Click&Collect

Corona in Halver: Der Einzelhandel „wird langsam sauer“

Uschi Illing von der Schmuckecke hat sich darauf eingestellt, ab Montag wieder keinen Kunden im Laden zu haben. Stattdessen können die Halveraner im Schaufenster oder online bummeln und die Wünsche an die Schmuckverkäuferin weitergeben.
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Uschi Illing von der Schmuckecke hat sich darauf eingestellt, ab Montag wieder keinen Kunden im Laden zu haben. Stattdessen können die Halveraner im Schaufenster oder online bummeln und die Wünsche an die Schmuckverkäuferin weitergeben.

Die kleinen Geschäfte sind es, die unter dem Lockdown besonders leiden. Ab Montag gilt für sie wieder nur „click&collect“. Und so langsam fehlt ihnen jedes Verständnis.

NRW geht zurück in den harten Lockdown. Das hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Dienstag angekündigt. Die bisherigen Lockerungen werden zurückgenommen. Laut Laschet kann ab dem 29. März nicht länger mit zuvor gebuchten Terminen frei in Geschäften eingekauft werden („Click & Meet“), sondern wieder nur bestellt und die Ware dann im Laden abgeholt werden („Click & Collect“). „Das ist besonders bitter für den Einzelhandel und wir wissen, was wir vielen kleinen Geschäften damit zumuten“, so Laschet.

Darunter leiden vor allem die kleinen Geschäfte in den Städten. Solche wie Lene Fashion, Nicolay Schuhe, Dive2dream oder die Schmuckecke in Halver. Bei vielen war die Freude am Montagmorgen groß als das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster die Corona-Beschränkungen im Einzelhandel teilweise gekippt hat. Ab sofort entfielen Kundenbegrenzung pro Quadratmeter sowie die bislang erforderliche Terminbuchung. Die Regelungen verstoßen gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Denn Gartencenter und Buchhandlungen brauchten diese Regeln nicht.

Diese Woche freuen sich die Händler über jeden Kunden für „click&meet“

In der Halveraner Innenstadt gingen die Einzelhändler zu ihren Nachbarn und verkündeten die frohe Botschaft, wie Hubert Nicolay vom Schuhladen Nicolay erzählt. Doch die Freude hielt nicht lange an. Nur ganze drei Stunden. Dann wurde die Lücke im Gesetz vom Land geschlossen und entschieden: Es schließen alle und nur noch Terminvereinbarungen sind möglich. Aus dem „Click & Meet“ wird ab Montag für alle wieder nur ein „Click & Collect“.

„Da muss man schon zwei-, dreimal lesen“, sagt Hubert Nicolay. Noch können Kunden zu ihm rein, ab Montag stehen die Schuhe wieder vor der Tür und können zu Hause anprobiert werden. Und auch bei Lene Fashion kann man in dieser Woche noch bummeln und ab Montag den Online-Shop nutzen. „Wer Lust hat, ist in dieser Woche besonders willkommen“, sagt Inhaberin Alisa Kannapin. Es mache einen Unterscheid, ob Kunden nur online schauen oder direkt im Laden die passende Hose zum Oberteil durch Zufall finden. Und ohnehin legten ihre Kunden viel Wert auf die Beratung. „Online wollen viele nicht.“ Doch ab Montag ist es wieder alles, was bleibt. „Man kann nur hoffen, dass die Kunden an einen denken“, sagt Alisa Kannapin „Wir sind alle abhängig von ihnen.“

Schuhe to go gibt es bei Hubert Nicolay. Bis Samstag kann man noch rein, ab Montag gibt es die Schuhe wieder an der Eingangstür zum Mitnehmen.

Über viele treue Kunden freuen sich die Einzelhändler der Stadt. „Da kommen mir die Tränen“, erzählt Uschi Illing von der Schmuckecke. Manchmal rufen Kunden an, die online etwas gesehen haben, und fragen nach etwas Ähnlichem, weil sie die Halveranerin unterstützen möchten. Aber das ist alles nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Hubertus Nicolay. „Es ist einfach ein Drama“, ist auch Illing ehrlich. Gerade ihr Schmuck falle eher unter die „Luxusgüter, für die momentan keiner Geld ausgeben kann und will“, sagt sie – aufgrund von Kurzarbeit in den Firmen. „Geschenke braucht momentan auch keiner.“ Und sogar die Corona-Hilfe, die die Schmuckverkäuferin im ersten Lockdown erhielt, muss sie jetzt zurückzahlen. Um Kontakt zu halten bietet sie nach wie vor einen Reparaturservice an oder wechselt Batterien von Uhren. Aber wenn ihr Mann nicht noch ein Einkommen hätte, hätte sie schon lange den Laden schließen müssen. „Man hangelt sich von Rechnung zu Rechnung.“

Auch bei Dive2dream, dem Fachhandel für Tauchausrüstung, bringt ein Online-Geschäft wenig. „In Fachmärkten wie meinem ist Beratung wichtig“, sagt Frank Bünger. Glück hätten da solche Märkte, die noch Dinge des täglichen Bedarfs anbieten, obwohl sie hauptsächlich auch Non-Food-Artikel verkaufen. Noch mehr kritisiert er den Boom des Online-Handels. „Alle mit großer Marktmacht bekommen jetzt noch mehr.“

RKI stuft das Risiko im Einzelhandel „niedrig“ ein

Mit Blick auf die Inzidenzen können die Einzelhändler so manche Verschärfung nachvollziehen. Schwer nachzuvollziehen finden sie es dennoch, dass gerade sie und die Gastronomie es sind, die darunter leiden, obwohl selbst das Robert-Koch-Institut keine Ausbruchsgeschehen verzeichnet hat. „Wo stecken die Leute sich an“, fragt Bünger. Es heißt: vor allem im privaten Bereich, 70 Prozent. „Man wird langsam sauer“, sagt Bünger und kritisiert auch das Verlangen vieler Bürger nach Urlaub. „Ich habe noch keinen Gedanken an Urlaub verschwendet – haben die Menschen wirklich keine anderen Probleme?“

Die momentane Situation macht die ohnehin schwere Situation der Einzelhändler nicht besser. Bei einigen laufen das „Click & Meet“ und auch „Click & Collect“ gut. Zum Beispiel im Kö-Shop, wie Inhaberin Silke Berges sagt. Dass sie durch das Urteil einen Schritt zurück gehen muss in ihrem Buchladen, stört sie nicht.

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