Kita-Lage im Lockdown

Corona: „Es gibt keine Kita-Schließung“ - ein Kita-Träger regt sich auf

Kitas Kindergarten Corona Spielzeug
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Kitas sind nicht geschlossen. Sie sind trotz der Pandemie geöffnet. Es gibt unverändert ein Betreuungsangebot für Eltern, die es benötigen.

Die Kitas sind geschlossen und bleiben es weiterhin. So teilen es die Bundeskanzlerin und die Landesminister mit. Doch diese Aussage ist falsch, wie ein Kita-Träger aus Halver jetzt äußert.

Halver – Kristian Hamm ist Geschäftsführer der Sentiris gGmbH, freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe.

Dazu gehören ein Kindergarten, der institutionelle Betrieb einer Großtagespflege und weitere offene Angebote für Kinder und Jugendliche in Halver und Oberbrügge. Von den verlängerten Maßnahmen des Lockdowns ist auch diese Arbeit berührt. Florian Hesse sprach mit ihm darüber.

Kristian Hamm ist Geschäftsführer von der Sentiris gGmbH.
Die Rede ist in der Öffentlichkeit von einer „weiteren Schließung der Kitas“. Wie bewerten Sie diese Aussage?
Sie ist schlicht und ergreifend falsch! Kitas sind im eingeschränkten Pandemiebetrieb geöffnet. Das bedeutet, dass die Kitas in NRW grundsätzlich geöffnet sind – übrigens durchgehend seit März 2020 – und es lediglich einen Appell der Landesregierung in Richtung Eltern gibt, Kinder – wenn möglich – zu Hause zu betreuen. Es gibt hier aber keine Kriterien, welche Eltern ihr Kind zur Kita bringen können. Es gibt und gab also keine Schließung von Kitas.
Wie weit ist der Kita-Betrieb von der Normalität unter diesen Umständen entfernt?
Mit Blick auf die Kinder in unseren Einrichtungen läuft der Betrieb nahezu normal – das ist den Mitarbeitern wichtig, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Sie tragen im Kontakt mit Kindern keine Maske und versuchen, den Alltag so normal und schön wie möglich zu gestalten. Auch im Blick auf den Kontakt zu Eltern sind wir bemüht, den Kontakt so „normal“ wie möglich zu halten. Es wird derzeit viel telefoniert und gezoomt. Ende der Woche soll das erste Mal ein digitales Elterncafé stattfinden. Auch die Kinder, die derzeit nicht in die Einrichtungen kommen, werden nicht vergessen.
Die Mitarbeiterinnen der Einrichtungen schicken zum Beispiel Päckchen und Briefe, Geburtstagsgeschenke oder haben die „Kindervilla in Tüte für Minis“ auf den Weg gebracht. Alle Mitarbeiter – und das gilt, glaube ich, für alle Kitas in unserem Land – sind bemüht, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten, wenngleich dieser Alltag von Normalität, wie wir sie aus dem Januar 2020 kennen, weit entfernt ist.
Was wäre aus Ihrer Sicht eine sinnvolle Alternative zu der laufenden Betriebsform?
Aus meiner Sicht und auch aus der der Beschäftigten wäre eine Notbetreuung, wie es sie im Frühjahr 2020 gab, eine sinnvolle Alternative zu dem eingeschränkten Pandemiebetrieb, wie wir ihn jetzt erleben. Bei einer Notbetreuung hätte es klare Kriterien und Regeln gegeben, die die Kommunikation mit Eltern und die Planung in den Einrichtungen deutlich vereinfacht hätten.
Gleiches gilt für die Mitarbeiter, die selbst Kinder in Kita und Grundschule haben und plötzlich nicht mehr entsprechend der vertraglich geregelten Arbeitszeit einsetzbar sind, weil sie das Homeschooling ihrer Kinder begleiten oder ihre Kinder zwei Stunden eher aus der Kita abholen müssen, da die Betreuungszeit im eingeschränkten Pandemiebetrieb um zehn Stunden in der Woche gekürzt wurde.
Wie bewerten Sie die derzeitige Situation für die Mitarbeiterinnen in den Sentiris-Einrichtungen?
Als belastend und anstrengend. Neben der herausfordernden Situation in den Einrichtungen, dem Einhalten von Regeln, Planung von Diensten – seit August ist mindestens ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin in Quarantäne – haben die Beschäftigten zum Teil auch Familie und sind von der Aussetzung des Präsenzunterrichtes und der Stundenkürzung in den Kitas unmittelbar betroffen und müssen die Betreuung und das Homeschooling der eigenen Kinder sicherstellen und organisieren. Das ist eine große Herausforderung und eine echte Belastung. Deswegen gilt für uns: family first!
Wie können Sie als Arbeitgeber helfen?
Alle Mitarbeiter, deren Kinder in Kita oder Schule sind und die gegebenenfalls ein Betreuungsproblem haben, bekommen unkompliziert und unbürokratisch frei beziehungsweise die Möglichkeit, ins Homeoffice zu gehen. Das sorgt natürlich für eine Mehrbelastung bei den anderen Mitarbeitern, aber hier erleben wir eine große Solidarität und große Unterstützung innerhalb unserer Teams.
Unsere Mitarbeiter in der Verwaltung oder der offenen Kinder- und Jugendarbeit unterstützen die Kolleginnen nach besten Kräften. Alle mehr als 30 Sentiris-Mitarbeiter befinden sich in einem engen Austausch, der auch Ermutigung und moralische Unterstützung zum Inhalt hat.

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