Zwischen Erdbeerfeld und Todesschwinge (Teil 2 unserer Serie)

Corona-Runde: Flugplatz-Route am Rande der „Wilden Ennepe“

Flugplatz L528 Heede Halver Corona-Runde
+
Sonnenaufgang an der Flugplatzrunde: Das Bild zeigt den Blick in Richtung L528, aufgenommen kurz vor der Hofschaft Im Heede.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s zur Flugplatz-Route am Rande der „Wilden Ennepe“.

Halver – Heute mache ich es mir richtig einfach. Das Auto bleibt vor der Garage stehen. Es geht von der Terrasse quasi direkt auf die Corona-Runde.

Der Name der heutigen Strecke ist eine Eigenkreation: Flugplatzrunde deshalb, weil sie entlang des ehemaligen Segelflugplatzes führt. Ebenso gut ginge Bahndamm-Wilde-Ennepe-Runde oder Ähnliches. Aber dazu später.

Die Flugplatzrunde Bahndamm/Im Heede ist 3,6 Kilometer lang. Höhenmeter: 96 Meter. Wege: durchgehend befestigt.

An mehreren Stellen problemlos möglich. Wer aus Richtung Innenstadt kommt und via Lohstraße die Katrineholmstraße hochfährt, kann auf den Seitenstreifen oder ganz am Ende im Wendehammer parken. Alternativ ist der Einstieg auch unterhalb des Franz-Dobrikat-Sportplatzes an der Karlshöhe oder an der Zufahrt zur Ortslage Im Heede möglich. Die gute Erreichbarkeit der Runde sorgt dafür, dass vor allem am Wochenende richtig viel Betrieb sein kann auf der 3,6 Kilometer langen Strecke.

Die Witterungsbedingungen sind winterlich an diesem frühen Morgen (-3 Grad, aber trocken), wir starten entsprechend gut gelaunt. Plural deshalb, weil ich achtpfotige Begleitung habe. Gaia und Themis von der Baldenau – Leser von Teil 1 dieser Serie werden sich erinnern – mussten auf der Büchermühle-Runde noch zu Hause bleiben. Dieses Schicksal möchte ich den Broholmer-Damen auf ihrer Hausrunde dann doch nicht zumuten.

Corona-Runde mit Begleitung: die Broholmer-Mädels Gaia und Themis von der Baldenau.

Das Duo erfordert signifikant erhöhtes Equipment: zwei Leinen, vier Kotbeutel (sicher ist sicher), ein paar Leckerchen, um den obligatorischen Abruf- und Gehorsamsübungen gegen Ende der Runde einen Hauch von Attraktivität zu verleihen. Die Aufregung ist groß, als Halsband und Geschirr angelegt werden. Vor allem die zweijährige Themis geriert sich regelmäßig derart aufgekratzt, dass sie klingt wie ein sprachgestörter Seehund. Was ja auch ein Hund ist. Irgendwie.

Wir steigen an der Katrineholmstraße ein, wo der ehemalige Bahndamm der Strecke Halver – Anschlag die Zufahrt zum Wohngebiet mit den Fischwegen kreuzt. In unserem Rücken führten die Gleise einst weiter über die inzwischen nicht mehr vorhandene Überführung an der Südstraße bis zum Halveraner Bahnhof, der heute Bücherei und Restaurant beherbergt. Wir nehmen den entgegengesetzten Weg, die ehemalige Bahntrasse in Richtung Anschlag.

Schon nach wenigen Hundert Metern kommen Kindheitserinnerungen auf. Als es in den frühen 1980er-Jahren die Wohnbebauung am Hechtweg noch gar nicht gab, trug ein tief zerklüftetes Gelände, linkerhand vom Bahndamm gelegen, die wenig vertrauenerweckende Bezeichnung Todesschwinge. Am dicken Ast eines Laubbaumes war seinerzeit ein Stahlseil befestigt. Als Griff diente ein Stück Holz. Die Mutprobe damals ging so: Hände an den Griff, Anlauf nehmen und in sieben, acht Metern Höhe über Grund auf die andere Seite des Tals schwingen. Der Traum aller Helikopter-Eltern...

