Wanderweg A7 (Teil 8 unserer Serie)

Corona-Runde: Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg

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Dreharbeiten zum sehnlichst erwarteten Fortsetzungsfilm: Nach „Männer, die auf Ziegen starren“ mit George Clooney aus dem Jahr 2009 folgt nun „Broholmer, die auf Schafe glotzen“.

Kontaktbeschränkungen, weitestgehendes Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Es muss nicht immer die ambitionierte 15-Kilometer-Wanderung oder ein Halbmarathon-Training sein. Schon eine halbe Stunde Spazierengehen, (Nordic-)Walken oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Aus diesem Grund nimmt AA-Redakteur Axel Meyrich – am Hochzeitstag standesgemäß begleitet von Gattin Svenja (Bild) – kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver unter die Füße und stellt sie im Rahmen einer Serie vor. Teil acht widmet sich einer Tour rund um den Bollberg.

Halver – Premiere für die Corona-Runde. Erstmals in der Geschichte dieser kleinen, aber feinen Serie macht sich ein vierköpfiges „Team Meyrich“ auf den Weg. Das natürlich aus gutem Grund. Heute ist Hochzeitstag. Der zweite. Und was gibt es da Schöneres, als Zeit zu verschenken? Nun ja, Kritiker werden anmerken, ein Strauß Blumen, etwas Schmückendes oder ein Dinner bei Kerzenschein wären durchaus gangbare Alternativen zu einer „Jogging-Wanderung“ bei Wind und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Aber die Formulierung von der Qualitätszeit, die ich so gerne verschenke, hat bisher noch immer gegriffen. Zwinker-Smiley...

Start/Ziel: Parkplatz Nordeler Schleifkotten (grüner Punkt oben rechts) Länge: 4,6 Kilometer Höhenmeter: 90 Meter Wege: überwiegend gut ausgebaute Waldwege, kurzzeitig asphaltierte Straße

Mit dabei also auf dem Weg ins Tal der Ennepe: meine Gattin Svenja (37) sowie unser Geleitschutz Gaia Amador (3) und Themis Perez Ares von der Baldenau (2), die dem geneigten Leser möglicherweise bekannten Broholmer-Hündinnen des Hauses.

Die Anfahrt

Das Hunde-Auto ist gepackt. Soll heißen: Leinen, Kotbeutel, ein großes Handtuch gegen Dreck und nasses Fell. „Wie früher auf der Fahrt innen Urlaub: Vatter schön mit der Karte auf den Knien“ – wir haben gerade erst den Ortsausgang in Richtung Radevormwald passiert, da gibt’s für mich schon verbal Saures von der Fahrerin. Dabei habe ich nur einen Blick in die Wanderkarte „Oberes Volmetal“ geworfen – ein Geschenk einer unserer aufmerksamsten (und kritischsten) Leserinnen, die ihren Namen aber partout nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte. Deshalb anonymisiert: Vielen Dank dafür!

Zurück auf die B229. Bevor der Anstieg nach Schwenke beginnt, biegen wir rechts ab in Richtung Burbach. Zwei Minuten Fahrt später kommt schon der Wanderparkplatz Nordeler Schleifkotten in Sicht. Wobei: „Wanderparkplatz“ ist schon ziemlich dick aufgetragen, Freunde. Zwei, maximal drei Autos finden hier Platz. Wir sind die einzigen. Geparkt wird direkt vor zwei Info-Tafeln.

Hochzeitstag: Svenja und Axel Meyrich

Der heutige Weg gehört zu den so genannten „Volme-Schätzen“. Das sind Wanderwege, die sich – gut ausgezeichnet und von Tafeln am Wegesrand begleitet – einem bestimmten Themenbereich widmen. Unser Weg A7 und der angrenzende A6 – beide Strecken lassen sich zu einer 8,4 Kilometer langen Tour kombinieren – firmieren unter dem Oberbegriff „Aussicht“. Ich kann gar nicht so schnell schauen, wie mein Handy bei einem Foto der Tafeln den QR-Code entdeckt hat und jede Menge Zusatzinfos auswirft – Weltklasse! Und das sage ich nicht oft...

Die Streckenführung

Zeit zum Lesen bleibt nicht, denn wir werden massiv bedrängt. Die Hunde-Ladies sind der Meinung, dass es jetzt aber wirklich höchste Zeit ist, aufzubrechen. Und so queren wir das reichlich Wasser führende Bächlein Ennepe und halten uns zunächst rechts. Im Rückblick ist es der am schwierigsten gangbare Weg der gesamten Strecke. Matschig und nass. Die Gattin ist semi-begeistert von diesem Auftakt, die Hunde-Damen dafür umso mehr. Vollgas ist angesagt.

