Ein erster Überblick

Corona in Halver: Neue Lockdown-Regeln betreffen jeden

Corona, Einzelhandel, Lockdown
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Die Halveraner Supermärkte sind vorbereitet auf einen großen Andrang. Kommt es zu Hamsterkäufen, soll die Abgabe bestimmter Artikel – wie schon im Frühjahr – reduziert werden.

Der kommende Lockdown berührt die Lebenswirklichkeit eines jeden. Schulen und Kitas, Geschäfte und Verwaltungen kommen unter Druck. Wir haben in Halver nachgefragt.

Halver - „Unsere Landesregierung ist ein Witz.“ Klare Worte findet Kristian Hamm, Geschäftsführer der Sentiris gGmbH und Träger der Kita Wunderland in Oberbrügge sowie der Großtagespflege Kindervilla an der Mittelstraße. Ab Montag bis 10. Januar sollen Kinder nur noch in die Einrichtungen kommen, wenn es absolut notwendig ist. Ansonsten sollten Kinder zu Hause bleiben.

Diese Information gab es am Freitagmittag durch eine Pressekonferenz des NRW-Familienministers Joachim Stamp (FDP). Die Kitas in Halver wussten am Freitagnachmittag nichts davon. Für Kristian Hamm nichts Neues: „Seit einem Dreivierteljahr bekommen wir solche Informationen Freitagnachmittag.“ Klar ist für Hamm, dass man reagieren werde. Zunächst werden jetzt alle Erzieher der Einrichtungen kontaktiert und gefragt, ob sie aufgrund eigener Kinder, die sie zuhause betreuen müssen, überhaupt noch arbeiten kommen können.

Hamm vermutet, dass Personal fehlen wird. „Ich freue mich über jeden, der kommt.“ Es wird versucht, eine Mindestbetreuung zu gewährleisten. „Das ist ein Tritt ins Gesicht für alle Erzieher, Lehrer und Eltern“, sagt Hamm. Der Schwarze Peter liege bei den Kitas. Sie müssen am Ende entscheiden, welche Kinder kommen dürfen und welche nicht, wenn das Personal nur Notgruppen hergibt. „Ich bin sauer“, sagt Hamm und kann die kurzfristige Entscheidung nicht verstehen. In der Mitteilung des Ministeriums steht dazu: „Die Corona-Pandemie hat eine Dynamik, die uns in diesem Jahr immer wieder zwingt, auch kurzfristig zu handeln.“ Während Kitas geöffnet bleiben, wenn auch mit dem Appell, sie nicht zu nutzen, endet die Präsenzpflicht in Schulen ab Montag.

Schüler und Eltern bereits informiert

Konzentrierte Gelassenheit herrschte am Freitagmittag nach den Ankündigungen der Landesregierung am Anne-Frank-Gymnasium (AFG). „Wir sind vorbereitet“, sagt Schulleiter Paul Meurer. Heißt: Bereits Freitag wurden alle Schüler und Eltern per E-Mail informiert, wie es ab Montag weitergeht. Die Klassen fünf bis sieben werden nach Plan unterrichtet, die Klassen 8 bis 13 aus der Distanz. „Das ist alles erprobt, ich sehe da keine Probleme“, sagt Meurer, der die getroffenen Maßnahmen mit Blick auf die Schulen aufgrund der vielerorts hohen Inzidenzzahlen nachvollziehen kann.

Der Rewe-Supermarkt an der Von-Vincke-Straße ist vorbereitet, wie Marktleiter Olaf Böhl am Freitag auf Anfrage sagte. „Wir ziehen uns warm an“, rechnet Böhl für diesen Samstag mit einem ganz erheblichen Andrang und hat entsprechende Maßnahmen getroffen. Es bleibt dabei, dass nur Personen mit einem Einkaufswagen den Markt betreten dürfen. So sind maximal 140 Kunden gleichzeitig im Markt. Überwacht wird das ab sofort wieder von einem „Doorman“. Böhl und sein Team werden zudem genauestens beobachten, ob zum Beispiel Toilettenpapier über Gebühr gehortet wird, greifen bei Bedarf – wie schon im Frühjahr – ein und würden die Abgabe begrenzen. „Dann gibt es wieder lustige Schilder, wo draufsteht, dass Corona keine Durchfallerkrankung ist“, kündigt der erfahrene Kaufmann mit einem Augenzwinkern an.

„Bisher haben wir nur eine Rede“, umreißt Bürgermeister Michael Brosch das erneute Dilemma, vor dem die Verwaltung mit der Änderung und in diesem Fall der drastischen Verschärfung der Corona-Regelungen steht. „Wir warten auf etwas Offizielles und werden das Vorgehen in Halver heute beziehungsweise am Sonntag in einer Videokonferenz im Verwaltungsvorstand besprechen.“

Überraschend komme die Entwicklung aus seiner Sicht nicht. Mit den Maßnahmen in Baden-Württemberg und in weiteren Bundesländern wie Bayern und Sachsen habe sich abgezeichnet, dass auch in NRW etwas passieren werde. Völlig unvorbereitet treffe die Entwicklung die Stadt Halver auch insofern nicht, weil sie in den letzten Sitzungen der Corona-Arbeitsgruppe Thema gewesen sei. Das Ordnungsamt werde sich präsenter zeigen, und zwar bereits ab Samstag, um auf Hygiene- und Abstandsregelungen zu achten, falls es zu einem Ansturm auf die Geschäfte kommt.

Ein weiteres Augenmerk gelte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, wenn Eltern in dieser Hinsicht in Probleme gerieten. Dazu gehöre, auch den Offenen Ganztagsbetrieb im Rahmen der Möglichkeiten aufrechtzuerhalten. Für die Ratssitzung am Montag hoffe er, sie in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren, um unnötige Risiken zu vermeiden.

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