Auswirkungen auf das Handwerk

Coronavirus in Halver: Die einen Handwerker müssen kämpfen, den anderen geht es gut

Fliesenleger leisten kreative Knochenarbeit
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Fliesenleger leisten kreative Knochenarbeit

Halver - Wie verändert die Corona-Krise den Alltag von Handwerksbetrieben? Wir haben nachgefragt, ob sie genug Aufträge bekommen und noch in die Wohnungen der Kunden gelassen werden. Fest steht: Die Lage ist sehr unterschiedlich.

Im Dachdeckerbetrieb von Dirk Düppe sieht die Welt noch gut aus. Nicht zuletzt, weil die Mitarbeiter wörtlich die Welt von oben betrachten. Auf den Dächern der Stadt sind die Mitarbeiter von Düppe sicher vor Infektionen. Und auch die Auftraggeber gefährden sich nicht. Während sie im besten Fall Zuhause sitzen, arbeiten die Dachdecker. „Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hin sollen“, sagt Dirk Düppe. Es gebe viele Aufträge und die Mitarbeiter arbeiteten bereits an ihrer Belastungsgrenze. „Wir können uns nicht beschweren“, sagt der Inhaber. Vom Coronavirus merke er keine Auswirkungen auf seinen Betrieb. 

Das kann auch das Elektriker-Unternehmen Niggeloh bestätigen. „Wir haben noch genug Aufträge“, heißt es. Lediglich Aufträge aus der Industrie fielen jetzt weg, weil die Firmen vermehrt Kurzarbeit angemeldet haben. Ansonsten könnten sie sich nicht beschweren. Erst Dienstagabend gab es einen Stromausfall bei einer Familie, zu der das Unternehmen als Notdienst eilte. 

Elektriker und Fliesenleger

Auch die Elektriker bei der Firma Panne haben noch einiges zu tun. Das Tagesgeschäft jedoch breche weg. Kleine Arbeiten also, wie Steckdosen wechseln und Lampen anschließen. Bei Panne hat man auch das Gefühl, dass die Kunden in diesen Zeiten so wenig Leute wie möglich in ihren Wohnungen haben wollen – was sie auch verstehen können. So lautet auch die klare Regel der Regierung. Mindestabstände und Hygienevorschriften halten auch die Elektriker ein. „Man trifft sich auch nicht mehr im Büro“, sagt Susanne Roling. Stattdessen fahren die Mitarbeiter von Zuhause direkt zum Einsatz. Jeden Tag werden diese neu justiert, sagt sie. Für alle Mitarbeiter genügend Arbeit zu finden, sei eine Herausforderung. 

Wenn es nur darum geht, dass etwas verschönert werden soll, erhalten die Fliesenleger van Gestel in diesen Zeiten Absagen. Das Familienunternehmen habe zwar noch genug zu tun – Petra van Gestel betont allerdings das „noch“. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, weiß sie noch nicht. Bisher wurden die Termine, die abgesagt wurde, in den Mai verschoben. Großbaustellen eröffnen sie aktuell nicht mehr. Auch, wenn es von Vorteil ist, dass das Familienunternehmen weiter als Gruppe arbeiten kann. „Wir wohnen eh alle zusammen“, sagt sie. Wie es weiter geht, zeige sich von Tag zu Tag. „Man merkt, es ist nicht mehr so stressig wie vorher.“ 

Coronavirus im MK: So steht es um Handwerker in Schalksmühle 

Der Maler Martin Kauschka sagt, es läuft momentan schlecht. Viele Absagen und Verschiebungen auf ungewisse Zeit leeren seinen Terminkalender. Ein bisschen habe er noch zu tun. „Aber die Leute sind vorsichtig geworden.“ Zum einen sei es die Angst, sich anzustecken, aber zum anderen auch finanzielle Ängste. Viele wüssten oft nicht, ob sie den Auftrag bezahlen können und ob ihr Einkommen sicher ist in diesen Zeiten, in denen Kurzarbeit und Jobverlust Themen werden. Aber „irgendwann kommt der Knall“ sagt er, „und dann weiß man wieder nicht wohin mit allen Aufträgen.“ Er bleibt optimistisch „Was bleibt mir auch übrig?“ Auch scherzen kann er noch: „Egal, was kommt – ich habe Klopapier.“ 

Aufträge gibt es beim Klempner-Unternehmen Bremicker noch genügend. „Bis jetzt läuft alles wie gewohnt“, sagt Jara Bremicker. Zu den Kunden werde Abstand gehalten und alle halten sich auch daran. „Dafür hat ja momentan jeder Verständnis.“ Die Mitarbeiter hätten trotz der Corona-Krise so viel zu tun, dass sie gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Dabei spielt es auch eine Rolle, dass viele Kunden Handwerker bestellen, weil sie aktuell Zuhause sind und die Zeit haben, einen Handwerker zu empfangen, der dann die Heizung wartet zum Beispiel. Weil die Arbeit von Maler Martin Kauschka eher Dreck verursacht und im Wohnraum stattfindet, ist es bei ihm genau anders herum. Weil viele Kunden Zuhause seien und die meiste Zeit dort verbringen, möchten sie derzeit keinen Handwerker bestellen. „Das kann ich auch verstehen“, sagt Kauschka und merkt an, dass viele auch ihre Kinder Zuhause haben. „Da würde ich nur stören.“ 

Manfred Ehmann ist gelernter Fliesenleger in Schalksmühle. Wie es aktuell läuft? „Schlecht“, sagt der 63-Jährige ganz klar. Aber in seinen vielen Jahren als selbstständiger Handwerker schockt ihn auch die Corona-Krise nicht mehr. Er erinnert sich an die Zeit, als der Euro eingeführt wurde. „Da blieben auch die Aufträge aus.“ Heute allerdings bleiben zwar auch Aufträge aus, aber er sagt auch von sich aus bevorstehende Arbeiten ab, wenn diese bei Menschen, die aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören, wären. „Ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass ein 94-Jähriger stirbt, weil ich bei ihm war“, sagt der Fliesenleger. 

Eine weitere Einschränkung sei für ihn der eingeschränkte Import. Seine Fliesen und sonstigen Baumaterialien bezieht er aus Italien. Die letzte Lieferung erhielt er vor zwei Wochen „gerade noch so“. Jetzt sei der Import aus Italien tot. Er hofft jetzt vor allem darauf, dass „das Handwerk nicht vergessen wird“ und auch sie finanziell durch die Rettungsschirme.

Situation bei Schornsteinfegern

Während man Handwerker abweisen kann, stellt sich die Situation beim Schornsteinfeger anders dar. Das Ministerium hat die Vorgabe erlassen, dass die Schornsteinfeger ihren Aufgaben nachgehen sollen, es sei denn, der Hausbesitzer oder -bewohner ist erkrankt oder befindet sich Quarantäne. Weigern sich Hausbesitzer trotz der Ansprache durch den Kaminkehrer, kann dieser eine kurze Frist einräumen. Besteht dann weiterhin eine Weigerung, wird der Kunde der Kreisordnungsbehörde gemeldet, die dann die weiteren Schritte veranlasst. Die Schornsteinfeger selbst sind gefordert, sich an die Hygienevorschriften Robert-Koch-Instituts zu halten.

Lesen Sie hier mehr über das aktuelle Geschehen im Märkischen Kreis.

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