Coronavirus

Corona-Impfung und MS: Frau aus dem MK spricht über die Problematik 

Melissa Scholz aus Halve bleibt positiv: Ob sie sich impfen lassen kann, ist noch nicht abschließend geklärt.
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Melissa Scholz aus Halver bleibt positiv: Ob sie sich impfen lassen kann, ist noch nicht abschließend geklärt.

Während sich Menschen Gedanken darüber machen, ob sie sich impfen lassen möchten oder nicht, gibt es auch Menschen, die sich Gedanken darüber machen, ob sie sich impfen lassen können – oder nicht.

Halver - Wer zum Beispiel Multiple Sklerose (MS) hat, weiß noch nicht sicher, ob eine Impfung gegen SARS-CoV-2 infrage kommt. Auch die Halveranerin Melissa Scholz weiß es nicht. Seit mehr als 20 Jahren lebt die gebürtige Amerikanerin mit der Krankheit. Seit drei Jahren ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Aber ihren Lebensmut hat sie nie verloren.

In einem Interview weit vor Corona, sagte Melissa Scholz, dass es eine Herausforderung gewesen sei, nach und nach immer mehr Sachen aufgeben zu müssen. Aber das Bittere versüße sie sich mit der Erkenntnis, dass sie das, was sie gerne mache, zur richtigen Zeit gemacht habe. Mittlerweile wisse sie, dass sich gerade durch das Aufgeben immer wieder neue Dinge auftun würden. Durch die Krankheit sei sie in vielen Dingen viel gelassener, flexibler und zuversichtlicher geworden.

Termin beim Neurologen zur Absprache

Auch jetzt bleibt sie zuversichtlich. Kommende Woche hat sie einen Termin bei ihrem behandelnden Neurologen, um sich dazu beraten zu lassen, ob sie sich impfen lassen soll oder nicht. Gegen Grippe lässt sie sich immer impfen. Das Risiko an einer Grippe zu erkranken ist bei ihrem geschwächten Immunsystem gefährlicher als die Nebenwirkungen der Impfung. Denn ja, die hat sie. „Ich fühle mich dann sehr schlapp“, sagt die Halveranerin.

Was sich für einen gesunden Menschen nicht weiter schlimm anhört, ist für sie jedoch viel einschneidender. „Ich habe ohnehin wenig Kraft im Körper“, sagt sie. Wenn Melissa Scholz dann noch Nebenwirkungen hat, ist es noch schlimmer. Aber das stört sie nicht, sagt die 55-Jährige. Sie stellt sich auf die Nebenwirkungen für die Tage nach der Impfung ein und weiß, dass es auch wieder besser wird – und sie dann geschützt ist.

Die Frage, ob sie sich gegen Corona impfen lassen will, stellt sich ihr nicht. „Ich würde, wenn ich könnte.“ Aber sie will noch etwas abwarten und sich beraten lassen. „Ich warte ab, bis ein paar Erfahrungen gesammelt wurden“, sagt sie gelassen. Mehr sorgt sie sich um ihren Mann. Er ist es, sagt sie, der raus geht, einkaufen geht und sich anstecken könnte. Und ihr Mann hat wiederum Sorge, seine Frau zu infizieren. Wenn er dürfte, würde er sich sofort impfen lassen, um dieses Risiko zu minimieren, sagt Scholz. Aber Melissa Scholz bleibt weiterhin gelassen und zuversichtlich. Was wäre, wenn ihr Arzt von einer Impfung abrät und sie sich wirklich nicht impfen lassen kann? „Darüber habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht. Es wird eine Lösung geben.“

Fragen und Antworten zum Thema Multiple Sklerose und Corona-Impfung

Was ist Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei Erkrankten richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper, wobei es zu Entzündungen im zentralen Nervensystem kommt – und die wiederum führen zu zahlreichen Symptomen, die sich von Patient zu Patient unterscheiden. Die Krankheit ist daher auch bekannt als „Krankheit der 1000 Gesichter“.
Wie verläuft die Krankheit und wie wird sie behandelt?
Multiple Sklerose verläuft in Schüben. Die Krankheit ist nicht heilbar, Medikamente und Therapien lindern aber Symptome und halten das Fortschreiten der Krankheit auf. Zum Einsatz kommen oft Medikamente, die das Immunsystem modulieren, also in der Wirkungsweise verändern. Das machen Impfstoffe grundsätzlich auch.
Wie lautet die Impfempfehlung von Experten?
Das Robert-Koch-Institut schreibt zu Impfungen bei Multipler Sklerose, dass es denkbar ist, dass Impfungen (gleich, gegen welche Krankheit) einen Schub bei Multipler Sklerose auslösen können. Aber auch: „Prinzipiell ist eine Erkrankung an Multipler Sklerose keine Kontraindikation zur Durchführung einer Impfung. Die Beobachtung, dass Infektionserkrankungen das Risiko für einen Schub erhöhen können, unterstreicht die Notwendigkeit eines umfassenden Impfschutzes.“ Ähnlich sieht das die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), die eine Impfung empfiehlt. Das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, schätzt die Gesellschaft höher ein als mögliche Risiken durch die Impfung. Theoretisch möglich sei es, dass Schübe ausgelöst werden. Mit dem behandelnden Arzt muss in jedem Falle eine Impfung abgeklärt und gegebenenfalls zeitlich an Therapien angepasst werden.
Besteht bei MS-Erkrankten ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren?
Grundsätzlich nicht, das ist zumindest nicht belegt. Erkrankte „sind grundsätzlich nicht stärker infektionsgefährdet als gleichartige gesunde Personen“, sagt die Gesellschaft für Multiple Sklerose. Höher ist allerdings das Risiko nach einer Infektion mit dem Coronavirus einen schweren Verlauf zu erleiden. Vor allem bei Erkrankten, bei denen eine starke Behinderung besteht (Notwendigkeit von Gehhilfen, Beeinträchtigung der Lungenfunktion durch mangelnde Bewegung oder Beteiligung der Atemmuskulatur, Schluck- und Sprechstörungen), weil die Belüftung der Lunge weniger gut ist.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft oder auf der Seite des Robert-Koch-Institus.

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