Digitaler Unterricht

Zwischenbilanz der Schulen: „Wir schaffen das“

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ist nun erneut Homeschooling angesagt.
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Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ist nun erneut Homeschooling angesagt.

Eine Woche Distanzunterricht ist geschafft. Wie hat der erste Aufschlag an den Schulen geklappt? Wir haben dazu mit den Halveraner Schulen gesprochen. Und die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Und Technik ist nicht das einzige Problem, das die Schulleiter sehen.

Halver - Die Stühle stehen auf den Tisch, die Klassenräume sind weitestgehend leer. Eine Woche Distanzunterricht im Lockdown ist vorbei. Nutzen müssen die Halveraner Schüler noch ihre eigenen Endgeräte. Die Tablets, die die Stadt für die Schulen bestellt hat, wurden noch nicht geliefert. Wie hat es geklappt? Wir haben bei den Schulen nachgefragt.

Entgegen der Erwartungen und Befürchtungen klappt der Distanzunterricht an der Lindenhofschule gut. Schulleiterin Monika Lauterbach sagt: „Eigentlich klappt es sogar sehr gut.“ Die Grundschule nutzt für den digitalen Unterricht die Plattform Teams von Microsoft. Mehrmals am Tag finden sich die Klassen in Videokonferenzen zusammen. Bei den jüngeren Schülern sitzen auch schon mal die Eltern im Hintergrund, weil sie helfen mussten, sagt Lauterbach. Aber die Schüler lernen schnell und haben wenig Berührungsängste. Gefordert sind aber auch die Eltern. „Sie müssen unterstützen“, sagt Lauterbach. Kontakt zum Lehrer können die Schüler jederzeit aufnehmen. Wenn es nicht per Videoschalte sein soll, geht es auch telefonisch. Die Schule hat zu jedem Schüler Kontakt. Bei Kindern, bei denen befürchtet wurde, den Kontakt nicht aufrecht erhalten zu können, wurde eingerichtet, dass sie in die Schule kommen. Unterstützt hat dabei die Sozialarbeiterin der Stadt, Elvira Wiegand. Insgesamt sind es 22 Schüler, die entweder aufgrund der Notbetreuung, fehlender Infrastruktur oder des familiären Umfelds in der Schule sind. Auch sie nehmen aber von der Schule aus am digitalen Unterricht statt. Die Lehrer unterrichten von Zuhause aus.

Eigentlich klappt es sogar sehr gut.

Monika Lauterbach, Leiterin Lindenhofschule

Nicht ganz so gut läuft es an den beiden Standorten der Regenbogenschule. „Die Kollegen gehen auf dem Zahnfleisch“, sagt Schulleiterin Petra Schreiber. Neben dem digitalen Unterricht versuchen die Lehrer, den Kontakt zu den Schülern herzustellen und zu halten. Das erweist sich als schwierig, sagt Schreiber. Endgeräte hätten die meisten Schüler nicht. Kommuniziert wird über alle möglichen Wege – und manchmal auch gar nicht. So gibt es Schüler, die selbst Telefonate verweigern und dafür von den Eltern Rückendeckung bekommen. Zum ohnehin hohen zeitlichen Aufwand kommen für die Lehrer auch noch Hausbesuche hinzu, wenn Kinder nicht erreichbar sind. 25 Kinder sind täglich in der Betreuung. Auf die kommenden Wochen blickt Petra Schreiber bedrückt. Sie hofft, dass bald die Tablets ankommen.

Die Plattform der Wahl der Humboldtschule heißt „itslearning“, zu deutsch also: „es ist Lernen“. Vorbereitet war alles für den digitalen Unterricht – dann kam der Lockdown, und noch kein Schüler hatte einen Zugang. Die Zugangsdaten wurden den Schüler per Post zugesendet, ein Tutorial gab es auf der Homepage der Schule. Am Dienstag gab es dazu die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten in die Schule zu kommen. Seit Mittwoch, sagt Schulleiter Reiner Klausing, sind alle Schüler im digitalen Unterricht angekommen und der Stundenplan läuft digital ab. 40 Schüler nehmen von der Schule aus am Distanzunterricht teil. Auch sie haben zuhause nicht die nötige Infrastruktur. Startschwierigkeiten gab es, allerdings weniger als gedacht, sagt Klausing.

Die Schüler kämen gut mit dem digitalen Angebot zurecht und auch für die Lehrer, die anfangs zweifelten, liefe es besser als erwartet. Aber „es ist eine völlig andere Arbeitsweise“, daran bestehe kein Zweifel. Und spätestens seit dieser Woche ist klar: „Es gibt kein Papier mehr, wir sind vollständig digital.“ Nichtsdestotrotz ist die Schule auf einem guten Weg, ist Klausing sicher. „Aber wir sind noch lange nicht angekommen.“ 100 Prozent der Schülerschaft nehme dennoch nicht am Unterricht teil. Es gebe Einzelfälle, die nicht erreichbar seien. Welche Schüler genau, werde jetzt geprüft. Einfach hinnehmen will die Schulleitung das nicht. Eltern werden kontaktiert und auch Hausbesuche werde es im Falle eines Falles geben. Unterstützung kommt dabei von der Mitte Dezember neu eingestellten Schulsozialarbeiterin. „Es sind keine Ferien mehr“, sagt der Schulleiter, „und das machen wir klar.“

Die Kollegen gehen auf dem Zahnfleisch.

Petra Schreiber, Leiterin Regenbogenschule

Am Anne-Frank-Gymnasium läuft laut Schulleiter Paul Meurer alles reibungslos. In der Schule sind insgesamt drei Schüler in der Notbetreuung, alle anderen sind im Homeschooling. Das Gefühl der Woche sei Demut, sagt Meurer – weil alles so gut funktioniert und vor allem, weil auch inklusive Kinder zuhause digital unterrichtet werden können. Dafür wurden extra Endgeräte für die Schüler angeschafft. Nein, an der Technik werde es nicht scheitern, ist sich Paul Meurer sicher. Zudem sei Jörn Müller, der IT-Mitarbeiter der Stadt, ein „Sechser im Lotto“, der immer helfe, wenn es nötig ist. Probleme sieht der Schulleiter in der Motivation. Jetzt sei es die Aufgabe der Lehrer, die Schüler weiterhin zu motivieren. Häufig werde daher auch das Gespräch mit den Schülern gesucht. Noch zwei Wochen stehen den Schülern in jedem Falle bevor. Aber mit Blick auf die dynamischen Veränderung, wird es wohl noch länger dauern. Der Appell an die Schüler ist: „Wir schaffen das.“

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