Route mit Hindernissen (Teil 3 unserer Serie)

Corona-Runde: Trimm-Dich-Pfad an der Herpine

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Auf dem Trimm-Dich-Pfad: Kurz nach dem Start wurden die Schäden auf dem Weg bereits wieder beseitigt.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s zum Trimm-Dich-Pfad an der Herpine.

Halver – Der Kollege Florian Hesse, ohne Wenn und Aber der Natur- und Waldexperte in der Redaktion, hatte mich gewarnt. Eindringlich gewarnt. „Nimm Gummistiefel mit“, lautete der Rat am Vorabend meines morgendlichen Laufes im Waldgebiet an der Herpine.

So viel sei vorweggenommen: Ersatzschuhe lagen im Auto, wurden aber nicht benötigt. Eher schon Sicherungsseile. Aber dazu später mehr.

Der Trimm-Dich-Pfad ist 3,14 Kilometer lang. Höhenmeter: 101 Meter. Die Wege sind überwiegend befestigte Schotterwege, zum Teil nur schwer passierbare Waldwege. Erklärung: Die eigentliche Runde ist etwas kürzer und enthält weniger Höhenmeter. Die Schleife unten rechts (Nr. 1) ist der vergeblichen Suche des Autors nach dem alten Trimm-Dich-Pfad geschuldet.

Die Anfahrt

Nichts einfacher als das. Das Waldfreibad Herpine, der Kletterwald und die Anlage des TC Halver 1960 sind im Stadtgebiet allesamt gut ausgeschildert. Parken direkt am Freibad bietet sich an. Die etwas höher gelegenen Parkplätze des TCH sind momentan nicht nutzbar.

Das Halveraner GaLa-Bau-Unternehmen Brocksieper & Milk saniert im Zuge des Förderprogramms „Moderne Sportstätten 2022“ die Zuwegungen der Tennisanlage, lagert dafür Baumaterial und Geräte längs der Straße. Aber: Die wenigen Meter vom Parkplatz am Freibad hoch zum Startpunkt des Trimm-Dich-Pfades sind nun wirklich kein Problem.

Die Beschilderung

Der „Rundwanderweg Herpine“, in Teilen identisch mit der heutigen Runde, ist hier ausführlich beschrieben. Sehr gut! Unterwegs setzt sich die professionelle Begleitung von Spaziergängern, Joggern und Walkern fort. Alle 500 Meter informieren kleine Schilder über die zurückgelegte Distanz. Benutzer des Trimm-Dich-Pfades werden zu Fitnessübungen animiert, etwas später kommen Infotafeln des Naturerlebnispfades Eichelkamp dazu. Keine Runde im Stadtgebiet bietet derart viel zusätzlichen Input.

Gestartet wird oberhalb des ehemaligen Pfannkuchenhauses. Das Restaurant hat längst geschlossen, wo einst im Sommer ein kleiner, aber feiner Biergarten zu ein, zwei, fünf Krügen einlud, steht jetzt ein Kindertrampolin und stapeln sich alte Europalletten. Schade, aber heute nicht das Thema.

Der Kletterwald Halver bietet Stationen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Bei leichtem Frost zu vergleichsweise früher Stunde an einem Werktag geht’s los. Nur ein paar Schritte sind getrabt, da taucht bereits der Kletterwald Halver von Kalisho Natursport auf. Stationen jeder Schwierigkeit und Höhe sind hier rechts und links des Weges im Angebot. Zur Zeit kann – wenn überhaupt – nur auf Voranmeldung geklettert werden (www.kletterwald-halver.de).

Es geht weiter bergab in ein Gebiet, das sein Gesicht in den vergangenen Monaten dramatisch verändert hat. Rechterhand standen einst Fichten. Das war einmal. Im großen Stil ist das von Borkenkäfern und lang anhaltender Trockenheit geschädigte Holz abgefahren worden. Die Hänge sind kahl und bieten einen Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Jahren wohl erwartet.

Frischer aufgeschütteter Schotter gegen den Matsch

„In drei Jahren gibt es im Sauerland keine Fichte mehr“, sagte unlängst ein Experte in einer TV-Dokumentation. Eigentlich unvorstellbar für den Laien und doch unumkehrbar. Der Weg entlang der mit Baumstümpfen übersäten Flächen ist inzwischen wieder begehbar. Tonnenweise frisch aufgeschütteter Schotter sorgt dafür, dass die tiefen Spuren des schweren Geräts verschwunden sind. Immerhin.

Waldarbeiten haben die Trimm-Dich-Pfad-Runde auf einem kleinen Teilstück nahezu unpassierbar gemacht.

Indes: Mich beschleicht ein Verdacht. Wird es den alten Trimm-Dich-Pfad, der vor Jahrzehnten rechts abzweigte, überhaupt noch geben? Ich schaue nach, lasse die Ententeiche kurz entschlossen links liegen. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellt. Da ist auch schon die Spitzkehre. Doch der Weg, er fehlt. Egal. Ab in den Wald. Keine Treppe mehr, die uns Generationen von Handballtrainern hochgescheucht haben. Keine Klimmzugstangen. Alles weg.

Ich mache trotzdem weiter Höhenmeter bis zu den Gleisen der alten Bahnstrecke Halver – Oberbrügge, um dort einzusehen: alles zwecklos. Dass der Abstieg in Falllinie ein durchaus gewagtes Unterfangen ist und sich der einsame Jogger weit unter mir wahrscheinlich fragt, was zum Teufel der schwarz gekleidete Mann dort im Berg macht, sei nur am Rande erwähnt.

Der Teil der Runde, der am besten gangbar ist

Zurück auf der Route wird’s einfacher. Der zweite Ententeich mit Trimm-Dich-Geräten, Naturkunde-Tafeln und einem eher sinnfreien Rätsel, bei dem es Talsperren-Umrisse zu erraten gilt, ist auch schon der Wendepunkt. Von nun an führt der Weg auf der anderen Seite der Teiche zurück in Richtung Ausgangspunkt. Es ist jener Teil der Runde, die am besten gangbar ist.

Parallel zum Hälverbach, der linkerhand verläuft und später zur Falkenstraße (rechts oberhalb) steigt die Strecke leicht, aber stetig an. Dass just hier auf einer Info-Tafel der sogenannte Faulbaum (frangula alnus) dem interessierten Spaziergänger erklärt wird, ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Kurze Foto-Pause. Wenig später knickt der Weg links ab, über eine kleine Brücke.

Es muss circa 45 Jahre her sein, dass ich mir hier als Kind bei einem Spaziergang mit den Eltern Elle und Speiche des rechten Armes gebrochen habe. Ausgerutscht. Knack. Krankenhaus. Lang, lang ist’s her. Meine Gattin sagt bei derlei Schilderungen immer: „Kinder, hört gut zu. Jetzt erzählt der Opa wieder vom Krieg...“

Hier geht es über eine kleine Brücke.

Direkt nach der Brücke wird mir durch eine Tafel empfohlen, am schmalen, steilen Weg meine Schnelligkeit zu trainieren. „Leck mich, Trimm-Dich-Pfad“, antwortet der innere Schweinehund, „ich bin 52 Jahre alt und alles andere, aber nicht schnell.“ Also geht es locker trabend bergauf – mitten rein in eine böse Überraschung, das De-facto-Ende des Weges.

Kein Durchkommen für Kinderwagen

Denn: Die schweren Waldarbeiter-Maschinen haben das Geläuf derart zerstört, dass es für ältere Menschen oder Kinderwagen kein Durchkommen mehr gibt. Diese Barriere ist nicht sonderlich lang, gleichwohl aber eine Überlegung, die jeder Spaziergänger in seine Planungen mit einbeziehen sollte.

Erst mit Beginn des Laubwaldes, hier kommen wieder der Kletterwald Halver und die beinahe komplett wasserlose Herpine in Sicht, wird es besser. Ein letzter Anstieg – und eine Runde mit Hindernissen ist beendet. Die nächsten Punkte auf der Agenda: Heimfahrt, Duschen, Redaktion. Begleitet von leisen Zweifeln, ob die Herpine-Trimm-Dich-Pfad-Runde jemals wieder so schön wird, wie sie einmal war...

Corona-Runden in Halver - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad im Wald an der Herpine bietet Hindernisse. (Teil 3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör. (Teil 6)
Weitere Teile folgen.

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