Mobile Sozialarbeit

Sozialarbeit vor Ort: Streetworker auf dem Rad unterwegs

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Arndt Spielmann ist mit dem Fahrrad auf der Suche nach Jugendlichen.

Halver - Der Jugendtreff Aquarium an der Helle hat zwar geöffnet, aber es bleibt meist leer. Aus diesem Grund hat sich Leiter Arndt Spielmann etwas Besonderes einfallen lassen.

„Ich glaube, die Jugendlichen haben in den vergangenen Wochen gelernt, sich selbst zu organisieren“, sagt Arndt Spielmann, Sozialarbeiter und Leiter des Jugendzentrums Aquarium. Am Dienstag nach dem langen Pfingstwochenende hatte das Aquarium eigentlich geöffnet, aber weil nichts los war, hat Arndt Spielmann die Türen wieder hinter sich abgeschlossen. 

Stattdessen machte er sich mobil und suchend auf den Weg durch die Stadt. Wen er trifft, den spricht er an. Fragt, wie es den Jugendlichen geht, was sie so machen, ob sie Hilfe brauchen. Er sucht Kontakt, den er durch die Corona-Pandemie lange nicht zu den Jugendlichen hatte, die sonst regelmäßig ins Jugendzentrum kamen. Spielmann will den Kontakt nicht verlieren und vor allem zeigen: „Ich bin da.“ 

Mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs

Zu Fuß sei der Radius zu klein, sagt Spielmann. Deswegen setzt er sich jetzt aufs Fahrrad, um das Stadtgebiet besser abfahren zu können. So fährt er durch die Stadt vom Fachmarktzentrum bis zum Ententeich und zu Plätzen, von denen er weiß, dass die Jugendlichen dort sitzen. 

Auch in den sozialen Netzwerken versucht er, Kontakt zu halten und herzustellen. Auf Fotos sieht er, wo sich die Jugendlichen treffen, und spricht sie beim nächsten Mal darauf an. Mit den aktuellen Lockerungen erreichten den Sozialarbeiter einige Fragen von Jugendlichen. „Hey Arndt, ich habe mal eine Frage“, fängt eine Nachricht an. Wissen wollten die Jugendlichen, ob sie sich jetzt wirklich wieder zu zehnt treffen dürfen oder ob alle miteinander verwandt sein müssen. Im Internet, schreiben die Jugendlichen, überschlagen sich die Nachrichten. 

Die Jugendlichen suchen einen Ansprechpartner

Bei Arndt Spielmann suchen sie einen Ansprechpartner, aber vor allem Klarheit. „Das tut schon gut“, gibt der Halveraner zu. Er freue sich, dass sich die Jugendlichen trotz allem an ihn wenden – war er doch auch auf Streife mit dem Ordnungsamt. Das hätte so manch ein Jugendlicher falsch verstanden, sagt er. Klare Grenzen müssen wieder geschaffen werden. Den Anfang macht er jetzt eben auf dem Rad und versucht die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sich aufhalten. 

Homeschooling als Problem

Ein anderes Problem, das er angeht ist, dass einige von den Jugendlichen, die er kennt, kein Homeschooling gemacht haben und jetzt hinterherhinken. Gemeinsam mit Elvira Wiegand, der Schulsozialarbeiterin der Humboldtschule, arbeite er jetzt an einem Konzept, den Jugendlichen zu helfen. Schulnahe Betreuung ist die Idee. Und wenn es nur sei, sie im Aquarium beim Vokabel-Lernen zu unterstützen. Am Donnerstag nahmen das Angebot fünf Jugendliche bereits an. 

Unter der Corona-Situation litten auch die Jugendlichen. Sie könnten sich zwar anders beschäftigen, aber auch ihnen fehlen soziale Kontakte – und allen voran die Schule. Arndt Spielmann versucht, das aufzufangen mit den Mitteln und Partnern, die er hat. Dazu zählt auch der Ferienspaß des Jugendtreffs Aquarium, den er mit einer Alternative gemeinsam mit Honorarkräften nicht ganz ausfallen lassen will.

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