Corona in Halver

Beunruhigende Infektionszahlen im MK: „Viele suchen nach einem Schuldigen“

Corona Reihentest Halver
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Reihentest am Dienstag: Gesundheitsamt testet Mitarbeiter von Escha.

Der Märkische Kreis liegt mit einer Inzidenz von 120,4 an erster Stelle in Nordrhein-Westfalen. „Das macht mich traurig und nervös“, sagt Bürgermeister Michael Brosch, der auch die Zahlen für Halver im Blick hat.

Halver – Wie der Märkische Kreis mitteilt, ist die hohe Inzidenz „besonders in lokalen Ereignissen begründet“. Dazu zählt auch das Ausbruchsgeschehen bei der Firma Escha.

72 Personen sind derzeit in Halver mit dem Coronavirus infiziert. Das ergibt eine stadteigene Inzidenz von 367. Am Donnerstag gab es einen Anstieg von 20 Infizierten, am Freitag folgten weitere 15 – neben elf Gesundeten, meldete das Gesundheitsamt auch einen weiteren Todesfall. Die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen erhöht sich in Halver somit auf fünf.

Der Bürgermeister ist beunruhigt

Die Zahlen beunruhigen viele Halveraner, wie Bürgermeister Michael Brosch im Gespräch sagt. Viele Bürger rufen im Rathaus an oder schreiben mitunter auch „böse Mails“. „Viele suchen nach dem Schuldigen“, sagt Brosch. An der Suche kann und will sich die Stadt nicht beteiligen. „Das macht für mich keinen Sinn.“ Alle Kraft und Energie soll stattdessen darauf konzentriert werden, Infektionsketten zu eruieren, Menschen in Quarantäne zu kontrollieren sowie vermehrt in der Öffentlichkeit auf Einhaltung der Corona-Schutzverordnung zu achten. Lokale Verschärfungen der Maßnahmen wird es nicht geben, sagt Brosch. Entscheiden könne das ohnehin nur der Märkische Kreis.

Auch dem Bürgermeister machen die Zahlen Sorgen. Er erkennt einen deutlichen Unterschied zum Frühjahr vergangenen Jahres. Bei den derzeit Infizierten sieht er, dass sich innerhalb einer Familie nahezu alle Angehörigen anstecken. Das ist neu, sagt er. Die britische Mutation, die mittlerweile auch bei Halveranern nachgewiesen wurde, ist ansteckender als das bisherige Virus. Auch das ist ein Grund für die hohe Inzidenz, wie der Kreis erklärt.

Ein Teil des Anstiegs der Infektionszahlen in Halver geht zurück auf die Firma Escha, in der am Freitag, 19. Februar, bekannt wurde, dass 16 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Am Montag erhöhte sich die Zahl der positiv getesteten Mitarbeiter auf 21, mittlerweile verzeichnet das Gesundheitsamt 45 Personen. Nicht alle Mitarbeiter sind Halveraner und auch nicht alle Mitarbeiter haben sich im Unternehmen angesteckt, heißt es vonseiten des Pressesprechers Florian Schnell. Stattdessen teilt er mit, dass alle Mitarbeiter, die als Kontaktperson der Kategorie 1 galten, negativ getestet wurden.

45 Infizierte, davon 14 Mutante

Von den 45 positiven Tests wurde bei 14 die britische Mutante nachgewiesen, wie Kreissprecherin Ursula Erkens mitteilt. Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass nicht noch mehr von der Mutation betroffen sind. Auf die britische Form B 1. 1. 7 überprüft das Gesundheitsamt seit Kurzem jeden Test, Hausärzte machen das jedoch nicht.

Die intensive Nachverfolgung der Infektionsketten bleibt eine zentrale Aufgabe der Gesundheitsbehörden und passiert „akribisch“, besonders auch in betroffenen Unternehmen, wie es vonseiten des Kreises heißt. Am Dienstag wird daher die Belegschaft der Firma Escha vom Team des Gesundheitsdienstes mittels PCR-Test getestet. Über dieses Vorgehen haben Firmenchef Dietrich Turck und der Leiter des Gesundheitsamts, Volker Schmidt, entschieden. So will man sich einen Überblick verschaffen über eventuell noch unentdeckte Infektionen.

Wir haben keinen Tönnies-Effekt.

Florian Schnell, Escha-Pressesprecher

Im Unternehmen wurden aufgrund der Infektionen die Abstandsregeln erweitert, wie Florian Schnell sagt. Dass die Hygienemaßnahmen im Unternehmen erfolgreich sind, bestätigten jedoch die negativen Test der Personen in Kategorie 1. „Wir haben keinen Tönnies-Effekt“, sagt der Pressesprecher. Ansteckungen erfolgten vermutlich in Fahrgemeinschaften.

Ansteckungen vor allem im privaten Umfeld

Wo stecken sich die Menschen an? Von den 72 Infizierten in Halver nennt das Gesundheitsamt neben der Ansteckung bei Escha vor allem das private Umfeld. Wie Bürgermeister Michael Brosch sagt, sind von den infizierten Personen nun sowohl Schulen als auch Betreuungseinrichtungen betroffen. Über weitere Ausbruchsgeschehen ist nichts bekannt, es handele sich demnach um Einzelfälle. Beunruhigend sind sie dennoch.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Erkennung des Verbreitungsgeschehens wird laut der Ankündigungen der Bundesregierung daher künftig eine breit angelegte Teststrategie sein. Die Stadt Halver hat sich in Zusammenarbeit mit dem DRK Halver dazu entschieden, ein Testzentrum zu ermöglichen. Das Angebot liegt Landrat Marco Voge bereits vor, nun hofft man auf eine Zusage, sagt Michael Brosch.

Sollte es eine Bewilligung für das Testzentrum geben, wird es frühestens am Montag, 8. März, beginnen. Die Schnelltests wären dann kostenlos und in Form eines Drive-ins am DRK-Zentrum machbar. Die Lösung vor Ort begrüßt Michael Brosch – vor allem um Infektionsgeschehen in Halver schneller entdecken zu können. Bis dahin bleibt sein Appell an die Halveraner Abstand zu halten und Kontakte zu reduzieren.

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