Spielsachen in den Kitas stauben ein

Alltag für die Kleinen - Kitas äußern Kritik

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Die Vorschulkinder kehren am 28. Mai in die Kitas zurück.

Halver/Schalksmühle – Notgruppen mit wechselnden Besetzungen, Telefonate zwischen Erziehern und Kindern, eine Bastelkiste mit Ideen für zu Hause: In Zeiten der Corona-Krise herrscht auch in den Kindergärten eine besondere Situation, müssen viele Dinge geregelt werden. Während sich in den Notgruppen mittlerweile vieles eingespielt hat, gibt es andernorts Probleme.

Nun stehen weitere Lockerungen an. So dürfen ab heute  Vorschulkinder  mit Anspruchsberechtigung nach dem Bildungs- und Teilhabepaket sowie Integrativ-Kinder betreut werden, ab dem 28. Mai folgen alle anderen Vorschulkinder. 

Bei der Kita St. Nikolaus warten die Erzieher sehnsüchtig auf die Kinder. Bislang waren zwischen acht und zwölf Kinder in der Notgruppenbetreuung, zur Wiederkehr der „Wackelzähne“ am 28. Mai werden 32 der insgesamt 68 Kinder wieder da sein. 

Kommunikation zwischen Kita und Eltern läuft gut 

„Wir freuen uns sehr darüber, dass die Kinder zurückkommen. Die Spielsachen stauben teilweise schon ein. In dieser Form ist das nicht der Beruf, den wir ausgewählt haben“, so Leiterin Angelika Szymik. In der Zwischenzeit verlief die Kommunikation zwischen Eltern und der Kita gut. „Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Deswegen geben uns Strukturen und Rahmenbedingungen einen Halt. Diese Bedingungen hatten wir in den vergangenen Wochen nicht. Gerade für die Vorschulkinder ist der Übergang von der Kita zur Grundschule wichtig. Wir wollen in unseren Kleingruppen unser Bestmögliches tun, um den Übergang zu erleichtern.“ 

Das Wohl der Kinder liegt auch Kristian Hamm am Herzen. Als Geschäftsführer der gemeinnützigen Sentiris GmbH ist er der Träger der Kita Wunderland. Hamm kritisiert das Krisenmanagement des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche durch, um die Erlasse zu verstehen und umzusetzen. Allerdings widersprechen sich die Erlasse und Aussagen der Politiker immer wieder. Die linke Hand weiß oft nicht, was die rechte tut.“ 

Coronavirus im MK: Hamm kritisiert Krisenmanagement des Ministeriums

Dies führe auch zu Problemen in der Kommunikation zwischen seinen Mitarbeitern und den Eltern. „In den ersten Wochen der Krise kann ich es verstehen, dass die Kommunikation schlecht ist, da es sich um eine in der Form noch nie da gewesene Situation handelt. Aber irgendwann muss ein Apparat wie das Ministerium laufen und arbeiten. Der Minister Stamp sagte, dass er bei den Trägern nachfragte und eine positive Rückmeldung erhielt. Mit mir hat aber keiner gesprochen, das ist ganz einfach gelogen. Ich würde mir von der Landesregierung mehr Unterstützung wünschen.“ Zudem ist Hamm auf neue Mitarbeiter angewiesen, da fünf seiner neun Erzieherinnen zur Risikogruppe zählen und deswegen nicht arbeiten können. 

„Mit der Rückkehr der Vorschulkinder brauchen wir eine weitere Angestellte.“ Er sieht auch in der angespannten Situation etwas Positives: „Ich bin froh, dass ich kein Friseur bin, wir kriegen weiterhin Gelder des Staats und leben nicht am Existenzminimum.“ 

Der Versuch, das Beste aus der Situation zu machen 

 „Bei uns liefen in den vergangenen Tagen tatsächlich die Telefone heiß. Viele Eltern möchten wissen, wie es für die Vorschulkinder weitergeht, wie es in den Gruppen ablaufen wird“, machte Maike Harnisch, Leiterin der Kita in Heedfeld deutlich. Fragen, mit denen sich auch das Team in diesen Tagen intensiv beschäftigt. „Es ist vieles noch im Fluss“, beschreibt Harnisch die Situation.

Grundsätzlich versuche man, das Beste aus der Situation zu machen. „Eine pädagogische Arbeit, wie wir sie verstehen, ist derzeit nicht möglich. Das tut uns schon weh.“ Ausflüge in den Wald und viel Zeit zum Spielen auf dem Außengelände stehen im Fokus – ebenso wie die wöchentlichen E-Mails an alle Kinder. Biblische Geschichten, Bastelanleitungen, Rezepte und Infos zu den gängigen Vorschul-Themen: „Wir halten Kontakt zu unseren Kindern, versuchen ihnen vieles zukommen zu lassen, was wir sonst im Kindergarten machen würden.“ Generell sei das Verständnis bei den Eltern groß, wütende Proteste habe es in ihrer Einrichtung nicht gegeben. Im Gegenteil: „Manchmal ist es den Eltern sogar unangenehm, ihr Kind in die Notbetreuung schicken zu müssen.“ 

Arbeit im Schichtbetrieb

Dass sie mit zunehmender Öffnung einer größeren Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind, darüber seien sich die Erzieherinnen bewusst. „Wir wissen, dass wir ein erhöhtes Risiko haben, sind aber dennoch froh, dass wir wieder mit den Kindern arbeiten dürfen – wenngleich anders als gewohnt.“ 

Derzeit noch im Schichtbetrieb läuft die Betreuung in den Notgruppen der beiden kommunalen Einrichtungen – wie lange dies mit zunehmenden Lockerungen aufrechterhalten werden kann, werde sich in den kommenden Wochen zeigen, machte Sachgebietsleiter Nektarios Stefanidis deutlich. Je mehr Kinder kämen, umso mehr halte auch der reguläre Kita-Alltag wieder Einzug. „Natürlich wächst die Ansteckungsgefahr und damit auch die Besorgnis um die eigene Gesundheit“, verweist Fachbereichsleiterin Anja Wolf darauf, dass gerade in der Arbeit mit Kleinkindern die Abstände oftmals nicht einzuhalten sind. Deshalb blicke man doch mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Wochen.

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