Verlängerung

Die einen öffnen, die anderen bangen: Neuerungen im Lockdown

Corona Lockdown Regenbogenschule Halver
+
„Haltet durch, bald sehen wir uns wieder“ hängt in Form einer bunten Kette am Zaun der Regenbogenschule am Pestalozziweg. Ein Gruß an die Schüler, die seit vielen Wochen im Homeschooling sitzen.

Der Lockdown wird verlängert, aber so manches wird verändert. Grundschulen kehren schrittweise zum Präsenzunterricht zurück, Friseure dürfen ab dem 1. März wieder öffnen. Sinkt die Inzidenz auf 35, öffnen auch Gastronomien und Geschäfte. Ein Lichtblick?

Halver – Für die Grundschulen kam die Nachricht nicht überraschend. „Das zeichnete sich ab“, sagt Monika Lauterbach, Leiterin der Lindenhofschule.

„Für die Kinder ist es gut“, sagt sie. „Aber wir müssen mit guten Konzepten weitermachen.“ In der Pandemie sei man nach wie vor. Wie genau es weitergehen wird, kann die Schulleiterin noch nicht sagen. Der 22. Februar wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Tag sein, an dem wieder mehr Kinder in der Grundschule sein werden und nicht mehr im Homeschooling. Welche das sein werden, welche Klassen und wie viele Kinder aus den Klassen, ist noch nicht klar. „Wir wissen nicht mehr als alle anderen.“

Es bleibt das Warten auf Verordnungen und Anweisungen. Vielleicht, so hofft man auch an der Regenbogenschule, passt eines der Konzepte, die man im vergangenen Jahr erarbeitet und genutzt hat. Das wäre gut, sagt Daniel Riegel, kommissarischer stellvertretender Leiter der Regenbogenschule. Auch den beiden Standorten wartet man auf Anweisungen.

Freitag und Montag haben die Grundschüler erst einmal frei, und es gibt nur eine Notbetreuung. In der Woche wird danach macht man sich mit hoffentlich mehr Informationen an Details und Planungen.

Friseure dürfen am 1. März wieder öffnen

„Wir freuen uns sehr“, sagt Friseurin Silke Heim. Am 1. März darf sie mit ihrem Team wieder ihre Kunden betreuen. Seit dem 16. Dezember waren die Friseure zu Hause –das hat nun ein Ende. Mit medizinischer Maske und Terminen dürfen die Salons wieder öffnen. „Wir haben am Mittwoch mitgefiebert“, erzählt Silke Heim. Damit gerechnet, dass sie wieder Haare schneiden darf, hat sie zwar, aber unklar war der offizielle Tag.

Die ersten zwei Wochen sind bereits jetzt komplett ausgebucht. Seit Mittwochabend steht das Telefon nicht mehr still, erzählt die Friseurin. Geöffnet ist für den ersten Andrang vorerst auch montags. Es wird einiges zu tun sein, vermutet Silke Heim. „Viele Kunden waren eisern“, sagt sie. „Andere haben privat etwas ausprobiert.“ Gewappnet ist sie für alles, sie freut sich einfach, wieder arbeiten zu können. Für viele Kunden wird es auch mehr sein als nur ein Haarschnitt.

Der Gang zum Friseur ist auch etwas für die Seele

Der Gang zum Friseur ist auch etwas für die Seele, weiß auch Jan Wagner, der seit drei Jahren seinen Salon am Bächterhof hat. „Wir sind die ersten, die den Menschen etwas Normalität zurückgeben“, sagt Wagner. Danach sehnen sich die Menschen. Das Leben im Geschäft kommt zurück, erzählt er. Produkte können jetzt bestellt und die Heizung im Laden angestellt werden.

Mit dem offiziellen Datum gibt es nun einen Fahrplan für Friseure, die von der Politik vergessen wurden, kritisiert er. „Man fühlt sich allein gelassen.“ Seit drei Jahren führt er das Geschäft in Halver, wäre er im ersten Jahr, sagt er, hätte er den Schlüssel nicht wieder umdrehen können. Er ist dankbar. Die Bücher sind für die ersten Wochen bereits voll. „Die ganze Kartei will kommen.“ Kunden rufen im Laden an, werden aber auch von Jan Wagner angerufen. „Man will jeden fair behandeln“, sagt er.

Für den Einzelhandel ist die Entscheidung eine „Katastrophe“

„Das ist natürlich eine Katastrophe.“ Für Hubert Nicolay mit seinem Schuhfachgeschäft an der Frankfurter Straße ändern die neuen Vorgaben nichts zum Positiven. Eher im Gegenteil. Ob er sein Geschäft im März wieder öffnen kann, wo dann die Inzidenzwerte liegen und eventuell ein halbwegs normaler Betrieb möglich sein wird?

Seit Donnerstag weiß Hubert Nicolay eher weniger. Lohnt es sich überhaupt, Frühjahrsware zu bestellen? Das ist eine der Fragen für den Einzelhändler, der seine Kundschaft unverändert beliefert, an der Tür Schuhe ausprobieren lässt und sich darum kümmert, dass die Halveraner auch weiter Schuhe zur Reparatur vorbeibringen können.

Planbar ist wenig, sagt er mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate und weist auf ein weiteres Problem hin. Im Lockdown findet kaum Laufkundschaft den Weg in die Stadt. Benachbarte Händler hätten darum bereits Öffnungszeiten eingeschränkt, wie er festgestellt hat.

Der Gastronomie hilft der Beschluss nicht weiter

Auch der Gastronomie hilft die Beschlusslage nicht wirklich weiter. Die stückchenweise verlängerten Beschränkungen machten den Betrieb kaum noch planbar, sagt Marc Haarmann aus dem Litfass, der im AA-Gespräch bereits im Oktober seiner Befürchtung Ausdruck gegeben hatte, dass bis mindestens März kaum ein halbwegs regulärer Betrieb in Sicht sein werde.

„Ich rechne jetzt eher mit Ostern“, sagt er mit Blick auf die Daten aus den Gesundheitsämtern. Doch mit den jetzigen Ankündigungen kann er schlecht betriebswirtschaftlich verlässlich rechnen. In der Gastronomie gehe es um Fixkosten, die den größten Teil der Kosten ausmachen. Schon im Normalfall blieben gerade fünf Prozent von den Einnahmen als Ergebnis übrig. Lohnt sich die Investition für eine Lieferplattform noch, wenn ein Ende des Lockdowns früher kommt? Zugleich gebe es keine Hinweise, dass die Gastronomie Pandemietreiber sei. „Wir haben doch die Konzepte.“ Und während die Gaststätten leer stünden, drängten sich die Menschen in den Supermärkten.

Was ihn für die Zeit danach ein wenig zuversichtlicher stimmt: „Ich glaube, die Menschen werden unsere Angebote mehr wertschätzen. Irgendwann haben die genug von Netflix.“

Corona im Märkischen Kreis - eine Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare