Früher war mehr Lametta (Teil 13 unserer Serie)

Corona-Runde: Vom Kreisch über den A6 und zurück

Halver, Corona-Runde, Kreisch bis Wanderweg A6
+
Blick auf die Hofschaft Becke.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s vom Sportplatz Kreisch über den Rundwanderweg A6.

Halver – Wie oft ich diesen Weg schon gefahren bin? – Keine Ahnung. Wirklich nicht. Der Sportplatz am Kreisch ist für einen Sportredakteur mit Arbeitsschwerpunkt Halver und Schalksmühle an Sonntagen ein ebenso wichtiger wie regelmäßiger Anlaufpunkt. Doch diesmal ist alles anders. Mitten in der Woche. Frau und Hunde sind mit dabei. Es wird nicht Fußball geschaut. Sondern gewandert. Und zwar den Rundwanderweg A6 über Becke, Lingensiepen und den Nordeler Schleifkotten, inklusive eines kleinen „Zubringers“ vom Sportplatz Kreisch aus.

Die Anfahrt

Natürlich hätten wir auch im Tal der Ennepe am Wanderparkplatz Nordeler Schleifkotten starten können, wo es – aufmerksame Leserinnen und Leser werden sich dunkel erinnern – einst zur Corona-Runde rund um den Bollberg los ging. Aber das wäre dann doch ein bisschen zu billig. Abwechslung muss sein, zumal der Sportplatz Kreisch nun auch wirklich sehr leicht zu finden ist. Von Halver aus auf der L528 Richtung Breckerfeld/Hagen, dann links abbiegen in Richtung Ober Buschhausen und schon liegt kurze Zeit später linkerhand die Heimstätte des TuS Grünenbaum.

Einsam ist es hier zur Zeit, Corona lässt grüßen. Der TuS Grünenbaum hat die trainings- und spielfreie Zeit genutzt und neues Flutlicht installiert, angeschafft aus Mitteln des Förderprogramms „Moderne Sportstätte 2022“. Jetzt warten noch große Säcke mit Spezial-Granulat darauf, in den Kunstrasen eingearbeitet zu werden. Und dann kann es wieder los gehen. Wenn diese Pandemie doch nur endlich vorbei wäre... Aber ich schweife ab. Wir parken direkt vor dem Sportplatz. Hunde auspacken. Und los.

Die Streckenführung

Direkt rechts neben dem Sportplatz führt ein Feldweg talwärts in Richtung der Ortslage Kreisch. Den nimmt das Meyrich-Quartett. Die Körpersprache der Broholmer-Ladies verrät Anspannung pur, neue Gerüche allerorten, also keine Chance auf Freilauf. Hunde-Frust und gute Menschen-Laune gehen quasi Hand in Hand, weil die Fernsicht hier oben herrlich ist. Obwohl der omnipräsente Kreisch-Wind natürlich auch an diesem Tag kräftig bläst, lenkt er aber nicht ab vom Blick gen Halver. Die Kirchtürme sind schräg links ebenso zu sehen wie der Aussichtsturm. Bestes Sauerland-Panorama.

Start/Ziel: Sportplatz Kreisch Länge: 7,35 Kilometer Höhenmeter: 167 Meter Wege: gut ausgebaute Wanderwege; Straße Hinweis: Die Ziffern auf der Route geben die zurückgelegten Kilometer ab Start (roter Punkt o.r.) an.

Wir passieren die Ortslage Kreisch, es geht links ein kleines Stück auf ein schmales Asphaltsträßchen, das wir bald schon wieder verlassen. Kurz bevor die Straße eine scharfe Linkskurve vollführt, biegen wir ebenfalls scharf links ab – auf einen Feld- bzw. Waldweg. Dies ist der Startpunkt des eigentlichen Rundwanderweges A6. Isoliert betrachtet, ist diese Tour gute fünf Kilometer lang, mit dem Abstecher zum Parkplatz am Sportplatz kommt man auf 7,35 Kilometer.

Doppelte Wege-Kennzeichnung

Die Kennzeichnung erfolgt gleich doppelt. Einmal durch ein simples „A6“ und zusätzlich durch kleine, mintfarbene Plaketten mit dem Logo und Schriftzug der „Volme-Schätze“, einer Sammlung ausgesuchter Wanderwege in der Region. Der A6 firmiert unter dem Oberbegriff „Panorama“. Das freilich ist, so ehrlich muss man sein, ziemlich weit hergeholt. Sicherlich: Die Runde bietet hier und da einen netten Ausblick. „Nett“, sagt der Sauerländer in seinem bekannt spröden Charme bisweilen, „nett ist die kleine Schwester von scheiße...“. So weit gehen wir nicht, aber der spontanen Beurteilung meiner Gattin schließe ich mich vorbehaltlos an. „Panorama? Von wegen. Früher war mehr Lametta.“ Oder anders ausgedrückt: Andere Runden sind schöner.

Herrlich „old school“, aber eben auch passend: die Info-Tafel am Rastplatz Nordeler Schleifkotten.

