Der „Chef“ geht von Bord

40 Jahre war er Lehrer, 35 Jahre an der Realschule, 20 Jahre deren Leiter: Hartmut Wächter. ▪

HALVER ▪ Mit dem Schuljahr endet an der Realschule Halver (RSH) auch eine Ära: 35 Jahre lang ist Hartmut Wächter an der Humboldtstraße als Lehrer aktiv gewesen. Die letzten 20 Jahre davon als Schulleiter. Gestern wurde er von Schülern, Kollegen, langjährigen Weggefährten und Amtsträgern in die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit verabschiedet.

Dabei gab es eine Reihe bewegender Momente. Dass auch dem Protagonisten hier und da die Stimme stockte, verwunderte kaum: Als Hartmut Wächter am Ende des offiziellen Teils ans Rednerpult der Aula schritt, hatte er bereits eine Menge Lorbeeren ernten dürfen. So hatte Konrektorin Eva Bangert den Weit-, Über- und Durchblick des von vielen nur „Chef“ genannten Ruheständlers gelobt, der allen mit Nachsicht, Verständnis und Geduld begegnet sei. Und am Ende ihrer Dankes- und Lobesrede sprach sie das ihrer Meinung nach größte Kompliment aus, das man einem Lehrer machen kann: „Du bist nie der typische Lehrer gewesen.“

Nicht geringer fiel das Lob von Regierungsschuldirektorin Susanne Blasberg-Bense aus, die sich durch Eva-Maria Mikat vertreten ließ. Der Dezernentin der Schulaufsichtsbehörde oblag es, die von Blasberg-Bense formulierte Rede vorzutragen, in der Dank und Anerkennung für die Leistung Hartmut Wächters zum Ausdruck kamen. „Sie haben diese Schule vorbildlich geleitet und sie fit für die Zukunft gemacht“, so Mikat. Den einen großen Wunsch Wächters, die Position des Rektors schnellstmöglich neu zu besetzen, habe die Schulaufsicht leider noch nicht erfüllen können. „Wir wissen aber, dass Sie in Frau Bangert eine kompetente Stellvertreterin haben“, bereitet der Schulaufsichtsbehörde eine mögliche Vakanz auf dem Realschulleiterposten keine Sorgen.

Diese Vakanz gab es 1991 nicht, als Hartmut Wächter die Nachfolge von Horst-Wilhelm Klauke antrat. An diesen „Wachwechsel“ erinnerte Bürgermeister Dr. Bernd Eicker: Das von Wächter damals erklärte Ziel, das Profil der Realschule erhalten zu wollen, habe dieser nicht nur erreicht, sondern es übertroffen, so Eicker. Wächter habe das Leben und die Pädagogik der Schule maßgeblich geprägt. Dass ihm dafür Dank gebühre, wurde nicht zuletzt durch die Reden von Eltern- und Schülervertretern, aber auch ehemaliger Kollegen deutlich, die es sich nicht nehmen ließen, den RSH-Schulleiter zu verabschieden.

Die letzte Rede gehörte freilich Hartmut Wächter selbst. Und der gab den Dank und das Lob, das ihm zuteil geworden war, umgehend weiter: an die Schüler, das Kollegium, die Eltern und Behördenvertreter, nicht zuletzt an seine Familie. In seinen „letzten Worten“ wünschte er sich auch, dass die Schule weiterhin auf die Schüler eingehen und dass sie sich ihr Wesen, das sie so erfolgreich mache, erhalte. Doch als Kommunalpolitiker – Wächter sitzt bekanntlich für die SPD im Stadtrat – wurde er auch politisch: „Schule kann nicht verordnet werden“, erklärte er mit Blick auf die Diskussionen um künftige Schulformen.

Und dann ging er tatsächlich – der „Cheffe“, der zuvor noch von seinen Kollegen besungen und auch von Flötenklasse, Schulchor und -band musikalisch verabschiedet worden war. Doch dass die Realschule künftig ganz auf Hartmut Wächter verzichten kann, konnte gestern noch keiner der Anwesenden wirklich glauben. „Niemals geht man so ganz“, zitierte Bürgermeister Bernd Eicker gestern das bekannte Lied von Trude Herr. So stand für alle Anwesenden gestern fest: Wenn der „Chef“ auch von Bord gegangen ist, so wirkt seine Arbeit in der Realschule noch über Jahre nach. ▪ Frank Zacharias

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