Coronavirus in Halver: So halten die Menschen Kontakt

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Kindergartenfreunde werden zu Brieffreunden.

Halver – Das Kontaktverbot schränkt das Leben noch mehr ein als zuvor. Doch die Halveraner und Schalksmühler, ob Groß oder Klein, werden erfinderisch. Bis sie sich wieder treffen und in die Arme nehmen dürfen, haben sie einige Ideen, sich die Zeit bis zu diesem Tag zu verschönern. 

Auch die Kleinen vermissen ihre Freunde. Sie können sich nicht mehr auf der Straße oder auf dem Spielplatz treffen. Stattdessen verbringen sie die meiste Zeit Zuhause. Ihre Eltern und zum Teil Geschwister halten sie bei Laune. Sabrina Keller und ihr vierjähriger Sohn aus Halver hatten eine gute Idee, wie sie den Kontakt zu Freunden halten können und nebenbei auch noch basteln. Sie schicken Briefe an die Kindergartenfreunde. Im Umschlag finden sich bunt gemalte Bilder und einen Text, den natürlich die Mama geschrieben hat. „Hallo Ben, wie geht es dir?“, steht auf einem geschrieben. „Pass auf dich auf!“ 

„Anstatt die Briefe anzulecken, kleben wir sie zu und benutzen selbst klebende Briefmarken“, sagt Sabrina Keller. „Alle Gedanken, die man sich beim Stichwort Corona macht.“ Die frankierten Briefe steckt die Familie dann an den Briefkasten und der Briefträger nimmt sie mit. „Unser Sohn malt sehr gerne zum Zeitvertreib und schenkt seinen Freunden gerne seine Bilder“, sagt Keller. „Jetzt ist der Kindergarten zu und die Freunde werden zu Brieffreunden – so haben alle etwas davon.“ Das nächste Projekt ist übrigens ein besonders schöner Brief an den Osterhasen – ein Tipp, den die Mutter mit anderen teilen möchte. 

Coronavirus in Halver: Brieffreundschaften bilden sich

Die Halveranerin Magda Szproch nutzt Videotelefonie mit ihrer Familie, um gemeinsam zu spielen. „Alles, was die anderen brauchen, ist ein Würfel“, sagt sie. Die Brettspiele sind bei Szprochs Zuhause. So sieht man sich nicht nur, sondern hat gemeinsam Spaß – Erlebnisse, von denen die Familie noch lange erzählen wird. Aber sie freuen sich schon darauf, wieder mit allen gemeinsam an einem Tisch zu spielen. Weil die Großmutter der Kinder in Dortmund lebt und geschützt werden soll, hatten die Kinder eine Idee, der Oma trotzdem eine Geburtstagsüberraschung zu bescheren, die nicht jeder bekommt. Auf dem Parkplatz des Eugen-Schmalenbach-Berufskollegs malten sie ein riesiges Herz mit Kreide und machten ein Foto davon. Zum 60. Geburtstag sollte es etwas Besonderes sein. Als Foto kam das Herz in Dortmund an. 

Die etwas größeren Kinder nutzen vor allem die digitalen Medien, um in Kontakt zu bleiben. Finn Schnepper aus Schalksmühle nutzt dafür zum Beispiel die App „Houseparty“. Mittels Videotelefonie können sich größere Gruppen dort miteinander vernetzen. Ehe man sich versieht, hat man innerhalb kürzester Zeit eine große Gruppe zusammen im Videochat – eben eine „Houseparty“. Nur ein kleiner Trost für Finn Schnepper. Seit er am Freitag vor zwei Wochen die Schule verlassen musste, ohne die Gewissheit noch einmal wiederzukommen, denkt er viel darüber nach. Der 18-Jährige steht am Anne-Frank-Gymnasium in Halver kurz vor dem Abitur. Ginge es nach ihm, würde er es besser finden, wenn die Prüfungen abgesagt werden würden. Viele seiner Freunde aus der Q2 wollen aber mit den letzten Klausuren noch ihren Schnitt heben. Jetzt ist klar, die Klausuren finden statt. 

Videotelefonie nur kleiner Trost für Abiturienten

„Ich bin froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen musste.“ Was ihn und andere aus der Stufe am meisten daran traurig macht, ist der radikale Bruch. Für die Stufe werde es keine Mottowoche geben, die er und seine Mitschüler seit elf Jahren jedes Jahr bei den Abiturienten miterlebten. „Die Möglichkeit des Abschieds wird uns genommen“, sagt Finn Schnepper. Viele Freunde haben Pläne, wollen ins Ausland oder wechseln für ein Studium die Stadt. Der Abschlussjahrgang wird sich verstreuen – dass sie sich alle gemeinsam nicht mehr wiedersehen, machte den letzten Freitag an der Schule nicht einfacher. Seine Mutter Judith hat „das Telefon wiederentdeckt“, sagt sie. Sonst habe sie viele Nachrichten mit dem Handy verschickt. Jetzt telefoniert sie lange mit Freunden und Bekannten, die sie erst einmal nicht wiedersehen kann. „So schlimm das alles auch ist“, sagt sie, „gibt es auch gute Seiten.“

Lesen Sie hier mehr zur Situation im MK

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