Pandemie-Folgen

Corona: Oberbrügger Gemeinschaft lässt sich „nicht unterkriegen“

Oberbrügge von oben
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Oberbrügge von oben

Oberbrügge ist zusammen mit Ehringhausen der größte Ortsteil Halvers. Die Menschen, die dort leben, bilden Dorfgemeinschaft. Doch wie hat sich die Corona-Pandemie auf das Miteinander dort ausgewirkt?

„Nicht schön, weil wir uns nicht treffen können und auch die Zoom-Konferenzen etwas eingeschlafen sind“, erklärt Jürgen Wichert, der Sprecher des Aktionsbündnisses Oberbrügge-Ehringhausen. „Wir wollte die Trägerschaft für das Bürgerhaus übernehmen.“ Doch weil große Feiern nicht stattfinden können und die damit verbundenen Einnahmen fehlen, liegt die Übernahme derzeit auf Eis.

Im August sollte das Dorffest gefeiert werden. Doch die Organisatoren mussten sich eingestehen, dass das wohl wieder nichts wird. Konsequenz: „Wir haben die Veranstaltung offiziell abgesagt“, sagt Wichert. Der Mehrgenerationenpark ist gesperrt. Für das geplante Dorfcafé werden Angebote von Handwerkern eingeholt. „Damit wir da rein können, wenn alles vorbei ist. Sollte etwas möglich sein, laden wir ganz schnell zu einem Stammtisch ein.“

Baustellen erschweren die Situation

Baustellen wie an der Heerstraße erschweren die Situation momentan noch weiter. „Aber bevor alles einschläft, nutzen wir die Gelegenheit und bereiten Dinge vor, so Wichert. „Zoom-Konferenzen eignen sich für Arbeitsgruppen. Da geht es zum Beispiel um den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Daran möchte die Oberbrügger Gemeinschaft teilnehmen.

„Sport beim TuS Oberbrügge gibt’s seit dem 18. März 2020 nur noch sehr eingeschränkt und auch nicht für alle Gruppen“, sagt der TuS-Vorsitzende Peter Seyfried. Das Angebot, virtuell gemeinsam unterwegs zu sein, nutzen einige Gruppen. Doch auch im sportlichen Bereich leidet die Gemeinschaft. Teilweise treffen sich Sportler auch zu zweit zum Walken und Joggen. Die sozialen Kontakte gibt es also noch. Sie zu pflegen, so Seyfried, erfordere jedoch Kreativität und Aufwand. „Besonders hart ist die Pandemie für die Leute, die allein leben.“

In Gesprächen erfährt er immer deutlicher, wie unzufrieden die Menschen mit den Corona-bedingten Einschränkungen und den wenig überzeugenden Konzepten der Politik sind. „Der Tenor insgesamt lautet: Wir lassen uns nicht unterkriegen“, gibt Peter Seyfried wieder. Besonders problematisch sei die Situation für Kinder und Jugendliche.

Die Kleinsten bleiben auf der Strecke

Kontaktmöglichkeiten für die Kleinsten in Eltern-Kind-Gruppen bestehen derzeit nicht. Glück, so meint er, hätten die Familien mit eigenem Haus und Garten. Wenigstens dort und bei Spaziergängen in der Natur könnten sich die Kinder austoben. Doch das Einsiedlerleben sei schwierig, resümiert Seyfried. „Eltern mit schulpflichtigen Kindern ersetzen sowieso schon Lehrer und Lehrerinnen. Vollzeitbeschäftigte Eltern sind darauf angewiesen, dass ihre nicht mehr ganz kleinen Kinder Zuhause keinen Quatsch machen, für die Schule lernen und nicht zu viel Süßes essen.“

Erfreut ist der Vereinsvorsitzende über die Treue der Mitglieder. In 2020 hatte der TuS Oberbrügge 571 Mitglieder, 32 Mitglieder kehrten dem Verein den Rücken. Dem gegenüber konnten 30 neue Mitglieder begrüßt werden.

Bärbel Schmidt wohnt seit 45 Jahren am Burgweg. Für sie und ihren Mann Giesbert war das ehrenamtliche Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde von Anfang an selbstverständlich. „Wenn man so lange hier wohnt, kennt man die Leute“, sagt sie. Man sehe die Kinder und Enkel aufwachsen. Eine gute Voraussetzung, um als Mitglied des Besuchsdienstes Gemeindemitgliedern zum Geburtstag zu gratulieren. Nicht am Geburtstag selbst, sondern einige Tage später besucht Bärbel Schmidt die Jubilare ab dem 75. Lebensjahr. Neben einer Karte von der Kirchengemeinde nimmt sie auch Blumen aus dem Garten mit. Gesprächsstoff ist schnell gefunden: Fröhliches, Alltägliches, Gespräche über Einsamkeit, Schicksalsschläge und Ängste. In normalen Zeiten, aber eben nicht während der Corona-Pandemie.

Dennoch: „Wir müssen die sozialen Kontakte aufrecht erhalten“, sagt Bärbel Schmidt. Sie führt deshalb viele Telefonate. „Der Glaube hilft vielen Menschen durch diese schwierige Zeit.“ Die Gottesdienste der evangelischen Kirche „besucht“ sie im Moment per Livestream.

Digitale Wege nutzen

Thomas Wienand, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbrügge, bedauert, dass viele Bereiche des Gemeindelebens nicht mehr erlaubt sind. Wie in vielen anderen Kirchengemeinden werden auch in Oberbrügge digitale Wege genutzt. Wienand postet auch geistliche Impulse auf Facebook. Das Feedback zeige, wie dankbar die Menschen dafür seien. Ältere Menschen bekommen Briefe, andere wiederum E-Mails.

Thomas Wienand ist häufig mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Hierbei nutzt er die Gelegenheit, bei Zaungesprächen mit den Menschen zu sprechen. Dankbar ist er für die Unterstützung durch Gemeindeschwester Dorothea Stach, die unter den erschwerten Bedingungen ein Netzwerk aufbauen konnte. Insbesondere die älteren Menschen vermissen Verwandtenbesuche. „Erfreulich ist, wie immer mehr Menschen mir erleichtert berichten, dass sie bereits geimpft sind und sich dadurch sicherer fühlen“, erzählt Wienand.

Impfen ist der Weg hin zu einem normalen Alltagsleben. „Ich könnte jeden Tag 100 Leute impfen“, sagt der Oberbrügger Hausarzt Dr. Hans-Joachim Rüdiger. Das Problem bestehe darin, dass momentan nicht genug Impfstoff zur Verfügung stehe. Sei diese Hürde überwunden sieht er Licht am Ende des Tunnels. Ein wichtiger Punkt sei dabei das Aufklärungsgespräch. Felix Rüdiger, der im Herbst die Praxis seines Vaters übernehmen wird, sagt dazu: „Impfen ist schon vor Corona kontrovers diskutiert worden. Die Querdenker verbreiten im Internet gefährliches Halbwissen. Dadurch entwickeln viele Menschen eine Antipathie gegen bestimmte Impfstoffe.“

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