110 Höhenmeter gegen schlechte Laune (Teil 9 unserer Serie)

Corona-Runde: Tour an der Heesfelder Mühle

Corona-Runde Heesfelder Mühle Halver
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Der weite Blick in Richtung Halver.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s zur Heesfelder Mühle.

Halver – Es gibt diese Tage, da nervt einfach alles. Das fängt bisweilen schon vor dem Aufstehen an. Der Katze ist es herzlich egal, dass der Wecker 5.30 Uhr zeigt. Sie trampelt laut schnurrend durchs Bett ohne Rücksicht auf Anwesende. Die Hunde produzieren derweil Geräusche im Schlaf, die auch nicht ganz gesund klingen. Dabei soll es ein schöner Tag werden heute. 22 Grad und 9,5 Sonnenstunden sind prognostiziert.

Also gut, aufstehen. Kurz die Hand aus dem Dachfenster gehalten. „Dicke Weste?“, fragt die Angetraute. „Quatsch“, lautet meine Antwort, „es ist warm.“ Der nächste Fehler des Tages. Schweigen wäre Gold gewesen. Die vierbeinigen Begleiterinnen, sie treiben derweil weiter das Nerv-Barometer in die Höhe. Sie dürfen zwar wieder mit auf die Corona-Runde, spielen in diesem Text aber keine tragende Rolle. Strafe muss sein. Aber jetzt geht’s erstmal los in Richtung Heesfelder Mühle.

Länge: 3,0 Kilometer Höhenmeter: 110 Meter Wege: gut ausgebaute Waldwege, kurzzeitig asphaltierte Straße, Wiesenwege

Die Anfahrt

Nur wenige Minuten dauert’s, bis man aus dem Stadtzentrum das Kleinod im Außenbezirk erreicht. B229 bis Oeckinghausen, links abbiegen auf die L868 in Richtung Schalksmühle und kurz darauf rechts in das Sträßchen Heesfelder Hammer – zack, schon da. Die kurze Fahrt macht die Laune indes nicht besser. Armin Laschet hat wieder irgendetwas vor, erklären mir die Nachrichten. Was genau, weiß weder in Düsseldorf noch in Berlin jemand. Ist auch egal. Ich kann’s nicht mehr hören. Motor aus. Hunde raus. Ruhe. Was für eine Wohltat. Wenn da nicht die Gattin wäre. „Warm? Hast du gesagt, es ist warm?“. Das Thermometer zeigt 2 Grad. Ups. Sauerländer Tallage eben.

Die Heesfelder Mühle

Einfach schön ist es hier. Um diese Tageszeit noch mehr, niemand ist unterwegs. Dafür scheint die Sonne auf die sanierten und unter Schutz gestellten Gebäude. Als Zeitpunkt der Entstehung wird die mittelalterliche Periode zwischen 1300 und 1400 vermutet. Die Geschichte der von der Hälver angetriebenen Wassermühle ist wechselvoll. Erst als Getreidemühle genutzt, später dann als Ölpresse und ab 1850 schließlich Knochenmühle.

Die Hälver treibt das restaurierte Rad der Heesfelder Mühle an.

Heute wird die Heesfelder Mühle (www.heesfelder-muehle.de) vom gleichnamigen Verein geführt, der seit seiner Gründung im Jahr 1989 eine Vielzahl von Naturschutzprojekten angestoßen und die Mühle durch aufwendige Restaurierungsarbeiten zu einem kulturhistorisch bemerkenswerten Ort gemacht hat. In einer Außenstelle des Halveraner Standesamtes kann hier geheiratet werden. Außerdem bietet die Heesfelder Genussmühle (www.heesfelder-genussmuehle.de) regionale Bio-Lebensmittel an und lädt das Café Heimatliebe (www.cafeheimatliebe.de) zur Einkehr ein. In Corona-Zeiten ist nur Abholung möglich.

Die Streckenführung

Mehrere Wanderrouten starten von hier aus. Zum einen eine weitere Version der Volme-Schätze, sogenannte Themen-Wanderwege. Die Kombination der Routen A3/A4/A5 steht unter der Überschrift „Acker, Hof und Vieh – das ‘einfache’ Leben“. Diese Wege führen von der Heesfelder Mühle aus rund um die Siedlungen Carthausen, Obercarthausen, Mittelcarthausen und Steinbach. Klingt durchaus reizvoll, beinhaltet uns mit Blick auf die Hunde aber zu viele Meter direkt an der Landstraße. Sieben Kilometer wäre diese Runde lang.

An der Heesfelder Mühle selbst informiert eine Tafel über mehrere Wanderrouten.

Wir lassen es deshalb deutlich gemütlicher angehen, entscheiden uns für die Wege A11/A12. Beide laufen zum Teil parallel, der A11 ist allerdings für den ganz ungeübten, schmalen Fuß gemacht und nur knapp einen Kilometer lang. Die A12-Runde misst drei Kilometer.

Vom Wanderparkplatz aus, der mit Infotafeln und einem kleinen Schaugarten mit heimischen Wildkräutern bestückt ist, geht es über den Hälverbach. Ein roter Metall-Schmetterling im Boden steckend weist den Weg längs des Normecke-Bächleins. Für Jogger der Hinweis: Die Runde ist zwar kurz, die insgesamt 110 Höhenmeter aber komplett ungleich verteilt. Oder anders formuliert: Im ersten Teil der Strecke geht es ausschließlich bergauf. Dafür ist der Weg herrlich. Wiese wird von Wald abgelöst.

Diffuses Früh-am-Morgen-Licht.

Durch die Fichtenstämme fällt die noch tief stehende Morgensonne. Wer so etwas in Öl malt, wird unweigerlich ins Kitschige abgleiten. Fehlt nur noch der röhrende Hirsch auf der dampfenden Waldlichtung. Bald zweigt links der A11-Weg zur 900-Meter-Minirunde ab, wir gehen weiter geradeaus. Der Wald endet, es beginnt freie Fläche, die bald den Blick freigibt auf die Kaufmännischen Schulen des Eugen-Schmalenbach-Berufskollegs. Hier hat mein Vater bis zu seinem Ruhestand angehende Kaufleute unterrichtet. Bald drei Jahre ist er nun bereits tot. Dem passionierten Langstreckenläufer wäre die heutige Runde viel zu kurz gewesen. Die Atmosphäre aber, die Natur hier, das hätte ihm gefallen, da bin ich sicher.

Sträßchen Richtung Halverscheid

Das imaginäre Gipfelkreuz ist immer noch nicht erreicht. Der Weg führt nun in einer lang gezogenen Linkskurve weiter und trifft kurze Zeit später auf das kleine Sträßchen, das die B229 mit der Ortslage Halverscheid verbindet. Es ist einige Jahre her, dass ich hier oben letztmalig unterwegs war. Seinerzeit mit den Kollegen der Sportredaktion. Einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten, treffen wir uns zu mehr oder minder langen Fußmärschen, die regelmäßig in Schalksmühle in der Gaststätte „Zur Kuhle“ enden. Mit allem, was dazu gehört – aber die Geschichte von Fleischbergen, Ouzo und Gerstensaft ist eine andere.

Svenja und Axel Meyrich.

Nur ein paar Meter später verlassen wir die Straße links auf einen Feldweg. Die Hunde-Damen dürfen außerhalb des Waldes von der Leine, Themis verschwindet in einem namenlosen Tümpel und sieht bei ihrer Rückkehr aus wie nach einer missglückten Fango-Anwendung.

Bergab bis zum Ziel

Die gute Nachricht: Von nun an geht’s bergab bis zum Ziel. Weil das nicht wirklich anstrengend ist, beschließen wir an der übernächsten Weggabelung, nicht dem A12 zur Heesfelder Mühle zu folgen, sondern noch ein Stück weiter geradeaus zu gehen. Die Wanderkarte weist oberhalb des Sägewerks Lampmann einen Pfad aus, der zurück zur Mühle führt. Falsch gedacht. Der Harvester hat ganze Arbeit geleistet. Sich hier ins Unterholz zu schlagen, macht keinen Sinn. Also kehrt und zurück auf den A12. Ein paar Meter Wald noch, dann sind die Streuobstwiesen der Heesfelder Mühle erreicht. In Vergessenheit geratene Obstsorten werden hier angebaut, ein Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt. Der Verein Heesfelder Mühle bietet Beratung rund um das Thema Streuobstwiese an. Und Sommerschnittkurse. „Das wäre was für Dich“, rät die Gattin, „dann sähe unser Pflaumenbaum mal vernünftig aus.“

Zu Beginn der Runde hätte mich diese Frotzelei wahrscheinlich genervt ob meiner überschaubaren humoresken Tagesform. Jetzt quittiere ich es mit einem Grinsen. Natur und Bewegung sorgen eben für gute Laune. Auch auf dieser kleinen, aber feinen Runde.

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör. (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Kleine, aber feine Tour an der Heesfelder Mühle. (Teil 9)
Über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe. (Teil 10)
Rund um Hülscheid und Altenhülscheid. (Teil 11)
Weitere Teile folgen.

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