Gespräch mit Ausstellungsorganisatorin Jana Eilhardt

Die Kultur in den Zeiten von Corona

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Halver – Planen, organisieren, machen, das ist ihr Ding. Ineffizienz kann Jana Eilhardt nicht leiden. Sie kann sie sich auch gar nicht leisten als Ausstellungsorganisatorin im Ehrenamt. Dafür reicht die Zeit neben dem eigentlichen Job nicht aus.

Seit Jahresbeginn kümmert sie sich um die wechselnden Ausstellungen in der Villa Wippermann. Und das Regionalmuseum an der Frankfurter Straße hat in der Tat einen fulminanten Start hingelegt. Die Ausstellung „Wir Fotografen“ des Fotovereins Halver zählte mehr als 1000 Besucher. Die Vorträge waren ausgebucht. Dass Besucher bei den Vorträgen kaum noch Platz fanden, spricht für das Engagement des Vereins, aber auch für das Konzept der Halveranerin, die das soziokulturelle Zentrum mehr Menschen zugänglich machen will. Dann kam der Schnitt. 

Virus zerlegt Betrieb 

Von einem Tag auf den anderen zerlegte das Coronavirus Mitte März das öffentliche Leben und den Kulturbetrieb. Die Räume im Erdgeschoss der Gründerzeitvilla waren zu diesem Zeitpunkt reserviert für das Frauenkunstforum Südwestfalen. Doch was im Herbst letzten Jahres als zweites Projekt für 2020 geplant war, war unter diesen Umständen nicht durchführbar. Geschlagen geben wollte sich die Kuratorin aber nicht. Sie fragte ihren früheren Lehrer im Studium zur Grafikdesignerin und Künstler – Jürgen Grislawski aus Herne. Beide konzipierten innerhalb kürzester Zeit die Ausstellung „Auf den zweiten Blick“. 

Alternative Instagram 

Trotz Lockdowns fanden die ausgestellten Bilder ihren Weg zu den potenziellen Besuchern. Über die Social-Media-Plattform Instagram waren Grislawskis Arbeiten ab Mai weltweit unterwegs. Die Bilder, die Grislawskis Frau Brigitte Kraemer, renommierte Fotografin, auch für den eigens aufgelegten Katalog erstellt hatte, kommentierte und postete Jana Eilhardt nahezu im Tagesrhythmus – und erschloss dem kleinen Halveraner Museum ungeahnte neue Zielgruppen. „Das Kunstmuseum Liechtenstein folgt uns jetzt“, staunt die Organisatorin. Und sie freue sich über die Rückmeldungen von Menschen, die ohne diesen Weg vermutlich nicht einmal wüssten, dass es Halver gibt. 

Schülerprojekt gekippt 

Während Grislawskis Bilder, Skulpturen und Druckgrafiken nach der Finissage in der vergangenen Woche wieder nach Herne zurückgekehrt sind, ist Jana Eilhardts drittes Vorhaben für 2020 coronabedingt ein bisschen aus dem Blick der Öffentlichkeit gerückt. Dabei war das Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche, das sich um den Künstler Jean-Michel Basquiat dreht, das aufwendigste in der diesjährigen Veranstaltungsreihe. Rund 300 Schülerinnen und Schüler wurden dazu mit Arbeitsmaterialien ausgestattet. Am Ende sollte eine gemeinsame Ausstellung stehen. Ob es dazu noch kommt, ist offen, aber eher unwahrscheinlich. Durch den Jahrgangswechsel nach den Sommerferien werde es wohl schwierig, das Vorhaben neu zu beleben. 

Zielgruppe erweitert 

Ihrem Ziel, die Villa Wippermann für neue Zielgruppen zu erschließen, will die Organisatorin treu bleiben. Zurzeit findet Yoga in den hellen Räumen mit wechselndem Ambiente statt. In Kürze: „Ich sah den Wald im Sonnenglanz“. Schwarz-Weiß-Fotografien der Lüdenscheider Fotografin Eva Winkler, die ab dem 21. August bis zum 18. Oktober im Regionalmuseum zu sehen sein werden. 

Flora, Fauna, Kinder 

Diese Naturbilder werden die Einführung zu der in wenigen Wochen startenden Ausstellung im Heimatmuseum bilden. In Zusammenarbeit mit dem Baumverein und dem Hegering Halver geht es um die Flora und Fauna der Region. Basteln, Rätseln und Entdecken heißt das Motto der neuen Ausstellung, die nicht nur Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Natur verschaffen soll. Die entsprechenden Vereine bieten Führungen und Vorträge an, es wird eine interaktive Schnitzeljagd geben, und für die Jüngsten wartet die ehrwürdige Villa mit einem eigenen Kinderzimmer auf.

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