Nach gut einem Kilometer zweigt links ein Weg ab. Es ist besagte Route A6, die über den Brenscheider Berg, Becke und den Kreisch zurück zum Nordeler Schleifkotten führt, wo seit dem Frühmittelalter eine wichtige Altstraße von Wipperfürth nach Breckerfeld die Ennepe querte. Wir bleiben indes auf dem A7-Weg und erreichen wenig später die Löhrmühle, ihres Zeichens älteste noch erhaltene Wassermühle an der Ennepe. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Löhrmühle im 16. Jahrhundert. Besitzer war damals das Hohe Stift St. Gereon zu Köln. Die Löhrmühle war keine Bannmühle, in der die ortsansässigen Bauern gezwungen waren, nur hier ihr Korn mahlen zu lassen, sondern hatte den Status einer Privatmühle, zu der Bauern freiwillig kamen. Sie bediente in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts rund 500 Landwirte, die aus den Ortschaften Eichhofen, Glörfeld und Oeckinghausen stammten. Heute dient die Mühle als Wohnhaus.

Kurzer Stopp hier, weil die Hunde-Damen augenscheinlich beschlossen haben, Filmstars zu werden. In einer Fortsetzung. Nach „Männer, die auf Ziegen starren“ heißt es nun: „Broholmer, die auf Schafe glotzen“. Mit Engelszungen überzeugen wir die beiden schließlich zum Weitergehen.

Der Sauerländer Himmel produziert dabei ein Farbenspiel . Corona-Runde Halver Bollberg Volmeschatz Wanderweg

Vor der Löhrmühle halten wir uns rechts, auf der Straße links und sofort wieder rechts. Überall ist der A7 gut ausgeschildert, es geht bergauf, der Asphalt weicht bald einem befestigten Feldweg. Die Sicht – weit. „Leinen los“ ist hier kein Seefahrerkommando, sondern die Aufforderung an die tierische Begleitung, noch einmal alles zu geben. Allerdings nur kurz. Schüreichhofen ist noch nicht erreicht, da sagt die Körpersprache beider Hunde, dass der Rückruf zu Herrchen und Frauchen wohl angebracht wäre. Sonst würde kurzum die angrenzende Gülle-Wiese zur olfaktorisch unerträglichen Fellpflege missbraucht werden.

Panorama-Weg macht seinem Namen alle Ehre

„Fuß“ geht es durch Schüreichhofen, linker Hand ist kurz darauf die Rückseite des Sportplatzes Friedrichshöhe mit der neuen Grillhütte zu sehen. So weit oben sind wir schon? – Man verschätzt sich schnell. Der Panorama-Weg macht seinem Namen inzwischen alle Ehre. Herrlich in die Ferne lässt es sich schauen von hier über die Hügel von Sauerland und Bergischem Land. In großem Bogen laufen wir um den Bollberg herum, der rechterhand liegt. Die Wanderkarte kündigt klein und fast schon verschämt einen alten Ringwall an. Der liegt dann auch arg versteckt zwischen Bäumen und Buschwerk. Vermutlich stammt die einstige Burg aus dem 9. Jahrhundert, angelegt zur Sicherung der Altstraße zwischen Breckerfeld und Wipperfürth. Funde bei Grabungen deuten daraufhin, dass das Gemäuer wohl bei kriegerischen Handlungen niedergebrannt wurde. Wer die Reste unter die Lupe nehmen möchte, muss sich rechts ins Gebüsch schlagen. Wir verzichten mit Blick auf die Brut- und Setzzeit auf derlei Unternehmung.

Die Löhrmühle.

Der Weg führt nun wieder bergab, linker Hand begleitet vom Hartmecke-Bach und einer weiterhin tollen Aussicht. Eine neue Bank plus Info-Tafeln laden zur Pause ein. Allerdings nicht bei diesen Temperaturen. Parallel zum Hartmecke-Bach geht es nun über eine kleine Asphaltzuwegung. Die Hunde bleiben an der Leine, wenngleich uns nicht ein einziges Auto begegnet. Und dann kommt auch schon das Ziel in Sicht. Nachdem sich Gaia und Themis beharrlich geweigert haben, Pfoten, Beine und Bauch durch einen Sprung in den Bach zu säubern, treffen wir auf das „Hauptsträßchen“ im Ennepe-Tal. Links geht es zum Tierarzt unseres Vertrauen, der Praxis Dr. Gräfe, wir halten uns aber rechts und stehen bald wieder am Nordeler Schleifkotten.

Das Fazit

Wir sind uns einig. Spaß hat’s gemacht. Angenehme knappe fünf Kilometer, tolle Landschaft, wenig los. Ja, wir sind Dorfkinder, nicht gemacht für die Großstadt. Aber weil das so ist, dürfen wir auch sagen, dass wir es schon schön haben hier in Halver. Der Panorama-Weg A7 ist da ein weiterer Beweis unter vielen.

PS: Ich bin nach der Arbeit übrigens nicht direkt nach Hause, sondern habe noch einen Abstecher gemacht. Blumen kaufen. Für die Gattin. Hochzeitstag. Der zweite. Sie wissen schon.

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör. (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Kleine, aber feine Tour an der Heesfelder Mühle. (Teil 9)
Über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe. (Teil 10)
Rund um Hülscheid und Altenhülscheid. (Teil 11)
Weitere Teile folgen.

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