Pandemie beeinflusst Arbeit der Wehr

Corona: Der Nachwuchs der Feuerwehr kommt zu kurz

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Einsätze finden statt: Die Hilfsbereitschaft der Feuerwehr ist durch Corona nicht anders oder eingeschränkt.

Die Corona-Pandemie beeinflusst die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Halver in verschiedenen Bereichen. Einer davon ist der Nachwuchs. Der kommt zu kurz.

Halver – „Ich drücke zweimal auf die 1 und einmal auf die 2.“ Der kleine Cedric weiß genau, welche drei Zahlen er im Notfall im Telefon eingeben muss. Das wurde ihm und den anderen Kindergartenkindern von einem echten Feuerwehrmann beigebracht. Doch das ist schon lange her. „Seit Beginn von Corona machen wir keine Brandschutzerziehung mehr“, sagt Björn Clever, Fachbereichsleiter der Brandschutzerziehung bei Freiwilligen Feuerwehr Halver.

„Die Kinder kamen sonst immer zu uns, und wir haben ihnen in rund drei Stunden beigebracht, wie sie sich im Brandfall verhalten sollten, wie sie die Feuerwehr anrufen oder sich und ihre Mitmenschen in Sicherheit bringen können.“ Im praktischen Teil wurde es dann noch einmal richtig spannend, wenn sie selbst zum Schlauch greifen durften, um ein fiktives Feuer zu löschen oder einmal in eines der großen roten Autos klettern durften. „Jeder Kindergarten hat einmal im Jahr mit den Vorschulkindern bei uns eine Brandschutzerziehung gemacht“, erklärt er.

Wir hatten sonst immer persönlichen Kontakt zu den Kindern und auch zu deren Eltern. Das fehlt jetzt natürlich.

Björn Clever, Fachbereichsleiter der Brandschutzerziehung bei Freiwilligen Feuerwehr Halver

Das ist jetzt nicht mehr möglich, und „das ist für uns natürlich traurig“, gesteht Björn Clever. „Wir hatten sonst immer persönlichen Kontakt zu den Kindern und auch zu deren Eltern. Das fehlt jetzt natürlich.“ Das Thema sei aber zu wichtig, um es zu vernachlässigen, weshalb er hofft, dass es auch von Eltern und Erziehern aufgegriffen wird. „Zumindest das richtige Absetzen eines Notrufs sollten die Kinder können.“

Bisher ist noch keine Brandschutzerziehung für dieses Jahr geplant. „Wenn sich die Situation ändern sollte, würden wir auch noch Termine mit den Kindergärten machen. Allerdings sehe ich das zu 99,9 Prozent nicht soweit kommen“, blickt er bedauernd in die Zukunft.

Online-Dienste für die Jugendlichen

Als stellvertretender Leiter der Halveraner Jugendfeuerwehr kann Björn Clever auch bei der Nachwuchsarbeit nur mit angezogener Bremse aktiv sein. „Es gibt nur alle zwei Wochen Online-Dienste“, weist er auf die aktuellen Einschränkungen hin. Das wirke sich auch auf das Interesse der Jugendlichen aus, die zur Feuerwehr kommen würden. „Der Reiz ist natürlich dabei nicht so groß.“ Sonst würde man jede Woche praktische Dinge lernen und auch rausfahren. „Man sieht dann auch ein Feuerwehrauto, man arbeitet damit und auch mit der Gemeinschaft, was jetzt ja nicht möglich ist.“

Der Dienst beschränke sich derzeit auf das Einloggen in einem Onlinemeeting-Portal. „Da versuchen wir, die Jugendlichen bei der Stange zu halten und ihnen das zu vermitteln, was wir vermitteln müssen, oder auch Sachen zu erklären, die sonst schlecht im normalen Dienstbetrieb unterzubringen sind.“

PC ist für Jugend Alltag

Der Nachwuchs trägt es mit Fassung, immerhin seien die Jugendlichen es schon aus der Schule gewohnt, vor dem PC am Unterricht teilzunehmen. „Sie vermissen aber die Präsenzdienste, genauso wie wir als Jugendfeuerwehr-Leitung.“ Generell kommt der Nachwuchs durch die Corona-Maßnahmen zu kurz. Nicht nur bei der Jugendfeuerwehr. „Es ist schwierig, weil wir uns nicht mehr in Gruppen treffen können“, erklärt Feuerwehr-Pressesprecher Michael Keil. „Die Ausbildung ist auf ein Mindestmaß zurückgefahren.“ Man müsse auch an den Gerätschaften praktische Erfahrungen sammeln, was aber nicht möglich sei. „Das gilt vornehmlich für die Kollegen, die noch nicht so lange dabei sind. Bei allen, die schon zwei drei Jahre Erfahrung haben, macht das nicht so viel aus.“ Die wichtigen Grund- oder Atemschutzlehrgänge liegen derzeit auf Eis.

Nachwuchssorgen haben die Wehrleute in Halver trotzdem nicht. „Wir stellen immer wieder fest, dass unsere Feuerwehr immer noch eine große Anziehungskraft hat und sich auch viele Bürger engagieren möchten.“ In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Wehrmänner deutlich zugelegt: „Alleine der Löschzug Stadtmitte ist von 45 Mitglieder auf mittlerweile über 80 angewachsen.“

Die Vermittlung unentbehrlichen Wissens beschränkt sich auch bei den Erwachsenden auf Onlinemeetings. Ein Tutor steht für die Beantwortung aller Fragen zur Verfügung, und „bei Einsätzen können sie sich an einer erfahrenen Einsatzkraft orientieren“. Auch wenn es mal in Halver brennen sollte, werden die Einsatzkräfte in Gruppen eingeteilt, damit nicht alle Wehrleute gleichzeitig im Gerätehaus auftauchen. „Bei kleineren Einsätzen alarmieren wir nur eine entsprechend kleine Gruppe“, sagt Michael Keil. Bei großen Einsätzen müssen jedoch mitunter alle Kräfte eingebunden werden. „Zur Menschenrettung oder Brandbekämpfung wird darauf geachtet, dass man bestmöglich geschützt zum Einsatz fährt. Wenn es aber um die Wurst geht, muss man im Ausnahmefall auch mal eng zusammen tätig werden. Das geht nicht anders“, stellt er klar, dass niemand Bedenken über eine eingeschränkte Hilfsbereitschaft der Wehrleute haben muss.

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