Nostalgie und das nackte Nichts (Teil 4 unserer Serie)

Corona-Runde: Leyer-Sonnenschein-Runde

Leyer Sonnenschein Corona-Runde Halver
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Eine Art Kreisverkehr im Wald: Rechts geht’s zum Neubaugebiet Leyer Sonnenschein, geradeaus zum Waldweg, auf den anderen Pfaden talwärts zurück gen Altenmühle.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s zur Leyer-Sonnenschein-Runde.

Halver – Ist es der Lockdown, der seine Spuren hinterlassen hat? Oder sind es die Feiertage? Oder beides? Der Hosenbund, er spannt zum Jahresstart jedenfalls spürbar. Daher soll Teil vier der Corona-Runde auch ein wenig länger ausfallen. Länger laufen, mehr Kalorien verbrennen. Gerade Anfang Januar kann das nicht schaden. Auf geht’s in die Wälder rund um den Leyer Sonnenschein.

Die Anfahrt

Wie gesagt: Es sollen ein paar Meter mehr werden an diesem Wintermorgen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und bedecktem Himmel. Der flüchtige Blick auf das Kartenmaterial von Herrn Google entlockt mir die selbstbewusste Vorhersage, dass es fünf bis sechs Kilometer sein dürften, die vor mir liegen.

Die Leyer-Sonnenschein-Runde ist 4 Kilometer lang. Höhenmeter: 109 Meter. Die Wege sind asphaltierte Straße zum Start und Ziel, dazwischen durchgehend befestigte, gut passierbare Waldwege.

Vor gefühlt zwei Jahrzehnten war ich zum letzten Mal im Waldstück zwischen Mozartstraße auf der einen und Waldweg/Höveler Weg auf der anderen Seite unterwegs. Daher: Kein Laufstart von zu Hause aus – übertreiben wollen wir’s ja auch nicht –, sondern kurze Autofahrt zum Schulzentrum.

Geparkt wird direkt am Bürgerzentrum vor der ehemaligen Ganztagsschule. Das macht auch deshalb Sinn, weil die Schüler noch zu Hause sitzen. Sie wissen schon: Ferien, Lockdown-Verlängerung und der ganze Krempel, von dem wir alle mehr oder weniger die Nase voll haben, aber der jetzt auch bis zum Ende durchgezogen werden muss. Soll heißen: Leer ist es hier. Ein guter Startpunkt.

Die Streckenführung

Ein paar Meter Asphalt zu Beginn sind unvermeidlich. Zwischen dem Anne-Frank-Gymnasium und dem inzwischen gammeligen Tartan-Kleinsportfeld – hier wurde einst gekickt, als gäbe es weder Hausaufgaben noch Abendbrot oder sonstige Verpflichtungen – führt ein schmaler Weg zum Wendehammer der Eichendorffstraße.

Von dort weiter links über den Pestalozziweg, die Goethestraße gequert, Lessingstraße, Wagnerring, Mozartstraße. Klingt viel. Ist es aber nicht. Nur ein paar Hundert Meter. In der Mozartstraße zweigt gleich hinter den Altglascontainern – hier kann parken, wer sich die Straße ersparen will – nach rechts bergab ein steiler Waldweg ab und die Runde geht eigentlich erst so richtig los.

Schnee ist kein Problem

Rückblick: Dieser Weg war vor Jahrzehnten – also zu jener Zeit, als zwei Zentimeter Neuschnee noch keine mediale Schnappatmung mit Wetterwarnungen und sensationsheischenden Online-Überschriften auslösten, sondern schlicht „Winter“ genannt wurden – eine wahre Schlittenrennbahn. Verpönt die Plastikwannen, geliebt die alten Holz-Gefährte der Marke „Davos“, deren Kufen immer blitzblank poliert und gewachst wurden. Gut, dass wir von den Geschwindigkeiten, die damals erzielt wurden, und den Unfällen unseren Eltern erst Jahre später erzählt haben. Wenn überhaupt.

Auch wenn’s gut gemeint ist: Pferde auf den Weiden längs der Strecke bitte nicht füttern.

Im Bewusstsein, dass dieser Berg am Ende auch wieder bezwungen werden muss, geht es zunächst locker trudelnd gen Tal. Die Ortslage Altenmühle kommt in Sichtweite, wo der Waldweg auf Asphalt trifft, wird der imaginäre Blinker rechts gesetzt. In Altenmühle hat seit gut 20 Jahren die Gartenlust ihren Sitz. Ein 4500 Quadratmeter großes Paradies mit Staudengarten und Café.

