Fragen an das Gesundheitsamt

Corona im MK: Junge Frau mit 15 positiven Tests - „Irgendwann fand ich das nicht mehr lustig“

Eine junge Frau aus dem MK wurde 17 Mal auf Corona getestet - 15 Mal davon positiv. Das hatte Konsequenzen. Weil sie im Gesundheitsbereich arbeitet, erhielt sie ein Beschäftigungsverbot. Aber es gibt viele Widersprüche, die sie nicht verstehen kann. Die Redaktion hat daraufhin beim Gesundheitsamt nachgefragt.

Halver - Es ist Ende März. Zu Beginn der Corona*-Pandemie, erinnert sich die 22-Jährige aus Halver. Die junge Frau ist zu diesem Zeitpunkt noch Auszubildende. Um die Entscheidungen des Gesundheitsamts zu verstehen, ist es wichtig, zu sagen, dass sie in einer Arztpraxis arbeitet. Was genau sie macht, wo sie arbeitet, bleibt lieber geheim, sagt sie. (News zum Coronavirus in NRW)

StadtHalver
LandkreisMärkischer Kreis
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche77,23 Quadratkilometer
Einwohner16.083 (Dezember 2019)

Corona im MK: Junge Frau aus Halver mit 15 positiven Tests - Nichts erlaubt außer Arbeiten

Eine ihrer fünf Kolleginnen wurde positiv auf das Coronavirus getestet und kam in Corona-Quarantäne. Daraufhin bekamen auch die anderen Kolleginnen am 2. April Quarantäne verordnet. Aber: Sie durften und sollten weiter arbeiten gehen, weil sie in einem systemrelevanten Beruf arbeiten, erzählt die 22-Jährige. Außer arbeiten durften sie aber nichts – weder einkaufen, noch andere Personen treffen. Eine klassische Quarantäne neben dem Beruf. Bis zum 6. April sollten die Frauen so verfahren, so die Verordnung des Gesundheitsamts des Märkischen Kreises, welches regelmäßig die neuen Fallzahlen im MK bekanntgibt.

Nach einer Woche wurde entschieden, die Mitarbeiterinnen zu testen. Aber nur wegen eines Hinweises einer Kollegin, die aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis kommt. In der Nachbarkommune ist ein anderes Gesundheitsamt zuständig – und dieses testete umgehend. Erst auf Hinweise hin wurden die MK-Frauen getestet, und zwar am 8. April. Das Ergebnis der Tests kam zwei Tage später: Zwei weitere Frauen waren positiv. Die Quarantäne der Infizierten wurde bis zum 22. April verlängert. Diesmal wurde das Arbeiten untersagt.

Zwei von den drei Mitarbeiterinnen gingen am 23. April wieder arbeiten. Die Frau aus Halver, die uns ihre Geschichte erzählt, nicht. Erst im Juni durfte sie zurück. Denn um wieder arbeiten gehen zu dürfen, mussten die Arzthelferinnen einen negativen Test vorgelegen. Aber die 22-Jährige wurde immer wieder positiv getestet. Corona-Symptome hatte sie keine. Darüber war sie froh, denn die Halveranerin ist Asthmatikerin. Lediglich leichte Kopfschmerzen konnte sie feststellen.

Im Gespräch mit Sarah Lorencic: „Ich muss das mal erzählen“, dachte sich die Halveranerin, die unerkannt bleiben möchte.

Corona im MK: Junge Frau aus Halver mit 15 positiven Tests - Jede Woche zwei PCR-Tests

Am 21. April verpflichtete sie das Gesundheitsamt, wöchentlich zwei PCR-Rachenabstiche zu machen – so lange, bis einer negativ ist. Das waren insgesamt neun Tests, von denen acht positiv waren, das Ergebnis des letzten Corona-Tests ist bis heute offen. „Ich gehe von positiv aus“, sagt sie. Drei weitere Abstriche musste sie in Iserlohn machen lassen. Die Tests wurden direkt zum Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin geschickt, um abzuklären, warum sie noch immer positiv getestet wird. Davon hat sie bis heute nichts gehört.

Irgendwann fand ich das nicht mehr lustig.

22-jährige Halveranerin

Von Anfang April bis Anfang Juni durfte sie nicht arbeiten. „Ich hatte ein Beschäftigungsverbot“, sagt sie. Solange bis sie ein negatives Ergebnis ausweisen konnte. In Quarantäne allerdings war sie lediglich für zwei Wochen Anfang April. Danach ging die Auszubildende wieder zur Berufsschule. Etwas anderes hatte man ihr nicht gesagt. Stattdessen habe man ihr erklärt, dass sie nicht sagen muss, dass sie positiv ist, denn ansteckend sei sie ohnehin nicht mehr. „Irgendwann fand ich das nicht mehr lustig“, sagt die Frau aus Halver. Nach sechs Wochen ohne zu arbeiten bekam sie nur noch 60 Prozent ihres Gehalts. „60 Prozent vom Ausbildungsgehalt ist fast nichts.“

Corona im MK: Junge Frau aus Halver mit 15 positiven Tests - Mitten in den Abschluss-Prüfungsvorbereitungen

Im Mai neigte sich ihre Ausbildung dem Ende entgegen und die Prüfungen standen an. Mitten im Unterricht wird die 22-Jährige jedoch mehrere Male angerufen und zum Corona-Test aufgefordert. „Das spontane Verlassen des Unterrichts führte dazu, dass ich Rechenschaft ablegen musste“, sagt sie. Die Mitschüler erfuhren von ihrer Situation und erzählten den Lehrern davon. Der Halveranerin sei daraufhin angedroht worden, nicht an den Prüfungen teilnehmen zu können.

15 Mal wurde die junge Frau aus Halver positiv getestet. Ihre letzten beiden Tests, Nummer 16 und 17, ließ sie bei einer Hausarztpraxis in Halver machen. Beide waren Ende Mai und Anfang Juni negativ. Die Halveranerin nahm an den Abschlussprüfungen teil und ging im Juni wieder arbeiten.

Was bleibt, sind seitdem viele offene Fragen. Warum wurde sie immer wieder positiv getestet? Warum durfte sie nicht arbeiten, aber in die Schule? Welche Aussagekraft hatten die positiven Tests? Und was ist aus den Tests geworden, die zum RKI geschickt wurden? Diese Fragen haben wir Volker Schmidt gestellt. Der Leiter des Gesundheitsamts im Märkischen Kreis fällte zuletzt eine düstere Corona-Prognose für das bald anstehende Weihnachtsfest.

Corona im MK: Junge Frau aus Halver mit 15 positiven Tests - Das sagt das Gesundheitsamt

Wie häufig kommt es vor, dass jemand so lange positiv getestet wird?
Das kommt eher selten vor, sagt Volker Schmidt, Leiter des Gesundheitsamts im Märkischen Kreis. Man geht aber davon aus, dass auch wenn jemand über einen längeren Zeitraum positiv getestet wird, er nicht mehr infektiös ist.
Wieso durfte die Halveranerin nach der Quarantäne dann nicht arbeiten, aber zur Schule – obwohl sie nach wie vor positiv war?
„Wir handeln nach der RKI-Empfehlung“, sagt Volker Schmidt. Solch ein Szenario sei in den Vorgaben beschrieben. Wenn jemand im Gesundheitswesen arbeitet, muss ein Abstrich zunächst negativ sein, bevor er wieder arbeiten gehen darf. Bis zu diesem Zeitpunkt spricht das Gesundheitsamt ein Beschäftigungsverbot aus. Das liegt daran, dass es sich bei einer Arztpraxis um einen sensiblen Bereich handelt, in den Risikopersonen kommen könnten. „In diesen sensiblen Bereichen sind wir vorsichtig, wegen eines geringen Restrisikos.“
In der ersten Woche Quarantäne, die noch ohne Test verhängt wurde, durften die Mitarbeiterinnen ausschließlich arbeiten, aber mussten sich sonst isolieren. Warum?
Personen in kritischen Infrastrukturen, zu denen Arztpraxen, Pflegeheime und Krankenhäuser gehören, dürfen, auch wenn sie Kontaktperson der Kategorie 1 sind, trotz Quarantäne arbeiten gehen – so lange sie keine Symptome haben. In jedem Falle dürfen sie nur mit besonderer Schutzausrüstung weiterarbeiten. „Das kommt häufiger vor“, sagt Schmidt. Es gibt auch die Option, dass selbst positiv getestete arbeiten gehen dürfen. Zum Beispiel in einem Krankenhaus – dann aber nur auf einer Station, auf der nur Infizierte versorgt werden. Das beruhe auf dem Problem des Personalmangels.
Warum wurden die Mitarbeiterinnen aus dem MK nicht umgehend getestet wie es bei der Kollegin aus dem EN-Kreis der Fall war? Hinterher stellte sich heraus, dass zwei weitere Kolleginnen positiv waren. Sie haben also eine Woche in der Arztpraxis gearbeitet.
Zu Beginn der Pandemie wurde noch nicht jede Kontaktperson getestet. Eine 14-tägige Quarantäne war ausreichend. Im Nachhinein sei es schwer, diesen Einzelfall aufzuklären, sagt Schmidt.
Wie oft werden Tests zum Robert-Koch-Institut geschickt?
Eigentlich gar nicht. Nur in seltenen Ausnahmefällen. Ob die Tests der Halveranerin tatsächlich zum RKI geschickt wurden, kann Volker Schmidt nicht bestätigen. Es gebe die Möglichkeit, Tests in Hochsicherheitslabore zu schicken, von denen es nur eine Handvoll in Deutschland gibt. Dort werde getestet, ob die Viren auf den wiederholt positiven Abstrichen noch immer vermehrungsfähig sind. Die Proben würden dann angezüchtet. „Das kann man nicht oft machen“, betont Schmidt. Grundsätzlich gehe man auch bei wiederholt positiven Tests von abgestorbenen Viren-Gen-Material aus, das aber nicht mehr infektiös ist.
Die Halveranerin wurde im Unterricht angerufen und zum Test gebeten.
Ist das üblich? Nein, üblich sei das nicht. „Wir können keine Wunschtermine vergeben“, betont der Leiter des Gesundheitsamtes im Märkischen Kreis. Aber normalerweise gebe es ein bis zwei Tage Vorlauf. Ob die Halveranerin gefragt oder explizit aufgefordert wurde, kann er nicht sagen. „Das ist ein Massengeschäft.“

Rubriklistenbild: © Florian Hesse

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