Keine Spur von gewohnter Atmosphäre

Unheimliche Ruhe auf dem Schulhof - Pausenspaß in Corona-Zeiten?

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Keine Spur von gewohnter Schulhofatmosphäre: Die Schüler der Regenbogenschule müssen sich in festgelegten Zonen aufhalten. Die Nutzung von kleinen und großen Spielgeräten erleichtert die Einschränkungen ein wenig.

Halver - Wer dieser Tage die Regenbogenschule am Pestalozziweg in Halver betreten will, muss unter rot-weißem Flatterband hindurch. Der Zugang ist abgesperrt. In Zeiten der Corona-Pandemie kommt Schule in neuem Gewand daher.

Auch hier gilt: Kaum etwas ist, wie es einmal war. Petra Schreiber nimmt sich Zeit für das Gespräch über Corona und die vielschichtigen Folgen. Die 64-Jährige ist Leiterin der Regenbogenschule und wollte ihr Büro eigentlich am Freitag, 26. Juni, räumen. Eigentlich. Denn an den geplanten Eintritt in den Ruhestand ist momentan nicht zu denken. „Nicht in dieser Zeit“, sagt Schreiber, „ich werde noch ein halbes Jahr machen, um dann eine vernünftige Übergabe sicherstellen zu können.“ 

Wenn die erfahrene Schulleiterin auf den Beginn der Pandemie und die Schulschließungen Mitte März zurückschaut, spricht sie von „einer sehr aufregenden Zeit.“ Erstmeldungen über die geplanten Schließungen kamen meist aus den Medien, die erst später folgenden Erlasse der NRW-Landesregierung mussten dann „von jetzt auf gleich“ umgesetzt werden. „Da waren kreative Ideen gefragt“, blickt Schreiber zurück. 

Digitales Homeschooling nicht komplett möglich

Hintergrund: Die Regenbogenschule konnte nicht einfach komplett auf digitales Homeschooling umstellen. Um digital mit den Schülern zu kommunizieren, sind im Idealfall Laptop, PC oder Tablet notwendig. Elektronische Hilfsmittel, über die nicht alle Familien verfügen. „Wir mussten auch den analogen Weg im Blick behalten“, sagt Petra Schreiber. Gesagt, getan.

Im Foyer der Regenbogenschule in Halver ist inzwischen eine Übergabestelle für Lernmaterialien entstanden. Analoge Materialien. Aufgaben, die die Schüler zu Hause abarbeiten und innerhalb der genannten Frist an ihre Lehrer zur Überprüfung zurückgeben. „Das hat sich sehr gut eingespielt“, freut sich Petra Schreiber, die davon berichtet, dass auch samstags und sonntags die Übergabe der Aufgaben erfolge. 

Nichtsdestotrotz spielt die zunehmende Digitalisierung bei der Bewältigung der Corona-Krise eine Rolle an der Regenbogenschule. In der Anfangsphase tauschte sich das Kollegium via Video-Konferenz aus, für ein fortzuschreibendes Medienkonzept der Schule hat Petra Schreiber Bedarf an zusätzlichen Laptops ausgemacht. Doch Online-Treffen ersetzen soziale Kontakte nicht. 

Mit der Rückkehr zu Präsenzzeiten hat auch die Regenbogenschule einen ersten klitzekleinen Schritt zurück zur Normalität getan. Beginnend mit den 3. und 4. Schuljahren werden die Schüler inzwischen wieder in – stark reduzierten – Klassenverbänden unterrichtet. An zwei Tagen hintereinander vor Ort, in der restlichen Zeit wird weiter zu Hause gelernt. 

Eltern dürfen Kinder bis zum Absperrband bringen

Die Organisationsformen sind indes gänzlich andere. Eltern dürfen ihre Kinder bis zum Absperrband am Beginn des Schulgeländes bringen. Dort warten die Kinder, nummeriert und mit dem vorgeschriebenen Abstand, auf ihre Lehrer, die sie in die Klassenräume bringen. „Unfassbar diszipliniert“ erlebt Schreiber ihre kleinen Schüler. 

Die Maske ist Pflicht auf dem Schulhof und im Gebäude, nur am Platz in der Klasse darf der Schutz abgesetzt werden. Die Klassenverbände sind extrem geschrumpft. Maximal 15 Schüler werden pro Raum unterrichtet. „Es ist viel ruhiger als früher, es wird sehr konzentriert gearbeitet“, nennt die Schulleiterin Vorteile der kleinen Klassen, in denen die Pädagogen den einzelnen Kindern deutlich besser gerecht werden können – auch wenn aktuell nur im Frontalmodus unterrichtet werden darf. 

Corona-Regeln in der Pause

Disziplin ist auch unabdingbar, wenn es in die Pause geht. Tür auf und im Rudel mit Vollgas auf den Schulhof – das ist momentan tabu. Die einzelnen Gruppen haben fest zugeteilte Abschnitte, werden dort von jeweils einer Lehrkraft beaufsichtigt. Spielgeräte liegen bereit und werden gerne genutzt, nur ganz vereinzelt sind freundliche Hinweise an die Kinder nötig, meist mit Blick auf den Mindestabstand. Echte Pausenhofatmosphäre? – Fehlanzeige. Es geht ruhig zu. Fast schon unheimlich ruhig. Streitereien gibt es nicht. 

Petra Schreiber bringt es auf den Punkt, berichtet von einer Kollegin, die sich wünscht, „dass wieder sinnlos schreiende Kinder auf den Schulhof rennen“. Ohne Maske, ohne Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten. 

Alle Schüler kehren am 15. Juni zurück

Wie geht es weiter an den Schulen, auch an der Regenbogenschule? Ab dem 15. Juni sollen wieder alle Schüler zurück in die Grundschulen. Von dieser Lockerung ist Petra Schreiber überrascht. „Wir brauchen jetzt ein paar Tage, um das sacken zu lassen.“ Für sie und ihr Team ist die neue Regelung eine Herausforderung. Unterricht mit bis zu 30 Schülern in einem Klassenraum soll es in einer Woche sein. Das irritiert die Schulleiterin. „Da bin ich hin- und hergerissen zwischen meiner beruflichen Pflicht und meiner emotionalen Seite.“ 

Viele Fragen müssen noch geklärt werden. Gedanken macht sich Petra Schreiber seit Wochen – unter anderem auch darüber, wie die kommenden Erstklässler integriert werden. Eigentlich hätte dieser Tage ein erster Elternabend stattfinden sollen, in Vorbereitung auf die Einschulung im August. Abgesagt. Ebenso wie Schulfeiern oder der Schulgottesdienst. „Was wird nach den Ferien sein?“, fragt Petra Schreiber. Niemand weiß es. Und dennoch hat man das Gefühl, dass sie es hinbekommen werden an der Regenbogenschule. Nicht irgendwie, sondern so unaufgeregt und nachhaltig wie schon in den vergangenen Wochen.

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