Außengastronomie in Halver

Corona in der Luft: Retten Heizpilze Restaurantbesuche im Herbst und Winter?

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Infrarotstrahler im Litfass waren bereits am Donnerstagabend in Betrieb. War es am Tage noch warm, fielen die Temperaturen in den Abendstunden.

Nach den angesagten Hochsommer-Temperaturen wird es bald auch wieder kühler. Dann verlagert sich auch der Restaurantbetrieb wieder nach innen. Gastronomen machen sich darüber Gedanken.

Halver – In der Nachbarstadt Lüdenscheid sind Heizpilze verboten. Corona-bedingt wurde entschieden, sie bis Ende April 2021 wieder zu erlauben, um den Gastronomen mehr Möglichkeiten zu bieten, wenn sie im Innenraum aufgrund der Abstandspflicht weniger Gäste bewirten könne.

In Halver sind Heizpilze nicht verboten – in der Theorie. In der Praxis sieht es anders aus. Die Gastronomen in Halver nutzen die Heizpilze nämlich dennoch nicht. Sie setzen größtenteils auf Alternativen, um es den Gästen in der bevorstehenden kalten Jahreszeit draußen gemütlich zu machen. Sie glauben aber auch, dass im Winter keiner draußen sitzen möchte. Den Corona-Sommer haben die Außenterrassen gerettet. In den Winter blickt man unsicher.

Infrarotstrahler im Litfass

So etwa im Litfass an der Schulstraße. Inhaber Marc Haarmann hat keine Heizpilze und setzt stattdessen auf Infrarotstrahler. Die seien nicht nur effizienter, sondern auch klimafreundlicher. Im Gegensatz zu anderen Heizungen funktionieren Infrarotstrahler überwiegend über die Erwärmung der angestrahlten Fläche, nicht durch Erwärmung der Luft am Heizkörper, wie es bei Heizpilzen der Fall ist. Bei Heizpilzen wird ein Großteil der Wärme in die Luft abgegeben.

Decken hängen bereits am Stuhl im Litfass. Für Gäste, denen draußen trotzdem kalt ist, hängen über den Fenstern Infrarotstrahler, die gezielt Wärme abgeben. Für den Übergang und kühle Abendstunden eine gute Lösung, aber keine Rettung für Herbst und Winter, sagt Inhaber Marc Haarmann. Heizpilze, Außengastronomie, Halver

Aber auch die mit Strom betriebenen Heizstrahler werden nur angemacht, wenn es wirklich nötig ist, sagt Haarmann. Etwa dann, wenn die Temperaturen gegen Abend fallen. Für diese Fälle gibt es im Litfass aber auch Decken für die Besucher. Die Außengastronomie habe im Sommer viel geholfen – dass sie aber im Winter auch helfen wird, bezweifelt der Inhaber. Zwar könnten mehr Gäste bewirtet werden, wenn auch noch draußen gesessen werden kann, aber die externe Wärme sei höchstens eine Übergangslösung für den Herbst, nicht für den Wintern. Bei weniger als zehn Grad Außentemperatur wird niemand draußen sitzen wollen. Abgesehen davon, sei es weder kostendeckend noch klimafreundlich, den Infrarotheizstrahler durchgehend in Betrieb zu haben. Mit Blick in die kommenden Monate sagt Marc Haarmann klar: „Es wird schwierig.“

Ausstehende Entscheidung bei Hewa

Wie genau sich die kalte Jahreszeit auf die Gastronomie auswirken wird, traut sich auch Mahesh Hewakandamby nicht zu spekulieren. Die Winter-Gastro-Kultur in Halver kenne er noch nicht. Aus anderen Städten wie Nürnberg wisse er, dass auch auf der Außenterrasse Gäste sitzen. „Meistens mit dicken Wolldecken“, erinnert sich Hewakandamby. Die will er wegen Corona jedoch lieber nicht nutzen. Das Risiko sei ihm zu unübersichtlich.

Momentan setzt er sich mit dem Thema externe Wärme auseinander. Heizpilze seien zwar in der Anschaffung wesentlich günstiger als Infrarotstrahler, aber der Besitzer des Elephants und der Hewa Tea Lounge ist ein Umweltfreund, wie er sagt. Dass die mit Gas betriebenen Geräte wenig bringen, die Umwelt dafür stark belasten, sei ihm bewusst. Auch wenn andere Dinge bestimmt schädlicher seien, „Kleinvieh macht auch Mist“, sagt er.

Noch sei keine Entscheidung an der Frankfurter Straße gefallen. Denn Heizpilze gibt es ab 150 Euro, Infrarotstrahler, von denen Hewakandamby sechs Stück bräuchte, gibt es ab 400 Euro. Fakt ist: Auch der Sommer war für die Gastro-Betriebe in Halver schwierig. In seinem neu eröffneten Restaurant The Elephants ist innen eigentlich Platz für 60 Gäste – Corona-bedingt passen jetzt noch 27 Personen in den Pub. Man müsse daher über Alternativen nachdenken, damit die Gastronomien in Halver überleben können, sagt er. Ob die Außenterrasse im Winter die Betriebe rettet, kann er nicht abschätzen. Er bereitet zumindest eine gemütliche Atmosphäre draußen vor.

Heizpilze im Kulturbahnhof

In der Brasserie Kulturbahnhof ist Stefan Knaf mit dem Sommer den Umständen entsprechend zufrieden. Im Biergarten haben 85 Leute Platz, bei gutem Wetter war auch viel los. Reservierungen hat er je nach Wetterlage nur so viele angenommen, wie er im Falle eines Regenschauers auch im Innenraum unterbringen könnte – nämlich 65. War das Wetter schön, hat alles gut funktioniert, sagt er. Wie es sich ändert, wenn das Wetter jetzt kühler oder auch mal nass wird, kann er nicht einschätzen.

Heizpilze hat er schon lange, sagt er. „Aber ich habe sie noch nie benutzt.“ Vielleicht wird es bald eine Premiere. Bisher habe nie jemand danach gefragt. „Wurde es kalt, sind die Gäste reingegangen.“

Experte warnt vor Aerosolgefahr

Wenn die Gäste innen sitzen, ist der Abstand das eine. Das andere ist die Aerosolgefahr. Konnten im Sommer noch Türen und Fenster geöffnet bleiben, um einen Luftaustausch zu erzeugen, könnte es im Winter ungemütlich werden. Klar ist allerdings, wenn der Anteil von CO2 im Raum steigt, sollten die Wirte die Fenster weit aufreißen. Und zwar mindestens alle 20 Minuten, für mehrere Minuten. Nur so könne belastete Luft ausreichend gegen frische ausgetauscht werden. Das sagt Martin Kriegel, Deutschlands führender Belüftungsexperte und Leiter des auf Energie- und Lüftungstechnik spezialisierten Hermann-Rietschel-Instituts an der TU Berlin, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche.

Kriegel sieht für die Gastronomen vor allem zwei Auswege, um die Aerosolgefahr zu reduzieren: Restaurants, die keine moderne Belüftungsanlage besitzen, müssen exzessiv lüften, gegebenenfalls zusätzlich Luftfilter einsetzen. Der zweite Ausweg: Gastronomen sollten Außenflächen auch im Herbst und Winter nutzen, um die Gäste zu bewirten.

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