Reaktionen auf Lockerung

Kein normaler Kita-Alltag: Eltern und Kinder äußern sich

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Erster Kitatag seit Langem: Tea (4) und ihre Mutter Uta Hentschel sitzen nach dem ersten Kindergartentag auf der Treppe.

Halver - Es war der erste Kitatag seit Langem für einen Großteil der Kinder. Aber so wie sie die Einrichtung ursprünglich kennen, ist sie nicht mehr. Grund dafür ist der eingeschränkte Regelbetrieb.

Trotzdem war die Freude bei den Kindern groß. „Herzlich willkommen. Schön, dass ihr da seid“, stand auf einem Plakat, das über dem Haupteingang der DRK-Kita Juno ragte. Es ersetzt nun die Plakate an vielen Kindertagesstätten, auf denen „Wir vermissen euch“ stand. Nun hat wieder ein neuer Abschnitt in der Corona-Zeit begonnen. 

„Es ist alles anders“, sagt Petra Gelhart, Leiterin der Kita Juno. Die Arbeit der Erzieherinnen werde erschwert. Bei jedem Gang zum WC und zum Händewaschen muss jemand dabei sein, laufend wird desinfiziert. Bei all den Vorgaben sei es ihr und dem Team wichtig, dass die Kinder nicht ihre kindliche Freude verlieren. Doch sie ist optimistisch: „Alles wird sich wieder einpendeln.“ 

Mit diesem Plakat wurden die Kinder der Kita Juno begrüßt.

Die ersten Tage seien aber für alle auch eine Herausforderung. Kuscheltiere der Kinder müssen zuhause bleiben. Betreten dürfen die Eltern die Kita nicht, stattdessen werden die Kinder an der Tür abgegeben und abgeholt. Nicht alle Eltern seien verständnisvoll, was es nicht leichter mache. 

Die Freude wurde von manchen Eltern getrübt

Die Mitarbeiter hätten sich am ersten Tag sehr auf die Kinder gefreut, wurden aber an mancher Stelle von Eltern in der Freude getrübt worden. „Es war am ersten Tag für alle anstrengend – für Eltern und Erzieher“, sagt Gelhart rückblickend und glaubt, Eltern hätten andere Vorstellungen vom eingeschränkten Regelbetrieb gehabt. 

Melina (4) und Johanna (2) mit ihrem Papa. Er und seine Frau sind froh über die Öffnung – nach all den Wochen Spagat zwischen Betreuung und Beruf.

Am Dienstagmorgen sei schon vieles entspannter gewesen und sie hofft auf weitere Entspannung. Die Leiterin appelliert an Eltern, ihren Kindern mehr zuzutrauen. Sie gingen besser mit der Situation um, als mancher Erwachsener. Wenn ein Kind sein Kuscheltier vermisst, muntern es mittlerweile andere Kinder wieder auf und sagen: „Du weißt doch, dein Kuscheltier wartet zuhause auf dich. Das muss alles sein wegen Corona.“ 

„Kinder können sich an Regeln halten“

„Die Kinder machen das untereinander toll“, sagt Gelhart. „Kinder können sich an Regeln halten.“

Für Bianca Nockemann und ihre Kinder Linus (1) und Mia (2) ist die Kita eine große Hilfe.

Doch Sorgen und Ängste gibt es auch: Am ersten Morgen hatte ein Kind Angst, sich in der Kita mit dem Coronavirus zu infizieren. „Wir versuchen, die Kinder aufzufangen“, sagt Gelhart. „Vorsicht ist das eine, Angst etwas ganz anderes.“ Es gehe darum, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Die meisten Kinder aber haben sich gefreut und gewöhnen sich schnell an die neuen Regeln. 

Die Öffnung ist auch eine Erleichterung

Für die Eltern ist die Kitaöffnung zum Teil eine Erleichterung, teilweise schränken die neuen Regeln auch wieder mehr ein. Bianca Nockemann holte ihre zwei Kinder noch in Arbeitskleidung ab. Eigentlich gehen Linus (1) und Mia (2) zur Tagesmutter. Weil sie aber noch nicht wieder arbeitet, hatten die beiden ihren allerersten Tag in der Kita Juno. „Wir sind froh, dass wir die Kita haben“, sagt die Mutter.

Melanie Hedtfeld und ihre Tochter Ella (6). Der erste Kita-Tag war es für Ella nicht, aber endlich hat sie wieder einige ihrer Freunde sehen können.

Ella (6) hatte nicht ihren ersten Tag seit Langem, aber dafür traf sie viele Freunde wieder. Ein paar haben noch gefehlt, sagte sie. Für ihre Mutter Melanie Hedtfeld ist jedoch die Reduzierung der Betreuungszeit um zehn Stunden eine erneute Herausforderung. Weil sie bis Freitag sowohl als systemrelevant und alleinerziehend galt, war die Betreuung einfacher. 

Ergün (3) und sein Vater. Betreten werden darf die Einrichtung nicht. Stattdessen warten die Eltern an der Tür, bis ihr Kind von einer Erzieherin gebracht wird.

Auch andere Eltern, die jetzt theoretisch wieder arbeiten gehen könnten, weil die Kinder in die Kita dürfen, müssen durch die Stundenkürzung flexibel bleiben. Jetzt kristallisieren sich gute Arbeitgeber heraus, heißt es in der Eltern-Warteschlange vor der Kita. 

Alle sitzen im selben Boot

„Wir wollen den Eltern das Leben nicht schwer machen“, sagt Gelhart und betont, dass die Vorgaben das Land macht. Die Situation sei für alle seltsam und anstrengend. „Aber wir wollen alle gut durch diese Zeit kommen. Entweder so, oder gar nicht.“ Schritt für Schritt werde es jetzt weiter gehen. Bis die Kita irgendwann auch wieder ganz normal öffnen kann.

Kita-Öffnung ist ein „Unding“ - keine Normalität in Sicht.

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