Macht aber nichts. Durch – aus Laiensicht – zunächst noch gesunde Wälder geht es weiter bis zur Hofschaft Becke. Hier queren wir den Rehbrauckbach, der nicht weit entfernt entspringt, später vom Lingensiepen und der Lüdmecke gespeist wird, um nach knapp drei Kilometern in die Ennepe zu münden. Dort sehen wir ihn später wieder. Ab Becke geht’s auf Asphalt weiter, was aber insofern nicht schlimm ist, da hier ohnehin fast nur Anlieger unterwegs sind.

Bis Lingensiepen bleiben wir auf dieser Straße, hinter der dort ansässigen Holzhandlung Schulte geht es rechts in Richtung Brenscheid, das wir aber rechts liegenlassen. Eine vergleichsweise neue Infotafel weist auf den Wienhagener Turm und den Aussichtsturm Karlshöhe hin. Herbert Grönemeyer würde singen: „Was soll das?“ Denn mal ehrlich: Der Wienhagener Turm in Kierspe liegt schlanke 17 Kilometer entfernt, die Karlshöhe immer noch fünf. Nichts gegen interessante Infotafeln, aber ein klein wenig Bezug zum Standort sollten sie schon haben. Andernfalls erwecken sie den Anschein, dass noch Geld aus irgendeinem Subventionstopf weg musste.

Das, was vom Wald noch übrig ist

Kurze Zeit später geht es in den Wald. Oder in das, was davon übrig ist. Entweder tote Fichten stehen noch oder ihnen wurde bereits mit schwerem Gerät zu Stamme gerückt. Schön ist das alles nicht. Aber leider die neue Realität im Sauerland. Wo das noch hinführen soll? Man mag es sich gar nicht ausmalen. Linkerhand begleitet uns inzwischen der Löhbach auf seinem Weg in die Ennepe. Ein Wiedersehen gibt es nach knapp vier Kilometern mit dem Rundwanderweg A7 (der um den Bollberg). Wir halten uns rechts, gehen ein Stück des Weges durch das Tal der Ennepe gemeinsam.

Viel geschlagenes Holz, aber auch gut begehbare Wege und durchgehende Markierungen dominierten die Runde.

Wenngleich die Tour bis dato nicht sonderlich anstrengend war, weil es viel bergab ging, ist eine kleine Pause angesagt. Meine überaus umsichtige Gattin hat tatsächlich zwei zwar nur kleine, aber dafür profimäßig eisgekühlte Dosen Schalke-Bier im Rucksack versteckt. Nein, wir trinken uns die Runde jetzt nicht bewusst schön, wenngleich auch hier die vielen kahlen Ex-Wald-Flächen irgendwie keinen Spaß machen, sondern löschen nur unseren Durst.

Weiter geht’s durch das Tal der Ennepe bis zum Nordeler Schleifkotten. Hier hat der SGV vor langer Zeit die beiden sich nun wieder trennenden Wege A7 (links halten) und A6 (schräg rechts) schematisch auf einer Tafel dargestellt. Herrlich „old school“ irgendwie, aber eben an einer Stelle, wo es Sinn macht. Wir sind ca. bei Kilometer 4,5 – wohl wissend, dass es die restlichen drei Kilometer stetig bergauf gehen wird. Aber, und das ist die gute Nachricht, die Steigungen tun nicht wirklich weh. Vorbei an ein paar Ziegen, später dann an einem trocken gefallenen Teich, geht es zunächst über Feld-/Waldwege, ehe wir auf die Verbindungsstraße zwischen Kreisch und Becke treffen.

Svenja und Axel Meyrich

Auch hier gilt: ein einsames Auto, ein Fahrradfahrer – mehr Verkehr ist nicht. Die rechterhand weitläufige Wiesenfläche kommt uns bekannt vor. Und in der Tat: Die eigentliche A6-Runde neigt sich bereits ihrem Ende entgegen. Was bleibt, ist der finale knappe Kilometer via Kreisch zurück zum Ausgangspunkt. Ja, ein dünner Schweißfilm bildet sich hier schon, zumal nach einem zwischenzeitlichen Regenschauer jetzt die Sonne hervorlugt, bis zum Parkplatz unser Begleiter bleibt und die Wiesen dampfen lässt.

Das Fazit der Runde

Wenn es eine Tabelle aller bislang absolvierter Corona-Runden gäbe, der Rundwanderweg A6 würde gegen den Abstieg kämpfen. Das ist in solch einer Wertung ein Stück weit natürlich immer Geschmackssache. Positiv: Die Wege und Straßen sind durchweg gut gangbar, der Ausgangspunkt bestens erreichbar, die Route prima gekennzeichnet. In der Summe aber ist es eine unspektakuläre Runde. In Ordnung sicherlich. Aber auch nicht mehr. Für den Klassenerhalt könnte es eng werden, um im Bild des Sports zu bleiben.

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Kleine, aber feine Tour an der Heesfelder Mühle. (Teil 9)
Über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe. (Teil 10)
Rund um Hülscheid und Altenhülscheid. (Teil 11)
Der V-Weg rund um Heinken-Hedfeld, Vorst und Anschlag. (Teil 12)
Vom Kreisch über den Rundwanderweg A6. (Teil 13)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare