Postkarten-Idylle (Teil 12 unserer Serie)

Corona-Runde: V-Weg rund um Heinken-Hedfeld & Co.

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Heinken-Hedfeld kommt mit Postkartenidylle daher.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s zum V-Weg runde um Heinken-Hedfeld, Vorst und Anschlag.

Halver – Neulich in der Warteschlange bei einem Halveraner Bäcker. Zwei Herren unterhalten sich:„Komisches Wetter, man weiß gar nicht, was man anziehen soll. Und ich muss gleich noch wandern.“
„Wandern – wieso das denn?“
„Ja, der Meyrich, hier, der von der Zeitung, der macht doch während Corona was mit Wanderstrecken. Und da hat meine Frau gesagt, wir wandern jetzt mal die Strecke an der Burbach.“

Dieser Dialog hat so tatsächlich stattgefunden und ist für „den Meyrich“ Motivation genug, um gleich noch einmal nachzulegen. Diesmal wieder in heimischen Gefilden, nachdem es zuletzt in Schalksmühle doch ein wenig auf die Mütze gab. Aber dazu später mehr.

Eine „2-in-1-Runde“

Die Runde heute ist erläuterungsbedürftig, weil sie quasi eine „2-in-1-Runde“ ist. So wie diese Lutschbonbons früher. Nur anstrengender. Also: Die eigentliche Tour, sie beginnt erst bei Kilometer drei, genau an jener Stelle, wo ein Sträßchen von der K3 nach Heinken-Hedfeld abzweigt. Der Weg ist mit einem großen „V“ gekennzeichnet. 6,5 Kilometer später endet die Runde quasi auf der anderen Straßenseite am Schild der Bushaltestelle.

Start/Ziel: Wendehammer Katrineholmstraße Länge: 12,5 Kilometer Höhenmeter: 249 Meter Wege: gut ausgebaute Wanderwege; Straße Hinweis: Die Ziffern auf der Route geben die zurückgelegten Kilometer ab Start (grüner Punkt) an.

Im Normalfall hätte ich hier das Auto abgestellt, doch weil die Gattin arbeiten ist und mir den noch größeren der beiden großen Hunde da gelassen hat, der aber partout nicht in den Kofferraum unseres Zweitwagens passt, laufen wir bis zum Rundenstart. Das verlängert die Strecke signifikant – und zwar um sechs Kilometer.

Die Streckenführung

Der Morgen ist jung, die Luft frisch, es verspricht ein herrlicher Tag zu werden. Für alle, die sich die 12,5-Kilometer-Version geben wollen, ist der Wendehammer der Katrineholmstraße der ideale Startpunkt. Von dort geht es auf die ehemalige Bahntrasse Richtung Anschlag. Gaia und ich sind erst ein paar Meter locker joggend unterwegs, da treffen wir Bekannte. „Nicht wieder über die Wiese laufen“, schallt es lachend von den beiden Nordic-Walkern herüber – in Anspielung auf die jüngste Corona-Runde in Schalksmühle, die tatsächlich ein Stück über landwirtschaftliche Nutzfläche führte und einen kritischen Leserbrief nach sich zog. Nein, mit Paragraf 57 des Landesnaturschutzgesetzes wollen wir heute nicht in Konflikt geraten und noch weniger dazu aufrufen.

Axel Meyrich.

Gaia findet’s schade und sucht sich kurzerhand Ersatzbeschäftigung. Ein wenig zickig kommt Madame heute Morgen daher in der Begegnung mit Artgenossen. Nein, das gefällt mir nicht. Um früh überschüssige Energie aus dem Tier zu ziehen, erhöhe ich das Tempo. In Sondern ist die ehemalige Bahntrasse zu Ende, wir halten uns weiter in Richtung Anschlag bis zur Kreuzung. Links geht es nach Wipperfürth, schräg geradeaus nach Kreuzberg.

Die dritte Möglichkeit ist es

Wir nehmen aber die dritte Möglichkeit: rechts in Richtung Schwenke. Die wenigen Hundert Meter bis zur Abzweigung Heinken-Hedfeld sind nicht ganz so schön zu laufen, weil es keinen echten Randstreifen gibt. An diesem Morgen ist wenig Verkehr, an Wochenenden oder zuletzt anlässlich der Sperrung der B229 wurde und wird die K3 aber zum Leidwesen der Anlieger und der vernünftigen Verkehrsteilnehmer regelmäßig zur Rennstrecke. Nicht schön.

Bei Kilometer drei geht es links ab nach Heinken-Hedfeld – die eigentliche „V-Runde“ beginnt. Der SGV Halver (www.sgv-halver.de) hat auch diese Route vorbildlich markiert. Doch obwohl Gute-Laune-Wetter herrscht, schweifen die Gedanken kurz ab. Horst Wilhelm Klauke, langjähriger Vorsitzender des SGV in Halver, ist vor wenigen Tagen im Alter von 92 Jahren gestorben. Den ehemaligen Rektor der Realschule und passionierten Wanderer traf ich lange Jahre häufig auf den Wegen längs der Wilden Ennepe. Immer war Zeit für ein kleines Pläuschchen, den Austausch von Neuigkeiten aus dem Städtchen. Generationen von Schülern hat der Pädagoge geprägt. Ich werde seine bodenständige, freundliche Art vermissen.

Strahlender Sonnenschein begleitet die Corona-Runde um Heinken-Hedfeld und Vorst.

Durchaus gedankenschwer geht es weiter, wenngleich die Runde eine wunderschöne ist. Auf bestens begehbaren Wegen geht es durch Wiesen meist leicht bergab bis nach Heinken-Hedfeld – eine Hofschaft, die mit Postkarten-Idylle daherkommt. Mehrere Tafeln informieren über die Tierwelt auf Obstwiesen und Bienenzucht. In Heinken-Hedfeld selbst vollführt der Weg eine Rechtskurve. Ein Schülerprojekt zeichnet verantwortlich für kreativ gestaltete Nistkästen, die längs der Straße angebracht sind. Besonders sticht die Unterkunft im Design von Borussia Dortmund hervor. Dass der Himmel über diesem feschen Anwesen königsblau leuchtet, ist angesichts des sportlichen Absturzes des FC Schalke 04 sicherlich nur Zufall.

Tiefschwarzer Fleck in dieser scheinbar heilen Welt

Kurze Zeit später folgt der Abzweig nach Birkenbaum (rechts), wir halten uns jedoch schräg links. Das „V“ führt uns weiter zuverlässig. Der Weg durch Wiesen wird nun zu einem Waldweg, es geht bergab. Am tiefsten Punkt gabelt sich der Weg, wir müssen rechts und begrüßen die Neye. Der Bach entspringt nahe der Ortschaft Dornbach, ist knapp zehn Kilometer lang, durchfließt später die Neye-Talsperre und mündet in Wipperfürth in die Wupper. Der zweite Quellarm, die Neye II, wurde vor gut sechs Jahren durch circa 1,7 Millionen Liter Gülle ökologisch stark geschädigt. Ein tiefschwarzer Fleck in dieser scheinbar heilen Welt hier.

Blick in Richtung Tal der Neye.

Kurze Zeit später kommt die Ortschaft Vorst in Sicht. Hier hat Renate Dimters Hundeschule Bonita ihren Sitz, wenngleich sich das Trainingsgelände in Meinerzhagen befindet. Gaia blickt kurz hinüber, als wenn sie sagen wollte: „Du fehlst uns...“ Denn das tut das wöchentliche Training mit Renate Dimter und Gabi Hösel, die unsere beiden Broholmer-Ladies mit viel Expertise vom Welpen-Alter bis heute begleitet haben. Bis heute? – Falsch formuliert. Auch Hundeschulen leiden massiv unter der Corona-Pandemie. Obwohl die Außengelände riesig sind und über die de facto nicht vorhandene Ansteckungsgefahr unter freiem Himmel alles gesagt ist, müssen sie für Gruppentrainings geschlossen bleiben. Seit Monaten. Unverständlich. Wie so vieles im strategielosen Flickenteppich der Schutzmaßnahmen.

Die Straße durch Vorst macht eine lang gezogene Rechtskurve, gegenüber des großen Firmengebäudes auf der linken Seite zweigt der „V-Weg“ in den Wald ab. Deutlich enger wird’s hier und stachelig. Reichlich Ilex Aquifolium, umgangssprachlich Gemeine oder Europäische Stechpalme genannt, säumt den Weg. Bei Kilometer sieben queren wir die K3 – rechts geht es nach Anschlag, links zum Weihnachtsbaumdealer unseres Vertrauens, dem Hof von Heiko Tacke – und verschwinden direkt wieder im Wald.

Die Devise: Immer geradeaus

„Immer geradeaus“ lautet nun die Devise, und zwar einen knappen Kilometer, bis wir im 90-Grad-Winkel auf einen Weg treffen. Hier fehlt das „V“ – oder ich habe es übersehen. Egal. Rechts ist die richtige Richtung. Es sei denn, man möchte gleich noch eine Corona-Runde dranhängen, nämlich die an der Büchermühle. Dann bitte links abbiegen, der Wanderparkplatz des Joggertreffs folgt wenig später. Das muss für uns heute aber wirklich nicht sein.

Nahe der Gesenkschmiede Gustav Schürfeld rufen zwei Güterloren dem Wanderer „Glück auf“ zu.

Wir befinden uns jetzt im Tal der Ennepe und laufen bachaufwärts in Richtung Im Sumpf, wo die Gesenkschmiede Schürfeld ihren Sitz hat. Vor dem mächtigen Firmengebäude biegen wir rechts ab in Richtung Stenkenberg. Es ist die Zielgerade der „V-Runde“. Begleitet von einem schönen Weitblick und Zeugnissen der Vergangenheit, wird auf einer alten Brücke die Bahnstrecke Anschlag – Radevormwald gequert. Gleise liegen hier längst keine mehr, nachdem am 30. Mai 1964 der Personenverkehr zwischen Radevormwald und Anschlag und rund viereinhalb Jahre später auch der Güterverkehr eingestellt wurde. Ein kurzes Stück später ist die „V-Runde“ an sich beendet.

„Zweier-Team“ fast am Ziel

Für das „Zweier-Team“ Meyrich heißt das: drei weitere Kilometer noch bis zum Ziel. Wir spüren unsere Füße und Pfoten, so viel steht fest, und lassen es ruhig angehen. In einem Winkel meiner Jackentasche ist tatsächlich noch ein Müsliriegel aufgetaucht. Steinhart, aber köstlich. Gaia sagt ganz Ähnliches. Und zwar, nachdem sie exakt 30 Meter vor der Ziellinie beim längsten Stopp des Tages gefühlt den halben Bolsenbacher Fischteich leer gesoffen hat.

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Kleine, aber feine Tour an der Heesfelder Mühle. (Teil 9)
Über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe. (Teil 10)
Rund um Hülscheid und Altenhülscheid. (Teil 11)
Der V-Weg rund um Heinken-Hedfeld, Vorst und Anschlag. (Teil 12)
Vom Kreisch über den Rundwanderweg A6. (Teil 13)

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