Das Gelände der Todesschwinge wird heute allenfalls noch von Mountainbikern genutzt

Wir halten kurz für ein Foto inne, bleiben dann aber auf dem Bahndamm. Links folgen die Bolsenbacher Fischteiche, inzwischen wieder gut gefüllt. Der Märkische Angelsportverein hat von Förderprogrammen profitiert und dringend notwendige Investitionen vorgenommen. Gut so.

Auf der Trasse geht es kaum bergauf

Kurz darauf teilt sich der Weg. Geradeaus geht es weiter auf dem Bahndamm, der bis nach Anschlag führt. Die Züge fuhren von dort seinerzeit weiter nach Radevormwald. Die Trasse hat den Vorteil, dass es kaum einmal bergauf geht und dass man später über den gut ausgeschilderten Wanderweg A2 ins Naturschutzgebiet Wilde Ennepe mit seinen großen Quarzblöcken und der sich ungestört entwickelnden Natur abbiegen kann.

Axel Meyrich testet die Corona-Runden.

Wir halten uns indes links, verlassen den Bahndamm. Hier wachsen edle Tannen dem nächsten oder übernächsten Weihnachtsfest entgegen, gegenüber beginnt eine lang gezogene Weide, die der Runde ihren Namen gab. Hier hatte der Luftsportverein Halver einst seinen Sitz. Die Wiese diente als Start- und Landebahn der Segelflieger. Eine Zeit, längst vergangen. Der LSV ist mittlerweile in Radevormwald ansässig. Die verwitterte Schranke trägt die LSV-Initialien, in der Luftaufsichtsbaracke kocht aber schon lange niemand mehr Kaffee. Reinhard Mey fände das nicht gut.

Später wurde das Gelände als Erdbeerfeld genutzt. Inzwischen aber weiden hier wieder Kühe. Meine Begleiterinnen wissen, dass sie dort nichts zu suchen haben. Die Sicht ist gut, kein Verkehr auf der Strecke, wir trainieren deshalb ein wenig „Fuß“ ohne Leine im Trab. Herrchen ist zufrieden, wenngleich Themis immer wieder mit Ablenkungsreizen zu kämpfen hat.

Die Start- und Landebahn des ehemaligen Segelflugplatzesist längst wieder eine Weide.

Wenig später kommt eine Asphaltstraße, die Zufahrt zur Ortslage Im Heede. Wer seine Runde mehr als verdoppeln möchte, biegt rechts ab in Richtung Auf der Mark und von dort aus in die Wilde Ennepe. Wir halten uns links und nach wenigen Metern Straße abermals links zurück in den Wald. Steil bergab geht es nun. Das heißt: Den Berg müssen wir auch wieder rauf. Das tut richtig weh. Die steile Steigung in Richtung Karlshöhe hat es in sich und sorgte in Zeiten, als der Halveraner Crosslauf noch fester Termin im Wettkampfkalender war, für Auslese im Läuferfeld.

Nach dem Brutalo-Anstieg

Ähnlich ging es von 2004 bis 2009 auch den Schlittenhund-Gespannen, die auf jenem Kurs unterwegs waren, den wir nehmen. Der Brutalo-Anstieg ist geschafft, wir halten uns links. Der Wall auf der rechten Seite ist längst vergessene Hinterlassenschaft aus dem 2. Weltkrieg, dahinterliegende Bunkerreste kaum noch zu erkennen.

Kurz vor Ende der Runde besteht noch einmal die Wahlmöglichkeit: Entweder schräg rechts auf den Hechtweg und zurück zum Ausgangspunkt oder links den sogenannten Wurzelpfad hinunter. Diese Alternative ist gespickt von Stolperfallen – Obacht!

Etwas tiefer erscheinen wieder die Bolsenbacher Fischteiche, das Anglerheim und kurz darauf – hier schließt sich der Kreis – besagte Todesschwinge. Ein letzter kurzer Anstieg, das war’s. Die Runde, an deren Rand sich so viele kleine Geschichten verstecken, ist zu Ende. Und nur meine Begleitung scheint zu denken: „Noch eine. Noch eine. Noch eine.“ Aber ich bleibe hart. Für heute zumindest.

Corona-Runden in Halver - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Weitere Teile folgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare