Litfass-Wirt setzt auf Humor und hofft auf Unterstützung

Lieferservice reduziert die Verluste - Klopapier gibt es gratis dazu

Halver - Keine einfache Zeit für Gastronomen. Durften sie anfangs noch mit Auflagen öffnen, sind sie nun alle geschlossen. Die Optionen Essen zum Mitnehmen oder als Lieferung anzubieten bleiben.  Was bringt das?

Marc Haarmann betreibt das Litfass an der Schulstraße. Der Pub bietet in diesen Zeiten einen Lieferdienst an. Und dieser läuft auch ganz gut an, sagt der Inhaber. Doch das werde nicht viel nützen. „Das Verlustgeschäft wird minimiert“, sagt er. Aber Verlust macht er eben trotzdem. Denn wer im Litfass sonst essen geht, trinkt auch eines der vielen verschiedenen Biersorten, vielleicht auch einen Cocktail und zum Abschluss noch einen Kaffee. Vor allem an Getränken verdient er. „Die Getränke brechen zu 100 Prozent weg.“ Vorteil bei der Lieferung sei, dass die Mehrwertsteuer geringer ist. Nur noch sieben statt sonst 19 Prozent fallen auf die Gerichte an. Er fordert, dass es generell so sein sollte, dass Gerichte, die in einem Restaurant gegessen werden, nur mit sieben Prozent versteuert werden. Betreiber von Restaurants und Cafés müssten nicht nur die höheren Steuern, sondern auch Personal bezahlen.

Aber Marc Haarmann hofft, dass sich nach der Corona-Krise einiges ändern wird. Auch die Einstellung zu Restaurants. Er wünscht sich generell mehr Menschen, die die Restaurants und Cafés der Stadt besuchen. „Sie gehören zu einer Stadt dazu“, sagt Haarmann. „Was wäre eine Stadt ohne einen Ort, wo man mit Freunden essen gehen oder einen Kaffee trinken kann?“, fragt er.

Wer bei Litfass bestellt, kann auch kostenlos eine Klopapierrolle dazu ordern.

Aber die Befürchtung liegt nahe, dass nach der Krise viele Betreiber ihr Geschäft aufgeben müssen. Er selbst nicht, sagt er. „Wir schaffen das schon.“ Nicht zuletzt, weil er noch ein weiteres Standbein mit einer eigenen Werbefirma hat. Die hat ihm bei dem Start des Lieferservices sehr geholfen. So konnte er direkt Flyer und Plakate drucken, um Werbung für sich zu machen. Auf seinem Flyer ist neben Bildern von Burgern auch eine Klorolle abgebildet. „Die gibt es gratis zur Lieferung dazu“, sagt er. Er habe noch viele im Geschäft übrig und brauche sie aktuell nicht. Er bittet jedoch darum, die Klorolle nur mit zu bestellen, wenn es wirklich von Nöten ist. „Ich will damit helfen“, sagt er. Wenn jemand Probleme hat, Klopapier zu kaufen, könne er sich auch bei ihm melden und bekommt dann mehr – auch ohne Bestellung. Ansonsten sei die Aktion auch mit etwas Humor zu sehen. „Humor ist eine Sache, die uns allen geblieben ist“, sagt Haarmann.

Coronavirus im MK: Engpässe bei Lieferung von Menüboxen

Auch wenn es ihm oft schwer fällt, darüber zu lachen. Denn selbst im Großhandel, wo er als Gewerbetreibender einkaufen gehen darf, seien diese Sachen ausverkauft. Wie auch Lieferboxen – die er vor der Krise natürlich nicht brauchte. „Jetzt kauft sie jeder.“ Aber: Auch die sind ausverkauft. Sind welche da, kaufen die Gastronomen große Mengen auf. Er musste jetzt online bestellen. „Das ging noch“, sagt er. Aber die Lieferengpässe der großen Firmen seien in der Branche kein Geheimnis. „Sie kommen mit der Produktion nicht hinterher.“

Für seinen Pub muss Haarman weniger Lebensmittel, dafür mehr Menüschalen kaufen. Anfangs hatte er aber noch Vorräte. Vieles davon musste er entsorgen. Vor allem Fleisch. Anfangs hat er sogar Rinderfilet in Burgern verarbeitet. Aber vieles konnte er nur noch in den Müll werfen, weil er keine Abnehmer mehr dafür hatte.

Gastronomen bekommen ihre Verluste nicht zurück

Finanziell bekommt der Litfass-Chef aktuell noch alles irgendwie geschafft. Leicht ist es nie, sagt er. Restaurantbetreiber hatten auch vor der Corona-Pandemie Probleme, Personal zu finden und alle Kosten zu decken. Die Krise könnte daher ein „Dolchstoß“ sein, sagt er. Die Gesellschaft müsse sich ändern. Nicht nur für Gastronomen. Das gilt auch für Handwerker, Pflegekräfte und alle anderen aktuell als systemkritische Berufe. „Die ganzen Probleme dieser Berufe kommen jetzt zum Vorschein“, sagt er. Noch stärker, als je zuvor. Gastronomen jedoch hätten einen großen Nachteil neben allen anderen: Entgangene Umsätze können nicht rausgeholt werden. Aufträge von Handwerkern werden hauptsächlich verschoben.

Was hilft?

Aber was hilft? Der Lieferservice? Nein, sagt Haarmann klar. „Wir brauchen Soforthilfen und Perspektiven.“ Die Hilfsmittel, die er beantragen konnte, hat er bereits beantragt. Von dem Angebot für Gewerbetreibende, die Mieten erst später zu zahlen, kann er keinen Gebrauch machen. Er ist Eigentümer der Kneipe und der Wohnung darüber. „Meine Raten muss ich weiter zahlen.“

Litfass ist sich sicher, es zu schaffen

Aber er bleibt optimistisch und hofft, dass sich die Lage spätestens im Sommer entspannt hat. Doch dann ist eigentlich „Saure-Gurken-Zeit“, sagt Haarmann. Gerade jetzt und bis Mai würden Gastronomen wie er, die keine Terasse oder einen Biergarten haben, ihre Umsätze erzielen, mit denen sie sonst gut über die Sommermonate kommen. Eine große Einnahmequelle sei immer die Kirmes in Halver. Geplant ist sie für Juni – aber ob sie stattfindet? An Perspektiven fehlt es noch. Wer die Restaurants in Halver unterstützen möchte, sollte daher weiter fleißig bei ihnen bestellen, sagt der Litfass-Wirt. „Damit es auch nach der Krise noch unserer vielfältigen gastronomischen Angebote gibt.“

Bestellungen

Bestellungen bei Litfass können telefonisch unter 02353/5968 aufgegeben werden. Dienstags bis sonntags ab 17.30 Uhr, mittwochs bis freitags zusätzlich von 11.30 bis 14 Uhr. Die Speisekarte gibt es hier.

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