Als der Sternekoch seine Kräuter in Halver kaufte

Sternekoch Björn Freitag kaufte hier einst Kräuter für seine Sendung „Einfach & köstlich“, diverse Fachmagazine berichteten über das Refugium, das Karin Schröder und Bernd Flasdieck hier geschaffen haben. Seit August vergangenen Jahres ist die Gartenlust geschlossen, allerdings nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Wer im kleinen Rahmen feiern möchte, kann den Gartenpavillon mieten.

Unser Runden-Tester Axel Meyrich.

Altenmühle bleibt nun linkerhand liegen, an der direkt folgenden Weggabelung halte ich mich rechts – und erlebe die nächste Überraschung. Wo früher dichter Fichtenwald stand, ist – Sie ahnen es – das nackte Nichts. Ein wenig erinnert das an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem Bill Murray einen Wetteransager spielt, der in einer Zeitschleife festsitzt und ein und denselben Tag immer und immer wieder erlebt. Will sagen: Fast alle Corona-Runden hatten bislang eines gemeinsam, und zwar die teils dramatischen Veränderungen im Erscheinungsbild, die Borkenkäfer und Trockenheit in nur wenigen Jahren hervorgerufen haben. Am Leyer Sonnenschein hat es die Fichtenbestände besonders hart getroffen. Nicht auszudenken, wie unsere Wälder in fünf Jahren aussehen werden.

Vorbei an alter Badegelegenheit

Bis zur Goethestraße geht nun der freie Blick. Während rechterhand etwas unterhalb erst ein kleiner Unterstand für Pferde folgt und kurz darauf dann eine Teichanlage, die – lang, lang ist’s her – tatsächlich mal eine Art Freibad war. Natürlich nicht in Art der Herpine, aber eben doch eine Badegelegenheit mit Umkleidemöglichkeit. Ein knappes halbes Dutzend Bäder gab es einst übers Stadtgebiet verteilt. Wie sagte eine Nachbarin und langjährige Halveranerin dazu kürzlich? – „Da hat keiner die Wasserqualität kontrolliert, das war alles noch viel natürlicher. Und wir haben’s auch überlebt.“

Aus dem abgeholzten Nadel- wird nun intakter Mischwald, es geht immer noch bergauf bis zu einer Kreuzung mit fünf Abzweigungen. Die erste rechts führt ins Neubaugebiet Leyer Sonnenschein, die zweite trifft von hinten auf den Waldweg. Der dritte und der vierte Weg schlängeln sich zurück in Richtung Altenmühle. Aber ich bleibe noch ein paar Minuten. Es war in den 1970er-Jahren, als diese Waldlichtung im Sommer Ziel der Ferienspaß-Aktion der Katholischen Kirchengemeinde war. Mit dem unvergessenen Pfarrer Erich Kremer an der Spitze wurden hier Baum- und Buschhütten gezimmert, Schnitzeljagden veranstaltet, kleine und große Abenteuer erlebt. Ferienspaß im wahrsten Sinne des Wortes.

Der finale Schlussanstieg zur Mozartstraße hat es dann noch einmal in sich.

Genug der Nostalgie. Der zunächst noch angenehme Rückweg beginnt. Bergab geht es fortan, rechts sind die Häuser des Höveler Wegs zu sehen, es folgt eine bauzauneingefasste Teichanlage mit Hütte, dann schon wieder Altenmühle und der „L’Alpe d’Huez-Anstieg des kleinen Mannes“, der Berg zur Mozartstraße. Ich gestehe, die letzten Meter werden nicht mehr gejoggt.

Zurück zum Bürgerzentrum

Erst nach Erreichen der Straße geht es im Trab weiter in Richtung Bürgerzentrum. Dort brennt inzwischen Licht. Leiterin Claudia Wrede winkt aus ihrem Büro, die vierte Corona-Runde ist beendet. Und sie war nur vier Kilometer lang. Junge, Junge, Junge – richtig schön verschätzt, Herr Meyrich. Doch das Auto steht nunmal hier, und will wieder nach Hause. Auf geht’s...

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör. (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Weitere Teile folgen.

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