche mich regelmäßig mit meinen Kollegen aus und merke, dass alle weiterhin motiviert dabei sind.“

Über die Entwicklungen rund um das Coronavirus im Märkischen Kreis berichten wir in unserem Newsticker. Auch die aktuelle Lage in Nordrhein-Westfalen behalten wir im Blick. 

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