Flüchtling kauft für Halveraner ein

Aus Hilfsbedürftigem wird ein Helfer

Bärbel Meyrich lässt sich in der aktuellen Corona-Krise von einem Flüchtling helfen. Er geht für sie einkaufen.
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Bärbel Meyrich lässt sich in der aktuellen Corona-Krise von einem Flüchtling helfen. Er geht für sie einkaufen.

Halver – Normalerweise ist es doch eher anders herum: Unterstützung für Flüchtlinge ist die Regel – in diesem Fall kommt die Unterstützung aber von einem Flüchtling. 

 „Er möchte etwas zurückgeben“, sagt Bärbel Meyrich. Die Halveranerin war seit vier Wochen in keinem Supermarkt mehr. Den Einkauf erledigt für sie ein Geflüchteter. Sie kennt ihn noch aus seinem ersten Sprachkurs, den die pensionierte Deutschlehrerin im Rahmen der Flüchtlingshilfe regelmäßig gibt. „Das ist schon Jahre her“, sagt sie. Er bekam schnell einen offiziellen Sprachkurs und ist heute in Hagen an einer Förderschule für Flüchtlinge.

 Jetzt haben sie wieder mehrt Kontakt, wenn auch mit Abstand. Über Whatsapp fragt Bärbel Meyrich, wann ihr Helfer wieder einkaufen gehen kann. Wenn ein Tag ausgemacht ist, schreibt sie ihre Einkaufsliste. Die schickt sie ihm dann bei Whatsapp. Aber dabei handelt es sich nicht einfach nur um eine Aufzählung der benötigten Lebensmittel. Aufgrund von kleinen Verständnisschwierigkeiten schickt sie als Hilfe gleich ein Foto des Produktes hinterher. Zum Beispiel bei Rosinen, Mandeln und Butter, die Rapsöl enthalten soll, damit sie im Kühlschrank streichzart bleibt, sagt Meyrich. Das klappe auch meistens ganz gut. Nur einmal wollte sie dann doch Butter ohne Rapsöl, bekam aber stattdessen Margarine ohne Palmöl. „Er macht sich immerhin viele Gedanken“, sagt sie und lacht. 

Fotos von Produkten statt Einkaufsliste

Mittlerweile hat sie von allen spezielleren Lebensmitteln Fotos gemacht. Und damit zieht er dann los. Wenn es bei Bärbel Meyrich klingelt, steht er mit vollen Einkaufstaschen vor ihrer Tür. „Er geht einen Schritt zurück, wenn ich die Tür öffne.“ Für die Bezahlung des Einkaufs gibt Bärbel Meyrich ihrem Helfer ein Portemonnaie mit Geld – wenn das aus ist, füllt sie es wieder auf. Auf die Rechnung schaut Meyrich schon gar nicht mehr. „Ich vertraue ihm voll und ganz“, sagt sie und spricht in sehr hohen Tönen von ihrem Helfer. Doch Meyrich braucht nicht immer seine Hilfe, sie hat auch noch zwei weitere Helfer, die sie in Anspruch nehmen kann – weil sie unbedingt helfen möchten. Das Phänomen kennt auch Claudia Wrede vom Bürgerzentrum. Bei ihr sammeln sich Hilfsangebote und -gesuche. Sie bündelt und vermittelt. Es gibt noch immer mehr Hilfsangebote als Nachfragen, sagt sie. „Und die Helfer wollen so gerne helfen“, sagt Claudia Wrede. „Sie würden sich so freuen, wenn ich sie anrufen könnte, um ihnen zu sagen, dass sie gebraucht werden.“ 

Coronavirus in Halver: Hilfe auch aus dem Bürgerzentrum

Woran liegt das? Bärbel Meyrich vermutet, dass ältere Menschen einfach zu gerne einkaufen gehen und so lange sie es noch können auch tun wollen – trotz Corona. Im Supermarkt treffen sie Bekannte und können quatschen. Bei Fremden hätten ältere Menschen oftmals Berührungsängste. Nachbarschaftshilfen oder Hilfen aus der Familie und dem Bekanntenkreis werde es mit Sicherheit geben. Claudia Wrede glaubte schon zu Beginn, als es nur Hilfsangebote, aber noch keine Nachfragen gab, dass sich Menschen, die Hilfe brauchen, davor scheuen, sich zu melden. Daher appelliert sie nochmals an alle, die auf Hilfe angewiesen sind, sich zu melden. Bisher sind es rund zehn Personen, denen das Claudia Wrede eine Hilfe vermittelt hat. Dass ab heute die Maskenpflicht in Geschäften gilt, begrüßt Meyrich. Sie hat in den vergangenen Wochen bereits fleißig Masken genäht und Familie, Freunde und auch die Nachbarschaft versorgt. „Vielleicht gehe ich ab Montag auch mal wieder in ein Geschäft“, sagt sie. Die Masken geben ihr ein Stück Sicherheit zurück.

Claudia Wrede ist montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr im Bürgerzentrum unter der Rufnummer 02353/73149 erreichbar.

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