Charmante Alleskönnerin (Teil 1 unserer Serie)

Corona-Runde: Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle

Büchermühle Joggertreff Halver
+
Blick ins Tal der Ennepe: Links und rechts des Baches führt die Büchermühle-Runde.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s zum Jogger- und Wandertreff Büchermühle.

Halver – Zugegeben, es gab schon ruhigere Samstagvormittage im Hause Meyrich. Heute allerdings ist vieles anders. Herrchen zieht die Joggingschuhe an, für die beiden Broholmer-Hündinnen Gaia und Themis ein untrügliches Zeichen, dass gleich der Spaß beginnt. Diesmal aber nicht.

Auf meiner ersten offiziellen Corona-Runde verzichte ich auf die beiden verspielten Ladies. Schon seit Jahren war ich nicht mehr am heutigen Ziel, dem Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle, unterwegs. Da müssen rund 100 Kilogramm Lebendgewicht, verteilt auf acht Pfoten und zwei Leinen, dann doch nicht sein. Vier Hundeaugen signalisieren Enttäuschung pur. Aber es hilft nichts. Gestartet wird alleine.

Am Läufertreff Büchermühle gibt es zwei Möglochkeiten: eine kleine Runde mit 1,96 Kilometern und eine große mit 2,7 Kilometern. Höhenmeter: 36. Wege: überwiegend befestigte Waldwege.

Die Anfahrt

Sehr einfach. Es geht die Mühlenstraße hinunter bis Neuemühle. Dort, wo Erhan Singil seine City-Ofen-Pizza backt, biegt man rechts ab. Ein kleines, gammeliges Schild weist schon hier auf den Läufer-/Wandertreff hin, man muss aber schon sehr genau hinsehen. Entlang des Bolsenbaches sind es jetzt noch exakt 1,5 Kilometer über ein schmales Sträßchen. Bevor es bergauf in Richtung Eickerhöh geht, befindet sich rechterhand ein kleiner Parkplatz. Sechs, sieben Fahrzeuge finden hier Platz. An diesem Morgen sind es nur drei.

Die Beschilderung

Unmittelbar am Parkplatz steht eine große Tafel, die die Möglichkeiten für Jogger, Walker und Spaziergänger schön stilisiert darstellt. Zwei Jahre ist es her, dass dieser Info-Punkt der Zerstörungswut Unbekannter zum Opfer fiel. Dank des Engagements Halveraner Bürger, an der Spitze der ehemalige Bürgermeister Dr. Bernd Eicker und der Ex-Langstrecklerchef der LG Halver-Schalksmühle, Karl-Heinz Panne, steht inzwischen eine neue Tafel. Sie veranschaulicht den Verlauf der beiden Strecken. Die „große“ Runde ist circa 2,7 Kilometer lang, die kleine laut Schild 1,8 Kilometer. Meine GPS-gestützte App zeigt später 1,96 Kilometer an. Differenzen, die zu vernachlässigen sind.

Die Streckenführung

Die Schuhe sind geschnürt. Der Autoschlüssel verstaut. Ein schnelles Selfie an der Info-Tafel gemacht. Die App zählt den Startcountdown herunter. Lockerer Trab ist angesagt. Wie damals. Im Jahr 2014 muss es gewesen sein, dass ich letztmals auf dieser Runde unterwegs war. Damals noch mit den Handballern der SG Schalksmühle-Halver. Zu unserer Ehrenrettung sei gesagt, dass Trainer und Mannschaft seinerzeit nicht mit dem Pkw angereist, sondern von der Sporthalle an der Mühlenstraße zu Fuß gestartet sind. Der Hinweg galt als Aufgalopp. Die Temporunden und vor allem der Rückweg mit Intervallsprints den brutalen Berg hoch zur Mozartstraße sollen bei den Spielern indes weniger beliebt gewesen sein. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich war der mit der Stoppuhr. Der Trainer. Aber das nur nebenbei.

Zurück ins Waldgebiet der Büchermühle. Oder dem, was übrig geblieben ist. Denn der Charakter der Runde, das wird schon auf den ersten Metern deutlich, hat sich extrem verändert. Der Blick geht wenige Meter nach dem Start nach links, wo Borkenkäfer und Trockenheit ihre Spuren hinterlassen haben. Wo vor wenigen Jahren noch eine Fichten-Monokultur die Illusion des heilen Waldes vorgaukelte, herrscht neue Kargheit. Die Fällarbeiten sind noch nicht beendet. Auch an diesem Samstag nicht. Eine Firma aus Estland ist wenige Meter weiter mit Rodungs- und Verladearbeiten beschäftigt. Schweres Gerät inklusive.

Dass die Wege dabei in Mitleidenschaft gezogen werden, lässt sich nicht vermeiden.

Das hat Folgen für die Zuwegung. Wo der Weg parallel zum Mühlengraben führt, dominiert knöcheltiefer Matsch. Für den Spaziergänger, Walker und Jogger ist das ärgerlich. Die Waldbesitzer indes als Auftraggeber der unabdingbaren Arbeiten haben keine Wahl. Finanziell sind die massiven Schäden ohnehin ein Desaster, da sind – so ehrlich muss man sein – ein paar Hundert Meter matschiger Waldweg noch das kleinste Problem.

Eine einzige Steigung

Zumal es schnell besser wird. Die einzige echte Steigung der Runde, die für jeden geeignet ist, lässt sich schon wieder trockenen Fußes bewältigen. Jetzt liegt bereits die im Jahr 1540 erstmals urkundlich erwähnte Hofschaft Büchermühle in Sichtweite. Wer sich die etwas größere Runde vorgenommen hat, läuft weiter geradeaus, ich biege schon vorher über die Ella-Brücke rechts ab. Achtung: Dieses kurze Wegstück ist uneben und glitschig, genauso wie die kleine Holzbrücke, die kurz darauf den Ennepe-Bach quert und quasi den Wendepunkt der Runde markiert.

Waldarbeiter aus Estland ernten im oberen Bereich der Strecke geschädigte Fichten ab.

Von nun an geht’s bereits zurück in Richtung Ausgangspunkt. Der Untergrund ist längst akzeptabel, das Wetter wird mit jedem Meter besser. Drei Grad und ein kräftiger Wind sorgen zwar für Hände, die nicht recht warm werden wollen, aber die Sonne kommt jetzt raus und taucht Wald und Wiesen in ein schönes, diffuses Licht. Und dann kommt auch schon das Ziel in Sicht. Unmittelbar, bevor es vom Waldweg auf die Straße geht, vereinigen sich hier der Bolsenbach und die Ennepe, die knapp 40 Kilometer weiter in die Volme münden wird. Für mich ist zumindest mit dieser Runde Schluss, die sich allerdings noch verlängern ließe. Zum Beispiel mit ein paar Kilometern in Richtung der Ortschaft Sumpf. Der Weg dorthin startet gegenüber des Parkplatzes am Joggertreff.

Die Hundetauglichkeit

Ein sensibles Thema. In der Redaktion gab es zuletzt Leser-Beschwerden, dass der Charme der Büchermühle-Runde, vor allem in den Abendstunden, zunehmend unter freilaufenden Hunden leide. Klar ist: Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind keine Hundespielwiesen. Und Hundekot – völlig egal, wo hinterlassen – gehört in die entsprechenden Tüten und dann in Abfallbehälter. Am Startpunkt der Runde ist einer installiert. Mir begegnen an diesem Tag drei Vierbeiner, die sich allesamt so überhaupt nicht für den Jogger interessieren, der ihnen in einem derart überschaubaren Tempo entgegenkommt, dass jeder Jagdtrieb Kurzarbeit Null fährt.

Kollateralschaden der ersten Corona-Runde.

Aber: Der „hundelose“ Waldbesucher kann nicht wissen, wie es um das Naturell seiner vierbeinigen Zufallsbekanntschaft bestellt ist. Schon deshalb sollte die Leine bei Begegnungen immer das Mittel der Wahl sein. Unabhängig davon, wie gut abrufbar der Hund ist. Kurzum: Es geht auch hier nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme...

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Weitere Teile folgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare