Corona-Partys im Stadtgebiet

Eskalation in Halver: Jugendliche sorgen für massiven Ärger

Symbolbild, Faust, Polizei, Schläge
+
Viele Vorfälle am Freitag. Ein Jugendlicher beleidigt Polizisten.

Eskalation eines Partytages: Mehrere Dutzend Jugendliche haben sich am Freitag ein Katz- und Mausspiel mit Polizei und Ordnungsamt geliefert – Beleidigungen gegen Feuerwehr und Polizei, Corona-Verstöße, Anzeigen und Gewahrsam inklusive.

Halver –„Wir tolerieren das nicht“, sagt Dennis Wichert, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Halver. „Die Grenze wurde überschritten.“ In der vergangenen Woche waren Jugendliche außer Rand und Band. Es war die Mottowoche der Abiturienten. Aber das ist nicht die Erklärung für alles, sagt Paul Meurer, Schulleiter des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG).

Bereits zu Beginn der Woche war das Ordnungsamt am AFG, um größere Schüleransammlungen aufzulösen, wie Lutz Eicker sagt. Anwohner hatten darauf hingewiesen, dass circa 20 Personen mit Alkohol rund um die Schule standen. Sie dachten, was auf dem Schulhof geht, geht auch im öffentlichen Raum. Da aber sind nur Personen aus zwei Haushalten erlaubt. „Nach einer deutlichen Ansage“ war es im Laufe der Woche ruhig, sagt Eicker.

Aber am Freitag eskalierte es – den ganzen Tag lang. Das Ordnungsamt musste die Polizei um Unterstützung bitten. Mehrfach waren die Ordnungshüter am Freitag im Einsatz. Als ein Katz- und Mauspiel bezeichnen es die Beamten. Rudelweise und zum Teil alkoholisiert waren Jugendliche im ganzen Stadtgebiet unterwegs. Die Polizei Halver holte sich Verstärkung aus anderen Wachen. „Befremdlich in diesen Zeiten“, nennt es Thomas Gehring, Leiter der Bürgerdienste. Dazu sei es ein „enormer Personalaufwand“ gewesen.

Freitagmittag beginnen die Einsätze

Es beginnt Freitagmittag, kurz vor 13 Uhr. Die Polizei und das Ordnungsamt sind bei einem Einsatz an der Helle, wo eine Gruppe von mehren Jugendlichen aufgelöst werden muss.

Nachmittags: Große Gruppe von Jugendlichen

Weiter geht es gegen 15 Uhr an der Kampstraße, wo eine Gruppe aus 50 bis 60 Jugendlichen auseinanderläuft, als der Streifenwagen anrückt. Die Jugendlichen hinterlassen ein Müllfeld und ihre Rucksäcke.

Die Beamten stellen die Taschen sicher und können so die Personalien von rund 20 Jugendlichen feststellen, um sie für weitere Maßnahmen ans Ordnungsamt weiterzugeben.

Mittelfinger für die Feuerwehr

Am späten Nachmittag, gegen 17.10 Uhr, bremsen Jugendliche auf der Von-Vincke-Straße ein Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Halver aus, um in aller Ruhe über die Straße zu gehen. Hinterm Steuer sitzt Christoph Seibert, der Einheitsführer des Löschzuges Stadtmitte. Er fährt mit dem VW Tiguan, der deutlich als Einsatzfahrzeug der Feuerwehr erkenntlich ist. Auf dem Weg zu einem Einsatz ist er nicht, sondern fährt im Rahmen des Einsatzführungsdienstes stets mit dem Fahrzeug. Im Falle eines Einsatzes können so bis zu fünf Minuten gewonnen werden, erklärt der Feuerwehrmann.

 Das war nicht gegen mich persönlich, sondern gegen alle Feuerwehrleute gerichtet.

Christoph Seibert von der Feuerwehr

Ein Jugendlicher zeige dem Fahrer mit beiden Händen die Mittelfinger und wird „massiv beschimpft“. Seibert ruft die Polizei. „Ich wollte mich nicht mit 25 Jugendlichen anlegen.“ Den jungen Mann kann er aufgrund der auffälligen Verkleidung gut identifizieren. „Wäre ich privat unterwegs gewesen, hätte ich es an mir abprallen lassen“, sagt Seibert. „Aber das war nicht gegen mich persönlich, sondern gegen alle Feuerwehrleute gerichtet.“ Das kann man nicht so stehen lassen, sagt Seibert.

Wütend ist er nicht, sagt er. „Einfach nur enttäuscht.“ Als demotivierend empfindet er den Vorfall. „Wieder einer von vielen Tropfen.“ Seine Aufgabe als Leiter ist es auch, die rund 80 Kameraden des Löschzuges zu motivieren, damit sie am Ball bleiben. Das werde immer schwieriger. Solche Aktionen machen es nicht einfacher. Dennis Wichert bestätigt, dass es im ländlichen Raum und auch in Halver immer mehr zu Respektlosigkeit kommt. Über den Lüdenscheider Verein SoKo Respekt teilen sie ihre Erfahrung und rufen zu „mehr Respekt“ auf.

Die Jugendlichen, die unter 18 Jahre alt sind, müssen von ihren Eltern abgeholt werden. Tränen fließen, wie Wichert erzählt. Aus Selbstmitleid, vermutet Christoph Seibert. „Bis jetzt hat sich niemand entschuldigt – und ich erwarte das auch nicht.“

Kein Ende in Sicht

Auch nach dieser Aktion kommt die Stadt am Freitag nicht zur Ruhe. Jugendliche bewegen sich in Richtung Lütgenheide. Polizisten finden die Jugendlichen hinter der Unterführung an der Dortmunder Straße. Auf Ansprache der Polizeibeamten versuchen sie zu fliehen, werden aber aufgehalten. Nur ein 18-Jähriger kann erst auf der Dortmunder Straße gestellt werden. Er beleidigt die Beamten als „Wichser“ und „verfickte Untermenschen“. Ihm werden Handfesseln angelegt. Der stark alkoholisierte Jugendliche versucht, sich dem Griff der Polizisten zu entwinden und stößt mit den Ellenbogen zu. Da auch er bereits mehrfach an verschiedenen Tagen wegen Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung aufgefallen war, wird er zur Verhinderung weiterer Straftaten und zur Ausnüchterung ins Polizeigewahrsam nach Lüdenscheid gebracht.

Zu den diversen Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung kommt ein Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte auf ihn zu. Zehn weitere Anzeigen werden geschrieben.

Weiter geht es am Abend. Kurz vor 20 Uhr rückt das Ordnungsamt zum Tunnel an der Einmündung Zum Hälversprung/Winkhof aus, wo eine größere Party läuft. Kurz vor 21 Uhr werden hinter dem Märkischen Werk im Tunnel feiernde Schüler angetroffen. Es gibt sechs Anzeigen.

Was am Ende des Tages bleibt

„Und so was von jungen Menschen, die gerade ihr Abitur machen – das ist einfach nur traurig“, sagt Dennis Wichert. Dass Schüler des AFG unter den Jugendlichen waren, ist bereits klar. Ob es ausschließlich AFG-Schüler waren, ist nicht bestätigt. Schulleiter Paul Meurer weist daher den Begriff „AFG-Party“ zurück. Von den mehr als 100 Abiturienten sei es, wenn überhaupt, nur ein kleiner Prozentsatz gewesen, der auffällig war. Dass dafür jetzt alle Abiturienten büßen, sei nicht gerecht. „Die Mottowoche verlief ruhig“, sagt Meurer. Er sei einer der wenigen Schulleiter gewesen, die die Mottowoche nicht komplett abgesagt haben. Erlaubt waren Verkleidungen – mit Maske.

Während der Schulzeit verlief alles friedlich, sagt Meurer. „Man muss differenzieren“, appelliert der Schulleiter. „Was am Nachmittag im öffentlichen Raum geschehen ist, war losgelöst von der Mottowoche.“ Sowohl die Schüler vom AFG und auch die Jugendlichen, die nicht an der Schule sind, gehören für ihr Verhalten bestraft, das sei keine Frage. „Sie müssen die Härte des Gesetzes spüren – und die Eltern müssen das mitertragen“, sagt Meurer, und ergänzt: „Eltern haften für ihre Kinder.“ Für dieses Verhalten, was sich nach der Schulzeit und weit ab vom Schulgelände ereignet, sei nicht die Schule in der Pflicht. Und die übrigen „95 Prozent der Abiturienten“ auch nicht. Dennis Wichert und Christoph Seibert gehen von Einzelfällen und „vielen Mitläufern“ aus.

Nicht nur in Halver gab es am Wochenende Einsätze. Auch in anderen Kommunen im MK hatte die Polizei zu tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare