Der erste Sonnenbrand (Teil 10 unserer Serie)

Corona-Runde: Über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe

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Von Schulten Hedfeld aus eröffnet sich eine schöne Fernsicht.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s von der Karlshöhe über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe.

Halver – Fangen wir Teil zehn der Corona-Runde zur Abwechslung und allgemeinen Erheiterung einmal hinten an. Unter der Dusche nach knapp zehn Kilometern Wanderung. Was sind das für Nadelstiche auf der Kopfhaut? – Es fällt mir quasi wie Schuppen aus den nicht mehr vorhandenen Haaren. Drei Stunden Wanderung Anfang April bei Sonnenschein – und mal schön das Köpfchen geröstet. Willkommen, erster Sonnenbrand des Jahres...

Die Streckenführung

Es ist Wochenende. Frau und Hunde sind hoch motiviert. Gleiches gilt für mich. Was spricht also gegen eine ausgedehnte Runde? – Nichts. Als Ausgangspunkt bietet sich die Karlshöhe an. Im Dunstkreis von Franz-Dobrikat-Sportplatz und Reitanlage gibt es genügend Parkplätze. Für die Nach-Corona-Zeit hätte ein Start hier zudem den Charme, dass verbrauchte Kalorien – knapp 1000 sollen es laut App am Ende des Tages sein – einen Steinwurf entfernt direkt in Tim Paulsens Restaurant Cattlemen’s (www.cattlemens-halver.de) ausgeglichen werden könnten. Noch muss darauf aber verzichtet werden. Leider.

Vorab: Der Weg, den wir nehmen, ist über weite Strecken identisch mit jener Route, den der SGV (www.sgv-halver.de) mit einem quasi liegenden Rechteck gekennzeichnet hat. Obacht: Bisweilen sind die Markierungen arg verblasst oder nicht mehr vorhanden. Karte bzw. Mobiltelefon mit entsprechender App sind also hilfreich.

Start/Ziel: Parkplatz Sportplatz Karlshöhe (oben) Länge: 9,6 Kilometer Höhenmeter: 195 Meter Wege: gut ausgebaute Wanderwege; Straße

Jetzt aber wirklich los: Wir nehmen an der Karlshöhe den Weg zwischen Sportplatz (rechts) und Dressurplatz (links) und biegen nach 100 Metern links ab, wo es steil bergab geht. An der tiefsten Stelle wird der Bolsenbach überquert, der unweit entspringt, kurz darauf die gleichnamigen Fischteiche speist und nach vier Kilometern in die Ennepe mündet. Hier ist er allenfalls ein Bolsenbächlein, das gleichwohl für einen ersten Hunde-Trinkstopp herhält. Vielleicht in Vorahnung der knackigen Steigung, die nun folgt.

Morbider Charme am LSV

An deren Ende treffen wir auf ein Sträßchen, das zur Ortslage Im Heede führt – und fortan geht’s länger geradeaus. Vorbei am ehemaligen Segelflugplatz und den Räumlichkeiten des Luftsportvereins Halver, die inzwischen einen leicht morbiden Charme versprühen.

Morbider Charme: Der Luftsportverein Halver ist schon lange nicht mehr Im Heede ansässig.

Nach der Ortslage Im Heede wird der Blick weit, es geht bergauf in Richtung Auf der Mark. Kurz vor der kleinen Hofschaft lädt eine Bank zur Pause ein. Eine Tafel weist auf das Quellgebiet der Ennepe hin, die schon eine andere Hausnummer ist als der Bolsenbach. Immerhin 42 Kilometer lang, zwischendurch zur – überraschende Namensgebung – Ennepetalsperre aufgestaut und in Hagen in die Volme mündend, lagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts längs des Flusses fast 300 Kleinbetriebe, deren Hauptantriebsenergie die Wasserkraft war. Nicht die Antwort auf die Millionenfrage. Aber interessant. Kurz nach der Bank zweigen rechts zwei Wanderwege ab, die mit „A2“ bzw. einem Dreieck gekennzeichnet sind. Sie führen durch das Naturschutzgebiet „Wilde Ennepe“, sind aber heute nicht das Thema.

Früher Café an Wilhelmshöhe

Wir gehen weiter schnurstracks geradeaus, treffen auf die L284, halten uns links und biegen nach wenigen Metern direkt wieder rechts ab, auf die Straße Hagebüchen. Kurz darauf kommt die Ortslage Wilhelmshöhe in Sicht und mit ihr Kindheitserinnerungen. Meine Mutter als aufmerksame Leserin dieser Serie möge mir verzeihen, aber die elterlichen Wanderungen, die mein Bruder und ich im Kindesalter vor mehr als 40 Jahren zu begleiten hatten, waren nicht immer der Inbegriff von atemloser Spannung. Doch es gab Ausnahmen: die Wilhelmshöhe und das seinerzeit dort ansässige Café. Hier wurde der weltbeste Kirsch-, Pflaumen- und Apfelstreusel serviert. Lang, lang ist’s her.

An der Wilhelmshöhe gab es früher Kaffee und Kuchen – lang, lang ist’s her. Corona-Runde Halver Schulten Hedfeld Wilde Ennepe

Der Proviant im Rucksack heute ist eher herzhafter Natur. Eisgekühltes Hopfengetränk und belegte Brötchen. Aber die werden erst später vertilgt. Das Meyrich-Quartett marschiert weiter geradeaus. Die kleine Straße ist spärlich frequentiert, aber selbst die wenigen Autos sind kein Problem, weil man sehr gut auf den angrenzenden Wiesen gehen kann. Bis nach Schulten Hedfeld. Dort überholt uns zum gefühlt achten Mal der gelbe DHL-Bulli. Die nette Postbotin lacht, als wir Gaia und Themis zum achten Mal „Sitz“ machen lassen.

In Schulten Hedfeld selbst, auf der linken Seite haben wir das Ehrenmal passiert, das mit martialischem Versmaß den Gefallenen beider Weltkriege gedenkt, wird es dann ein wenig knifflig. Der Weg macht einen scharfen Rechtsknick, führt direkt durch die Häuser hindurch auf eine Wiese. Den nun in der Karte markierten Linksknick verpassen wir und stoßen stattdessen nach einer steilen Böschung auf den Schultenhedfelder Bach (auch Hemecke genannt).

Fast im Bach gelandet

Die unterschiedliche Interpretation des Kartenmaterials führt kurzzeitig zu leichten Spannung zwischen den Eheleuten Meyrich, die sich auch nicht reduzieren, als meine Gattin beim Querungsversuch des Baches um ein Haar im Gewässer landet. Themis derweil nutzt die Gelegenheit der allgemeinen Konfusion und macht sich davon. Freunde der ungepflegteren Sprache würden sagen: Das Tier hat sich einfach mal schön verpisst. Aber das würde ich nie tun. Zwei energische Rückrufe später ist „der Mini“, wie wir den 48-Kilogramm-Broholmer auch nennen, aber wieder da. Braves Mädchen.

Der kurze Ausflug in unwegsames Gelände (auf dem nebenstehenden Screenshot bei der Ziffer 5) hat keine gravierenden Folgen. Weder erwägt jemand, die Scheidung einzureichen, noch ist die Orientierung gänzlich verloren gegangen. Das liegt an der Kreisstraße, die quasi parallel zum Schultenhedfelder Bach verläuft. Über eine Wiese erreichen wir dieses Sträßchen, halten uns rechts. Es ist der „unangenehmste“ Teil der Route, was nicht an der Straße an sich liegt, sondern am doch recht hohen Aufkommen von Pkw und Motorrädern, vorwiegend mit W-, EN- und GM-Kennzeichen. Eine beliebte Ausflugstraße scheint es zu sein. An der nächsten kleinen Kreuzung halten wir uns rechts (links geht es nach Ober und Nieder Bommert, geradeaus nach Brocksiepen). Ein Stück müssen wir noch auf der Straße bleiben. Linkerhand beginnt derweil das Naturschutzgebiet In der Bommert. Knapp 37 Hektar groß, besteht es aus einer Kombination aus Wacholderheide, Laubwald und Bruchwald, also permanent nassem, bisweilen überflutetem Wald. Hier entspringt auch die Hönnige, ein Nebenfluss der Wupper.

Überall längs der Runde wird der Wald von überübermorgen gegen Wildverbiss geschützt.

Wo die Straße eine Linkskurve vollführt, geht es rechts an einer rostigen Schranke vorbei zurück in den Wald. Der Gattin gelüstet es nach einer Zigarette, den Hunde-Ladies nach dem Schinken meines Brötchens, mir nach Schalke-Bier. „Ganz in der Nähe haben wir früher unsere Weihnachtsbäume gekauft“, berichtet meine Frau. Da sie an allen fünf Höfen vorher allerdings Ähnliches behauptet hat, ist mein Interesse inzwischen, nun ja, semi groß.

Am Rande der Wilden Ennepe

Nach kurzer Pause stoßen wir kurz vor Anschlag wieder auf die L284. Queren, links halten, ab in den Wald. Am Rand der Wilden Ennepe geht es jetzt schon auf die Zielgeraden. Der Weg verläuft kurze Zeit später parallel zur alten Bahntrasse. Die ist – Corona sei „Dank“ – durchaus gut bevölkert. Das ist insofern nicht schlimm, als dass man an den Bolsenbacher Fischteichen die Qual der Wahl hat, wie es zurück zur Karlshöhe geht. Entweder, das ist die erste Möglichkeit, parallel zum ehemaligen Segelflugplatz. Oder – Variante zwei – nach dem Passieren der Teiche rechts über den „Wurzelpfad“. Oder last but not least via Katrineholmstraße, Hechtweg, Karpfenweg und Südstraße zum Ausgangspunkt zurück. Ausschließlich für „Team Meyrich“ gilt Variante vier. Finaler Stopp im Hechtweg. Dort wohnen wir und dort wartet der schmerzvollste Teil des Tages. Die Dusche.

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Kleine, aber feine Tour an der Heesfelder Mühle. (Teil 9)
Über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe. (Teil 10)
Rund um Hülscheid und Altenhülscheid. (Teil 11)
Weitere Teile folgen.

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