Bestattungen im Lockdown

Das Virus immer im Hinterkopf: Regelmäßige Konfrontation für Bestatter

Friemann Bestattungen Halver Corona
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In Halver finden noch relativ viele Erdbestattungen statt. Allerdings hat die Zahl der Feuerbestattungen auch zugenommen.

Die Pandemie mit allen damit verbundenen Einschränkungen, Verboten und Hygienevorschriften stellt Bestatter vor besondere Herausforderungen und macht Beerdigungen für Angehörige, die sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden, doppelt schwer.

Halver – „Mittlerweile fragen wir bei jedem Sterbefall, woran der Angehörige verstorben ist“, berichten Stefanie Kemper-Kößendrup und Birgit Wohlgemuth vom Bestattungsinstitut Friemann an der Von-Vincke-Straße über ihre Erfahrungen der vergangenen Monate.

Corona ist immer im Hinterkopf, wenn ein Todesfall gemeldet wird. Mehrfach sind die beiden Bestatterinnen seit Ausbruch der Pandemie bereits mit dem Virus konfrontiert worden. „Wir sind sehr vorsichtig. Wir haben ja auch eine Verpflichtung, unsere Mitarbeiter schützen.“ Besondere Schutzkleidung ist nötig, wenn ein Verstorbener, der seinen oft einsamen Kampf gegen das Virus verloren hat, abgeholt werden muss – bei Friemann bislang stets aus dem Krankenhaus.

Hausbesuche finden derzeit nicht statt

Vorsichtshalber vermeiden die beiden Bestatterinnen, die das Halveraner Bestattungsinstitut 2016 übernommen haben, derzeit Hausbesuche. Die Trauergespräche in den eigenen Räumlichkeiten sind auf drei Angehörige beschränkt – nicht zuletzt aufgrund der Größe der Räume und der zulässigen Anzahl an Personen. Auch Trauergespräche am Telefon haben die beiden Bestatterinnen bereits geführt.

In Halver finden noch relativ viele Erdbestattungen statt. Allerdings hat die Zahl der Feuerbestattungen auch zugenommen.

Die Trauergespräche selbst empfinden Stefanie Kemper-Kößendrup und Birgit Wohlgemuth als „viel schwieriger, wenn jemand an Covid-19 verstorben ist“. Corona-Patienten würden oft einsam sterben und das belaste die Angehörigen, die sich oftmals nicht von ihren engsten Familienmitgliedern verabschieden konnten, zusätzlich. „Das Gefühl von Isolation ist da.“ Die Frustration sei hoch. „Wir sind oft der erste Ansprechpartner vor dem Seelsorger.“ Das psychologische Element spiele eine große Rolle.

Bürokratie erschwert Arbeit

Schwierig in Coronazeiten macht die Arbeit der Bestatter zudem die Bürokratie. Jedes Standesamt habe zur Sterbebeurkundung eigene Regeln. Bei einigen laufe alles völlig kontaktlos ab, bei anderen müssten die Unterlagen auf postalischem Weg, bei wieder anderen persönlich eingereicht werden. Ebenso unterschiedlich seien die Vorgaben der unterschiedlichen Friedhofsträger. Einige würden Desinfektionsmittel und Coronalisten, in die sich die Teilnehmer eintragen müssen, bereithalten, andere wiederum nicht. „Man muss für alle Fälle gerüstet sein“, sagen Stefanie Kemper-Kößendrup und Birgit Wohlgemuth, denen bei allen Erschwernissen eine persönliche Begleitung der Verstorben und Angehörigen sehr am Herzen liegt. „Das verlangt ein sehr akribisches Arbeiten.“

Nach wie vor ist bei Beerdigungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Zahl der Trauergäste begrenzt. „In der evangelischen Friedhofskapelle Halver sind 30 Personen erlaubt“, erzählen die beiden Bestatterinnen. Auf dem katholischen Friedhof in Halver seien indes nur 25 Personen zulässig. In anderen Städten und Gemeinden, wo Friemann Beerdigungen ausrichtet, könne die Zahl variieren. „Eine tagesaktuelle Abfrage ist nötig. Das macht die Arbeit gleichfalls aufwendiger.“

Beerdigungen streamen, wie es andernorts bereits geschieht, mussten die beiden Bestatterinnen bislang noch nicht. „Livestreams waren bislang noch nicht gefragt, deswegen haben wir uns auch das technische Equipment nicht zugelegt.“ Stelle sich die Frage, „würden wir das Streaming fremd vergeben“.

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