Menschen entrümpeln in Corona-Zeiten

Werkhof läuft trotz Corona unter Volllast

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Hausrat, Möbel und vieles mehr gibt es im Werkhof in Halver zu entdecken. Die Lager sind derzeit voll bis oben hin.

Halver - „Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen...“, heißt es in der Sendung mit der Maus. Doch „Tausend tolle Sachen“ wäre im Fall des Werkhofs an der Frankfurter Straße deutlich untertrieben. Trotz der Corona-Krise läuft Halvers Sozialkaufhaus unter Volllast.

Mit dem neuen Eingang von der Frankfurter Straße und dem Ausgang zum Hof, mit Maskenpflicht und weiteren Maßnahmen habe die Einrichtung nach der Schließungsphase vom 18. März bis zum 21. April die nötigen Hygienemaßnahmen umgesetzt und das auch prüfen lassen, beschreibt Geschäftsführer Sven Keller die aktuelle Lage. 

Seit dem 22. April herrscht wieder Vollbeschäftigung für die insgesamt 49 Mitarbeiter. Ein Teil der Festangestellten befand sich zwischenzeitlich in Kurzarbeit, doch die Kernmannschaft habe Aufträge abgearbeitet und – genauso wichtig – die Annahme aufrechterhalten. 

Viele Bürger haben den Lockdown für Entrümpelungen genutzt

Viele Bürger hatten den Lockdown genutzt, Keller und Dachböden zu entrümpeln oder zu renovieren. Und dass kommt nun den Werkhof-Kunden zugute. Denn die Lager sind voll, das Angebot ist kaum überschaubar. 

Es gibt Bekleidung für vermutlich alle Lebenslagen.

Was Sven Keller aber auch festgestellt hat: Die Kunden, die sonst zum Stöbern kamen, aber dann unverrichteter Dinge gegangen sind, fehlen in der Corona-Zeit zwar noch, doch diejenigen, die jetzt kommen, suchen gezielt und kaufen entsprechend ein. 

Im Ergebnis: „Wir haben alle Hände voll zu tun.“ Dass der Laden wieder läuft, freut auch die Beschäftigten, die nahezu komplett im Dienst sind. Die sogenannten AGH-Kräfte – die Arbeitsgelegenheiten zur Wiedereingliederung auf Ein-Euro-Basis – müssten eigentlich noch gar nicht kommen. Sie tun es trotzdem auf freiwilliger Basis. 

Nicht nur Hausrat bringen die Menschen vorbei.

Es geht um die sozialen Kontakte mit den Kollegen und darum, „etwas um die Hand zu haben“, wie Keller sagt. Die, die sich aus gesundheitlichen Gründen noch nicht trauen, halten telefonisch Kontakt mit ihrem Werkhof. 

Noch kein völliger Normalbetrieb

Als völligen Normalbetrieb bewertet der Chef die Situation noch nicht. Unter den Hygieneauflagen sei das nicht ganz machbar. Ins Obergeschoss, wo sich die Bekleidungsabteilung findet, dürfen gleichzeitig nur fünf Leute und eine Maskenpflicht herrscht auch für die Mitarbeiter. 

Auch Fahrräder nimmt das Kaufhaus gerne an.

Doch ansonsten geht es weiter und Keller richtet auch einen Dank an die Bürger aus Halver und der näheren und weiteren Umgebung, die ihre Möbel und ihren Hausrat spenden, um ihn zugänglich zu machen, für finanziell schlechter gestellte Menschen oder auch für Schnäppchenjäger. „Das ist einfach eine Win-Win-Situation.“

Neuigkeiten in der Geschäftsführung

Jürgen Scheper hat am 1. April die Geschäftsführung des Werkhofs übernommen. Der 57-Jährige löst damit Ralph Osthoff ab, der in den Ruhestand geht. Scheper koordiniert fortan die drei Standorte in Halver, Hagen und Iserlohn vom Werkhof Hagen aus. 

Bürgermeister Michael Brosch (rechts) und Sven Keller, Standortleiter des Werkhofs (links), begrüßen Jürgen Scheper.

Berufserfahrung hat der Essener vor allem im sozialen Bereich, der Arbeit mit Behinderten und dem Bereich Eingliederung. Zuletzt war er bei der Zukunftswerkstatt in Düsseldorf beschäftigt und unterstützte durch Programme Menschen dabei, Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen und neue Qualifikationen zu erwerben. „Dann kam das Angebot vom Werkhof“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Werkhof bedeutet Jürgen Scheper insofern viel, als dass die Einrichtung Menschen unterstützt, die dringend welche brauchen. 

Nicht nur für Kunden ein gutes Angebot

Nicht nur für Kunden, die sich nicht vieles leisten können, sei das Angebot gut. Auch für die Mitarbeiter bietet der Werkhof eine Beschäftigung, um sie wieder zurück in Strukturen zu bringen. So gebe der Werkhof vielen Menschen eine Perspektive und die Chance, wieder selbstbestimmt zu leben. Auch widmet sich der Werkhof mit unterschiedlichen Projekten den Themen Integration und bietet mit pädagogischen Fachkräften Unterstützung. 

Bitte Abstand halten: Corona-Regeln müssen auch im Werkhof eingehalten werden.

Der Standort Halver läuft sehr gut, sagt Scheper. Erstaunt ist er immer wieder darüber, was Menschen alles spenden. Er freut sich über das große Angebot, das der Zweckverband anbieten kann. Pläne, die er für den Werkhof verwirklichen will, zielen darauf ab, Menschen noch mehr zu unterstützen, als es der Werkhof schon macht, sagt Scheper und lobt Standortleiter Sven Keller, der das Beste aus dem Werkhof in Halver gemacht habe. 

Kreative Ideen gibt es

Wie Bürgermeister Michael Brosch und Jürgen Scheper im ersten Kennenlerngespräch am Donnerstag sagten, legen sie Wert auf Kooperation und Kommunikation. Ideen für das Werkhofgelände hat die Stadt einige, sagt Brosch. Viele Dinge müssten nur noch kreativ zu Ende gedacht werden. Für Michael Brosch sei der Werkhof eine wichtige Institution, die auch einen Teil der Daseinsvorsorge übernimmt. Potenzial sieht Brosch aber auch in der Erfahrung Schepers für neue integrative Projekte in Halver – darunter Zusammenarbeit mit dem möglichen Gründerzentrum und der Idee eines Bringhofs.

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