Corona in Halver

Coronakrise: Musikschule will „anpacken statt rumjammern“

Musikschul-Mitinhaber Michael Grothe aus Halver sitzt am Schlagzeug. Er macht das Beste aus der derzeitigen Situation.
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„Ich will hier nicht rumjammern“: Musikschul-Mitinhaber Michael Grothe aus Halver macht das Beste aus der derzeitigen Situation.

Schulen bleiben geöffnet, Musikschulen mussten in einigen Bundesländern zunächst schließen, ehe dann doch deren Öffnung erlaubt wurde. Ein Durcheinander, das auch in der Musikschule Eicker in Bever für Unverständnis sorgt.

Der zweite Lockdown sorgt für große Verunsicherung und offene Fragen. Essen gehen ist verboten, Essen abholen ist erlaubt. Ein Friseurbesuch ist kein Problem, das Nagelstudio ist aber dicht. Besonders konfus wird es bei den schulischen Einrichtungen: Kindergärten und Schulen bleiben geöffnet, Musikschulen mussten in einigen Bundesländern zunächst schließen, ehe dann doch deren Öffnung erlaubt wurde. Ein Durcheinander, das auch in der Musikschule Eicker in Bever für Unverständnis sorgt.

„Ich war mir selber nicht sicher, wie genau es jetzt weitergeht“, sagt Mitinhaber Michael Grothe. In der ersten Novemberwoche blieben die Türen der Einrichtung deshalb erst mal geschlossen. Seit vergangener Woche Montag ist ein normaler Unterricht wieder möglich – wenn auch mit Einschränkungen. „Hier wird seit dem ersten Lockdown auf Distanz unterrichtet“, erklärt der Musiklehrer. In den Räumen wurden alle Instrumente und Tische mit den gebührenden Abständen angeordnet, zudem wird regelmäßig gelüftet und desinfiziert.

Wir hatten auch Anmeldungen, die nachvollziehbarer-weise zum Lockdown zurückgezogen wurden.

Michael Grothe

Auf Wunsch können die Schüler auch von zu Hause aus den Umgang mit den Instrumenten lernen. Erfahrungen mit dem digitalen Unterricht konnten schon beim ersten Lockdown im Frühjahr gesammelt werden. „Zwei Lehrer haben damals unsere Schüler über Skype unterrichtet“, erinnert sich Grothe und will das digitale Lernsystem auch weiterhin anbieten. „Den Schülern hat diese Art des Unterrichts wirklich Spaß gemacht. Sie fanden das ziemlich cool“, sagt er.

Kein Wunder, dass diese Art des Lernens auf Begeisterung stößt, denn „wir haben das nicht einfach mit der Webcam gemacht, sondern mit Multikamera-Technik“, verrät der Schlagzeuglehrer. „Wir haben mit mehreren Kameras gestreamt, damit man zum Beispiel auch eine Großaufnahme vom Instrument zeigen konnte.“ Das sei zwar etwas aufwendiger gewesen, aber dafür auch effektiver. Während die meisten Instrumente auch online erlernbar sind, funktioniert das beim Schlagzeug und beim Gesang leider nicht.

Coronavirus in Halver: Sinkende Zahlen bei den Anmeldungen

Alle Mühen und kreative Umsetzungen können jedoch auch sinkende Zahlen bei den Anmeldungen nicht vermeiden: „Wir hatten auch Anmeldungen, die nachvollziehbarerweise zum Lockdown zurückgezogen wurden. Die melden sich ja nicht an, um hinterher keinen Unterricht zu bekommen.“ Dass Lernwillige künftig generell einen Bogen um die Musikschulen machen und sich das Musizieren über die zahlreich vorhandenen Videos im Internet beibringen, befürchtet der Musiker nicht. „Der Musikunterricht ist deswegen so erfolgreich, weil man den persönlichen Kontakt hat“, erklärt Grothe. „Dabei kann man dem Schüler detailliert auf die Finger schauen und genaue Anweisungen geben, wie man es richtig macht, bevor sich irgendwelche Fehler einschleichen.“

Die Ergänzung mithilfe von Internet-Videos sei dabei eher förderlich. Durch die Verlagerung des Präsenzunterrichts in die digitale Schulung kann die Arbeit in der Musikschule ohne Unterbrechungen weitergehen. „Dazu kommt, dass wir das in den eigenen Räumen anbieten können und keine Miete zahlen müssen“, sagt Grothe. Mit Einschnitten müsse man natürlich leben, gibt er zu bedenken. Die aktuelle Lage kann er jedoch ganz pragmatisch zusammenfasen: „Andere leiden mehr unter dem Lockdown. Ich will hier nicht rumjammern.“

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