„Bufdis“ nicht mehr bezahlbar

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Christopher Böckenkamp (links) ist der letzte „Bufdi“, den sich die Halveraner Tafel mit Hilfe ihres Bundesverbandes leisten konnte.

HALVER - Der Bundesfreiwilligendienst sollte nach dem Wegfall der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes die Lücke sozialen Engagements schließen. Doch nicht alle Einrichtungen, die einen „Bufdi“ benötigen, können ihn sich auch leisten – wie die Halveraner Tafel.

Es ist eine aufwändige und anstrengende Arbeit, der sich Erika Ostmeyer und Astrid Lehmann seit neun Jahren verschrieben haben. Lebensmittel müssen teils von weither abgeholt werden, um sie sozial schwachen Menschen kostenlos überlassen zu können. Wie mehrfach berichtet, hat die Resonanz auf das Angebot der Tafel in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Der Arbeitsaufwand steigt damit – und umso dankbarer waren Ostmeyer und Lehmann über die Hilfe von zuletzt fünf „Bufdis“, die mit anpackten. „Das können wir uns jetzt aber nicht mehr leisten“, sagt Erika Ostmeyer.

Durch eine Neuregelung bei der Vergütung des Bundesfreiwilligendienstes müsste die heimische Tafel künftig 40 Euro pro „Bufdi“ bezahlen. „Bislang hat unser Bundesverband für 500 Stellen Zuschüsse aus Berlin bekommen. Aber das endet nun und so müssten wir für fünf Stellen, die uns zustehen, 200 Euro zahlen – Geld, das wir nicht aufbringen können“, sagt die Vorsitzende der heimischen Tafel, die allein von Spenden und jeder Menge ehrenamtlicher Arbeit getragen wird. Dabei müsse der Verein allein für die Spritkosten monatlich etwa 700 Euro aufbringen.

Und so müssen Ostmeyer und Lehmann künftig wieder verstärkt auf ehrenamtliches Engagement setzen. Spätestens, wenn der letzte „Bufdi“-Vertrag ausläuft, sind die beiden Hauptpersonen der Tafel allein auf die Hilfe von Ehrenamtlern angewiesen. „Von denen haben wir aktuell etwa zehn, aber natürlich können die uns nicht an jedem Tag unterstützen, sondern oft nur stundenweise.“ Weitere Helfer sind also willkommen. Wer mit anpacken will, kann sich mit den Tafel-Akteuren unter den Rufnummern 01 73 / 8 00 90 25 und 01 57 /36 40 05 68 in Verbindung setzen.

Unterdessen hat auch das Haus Waldfrieden den Mehrwert des Bundesfreiwilligendienstes schätzen gelernt. Wie Einrichtungsleiter Bernd Lauermann berichtet, haben bis zum Frühsommer drei „Bufdis“ am Hälversprung für ein Jahr am Alltagsleben der dementiell erkrankten Bewohner teilgenommen. „Wenn die Bewohner ‚ihre Bufdis‘ sehen, geht bei manchen ein Strahlen über ihr Gesicht“, sagt Lauermann, „denn sie wissen, dass sie in Ruhe miteinander frühstücken.“ Anschließend begleiten die Freiwilligen die Senioren im Alltag, bereiten mit ihnen das Essen zu, gehen spazieren, erledigen Besorgungen. „Im Laufe der Zeit entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen den Bewohnern und ‚ihren‘ Bufdis.“

Wer Interesse hat, könne sich auch bei leichten pflegerischen Tätigkeiten einbringen. „So hat sich eine Bufdi in dieser Zeit getestet und nun eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen“, so Lauermann, der sich über Interessenten für diesen einjährigen Job freut (Tel. 0 23 53/6 66 11 13). Der Dienst ist weder umsonst, noch kostenlos: Die Vergütung beträgt pro Monat 325 Euro.

Von Frank Zacharias

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