Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl in Halver: Michael Brosch (SPD) zeigt seine fünf wichtigsten Spots

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Auf Tour: Michael Brosch zeigt Redakteurin Sarah Lorencic fünf Spots in Halver.

Manchmal sucht er die Ruhe. Manchmal braucht er eine Hand. Er lacht viel und wenn, dann laut. Wir treffen Michael Brosch.

Halver – Michael Brosch durfte sich fünf Punkte in Halver aussuchen, die ihm wichtig sind. Redakteurin Sarah Lorencic lässt sich überraschen und trifft den amtierenden Bürgermeister morgens am Aussichtsturm an der Karlshöhe.

Aussichtsturm: das letzte verbliebene Wahrzeichen

„Warum sind wir hier?“, will ich wissen. „Weil der Turm vor Kurzem saniert worden ist“, sagt Brosch. „Das ist für mich das letzte verbliebene Wahrzeichen, das wir in Halver haben und deswegen war es mir ein Herzensanliegen.“ Viel länger hätte man mit der Sanierung nicht warten können, sagt Brosch. Es wäre nur noch teurer und aufwendiger geworden. „Jetzt ging es so gerade noch“, sagt er und lobt die „vielen, vielen Spenden“. Es sei sehr bemerkenswert, was die Halveraner zusammengetragen haben. „Deswegen bin ich auch ein Stück weit stolz darauf, dass die Gemeinschaft das auf die Reihe bekommen hat.“ Den Turm kennt er noch aus einer Zeit, in der er eher „erbärmlich“ war. Dass das Wahrzeichen wieder im Glanze erstrahlt, freut ihn.

Die Sanierung des Aussichtsturms war Michael Brosch „ein Herzensanliegen“.

Hoch gehen wir nicht, aber Michael Brosch schaut häufig hinauf. Abgesehen davon, dass gerade keine Öffnungszeit ist, stellen die Stufen für ihn eine unüberwindbare Hürde aufgrund seiner Behinderung dar. Der 52-Jährige hatte jedoch das Glück, noch während der Sanierungsphase gemeinsam mit Architektin Cathrin Brückmann und der Hilfe eines Dachdeckeraufzugs an die Spitze des Turms zu fahren. „Das war ein tolles Erlebnis.“ Gebäude spielten auch in seiner Vergangenheit als Gebäudemanager beim Märkischen Kreis eine Rolle. Das war er 14 von 28 Jahren beim Kreis

Los geht‘s zum nächsten Punkt. „Wir fahren jetzt nach Oberbrügge“, kündigt Michael Brosch an und startet den Motor. Im Hintergrund läuft der Radiosender 1Live. Hinten auf der Rückbank liegt ein Jubiläumssekt der Stadt Halver, der zu besonderen Anlässen verschenkt wird. Mehr nicht. Dafür ist das Cockpit des Autos voller Technik. Am nächsten Haltepunkt spricht das Auto: „Mobiltelefon im Fahrzeug zurückgelassen.“ Ohne Handy, sagt Brosch, geht er nirgendwo hin. So ist er immer erreichbar, kann aber auch im Notfall jemanden erreichen. Später wird deutlich, warum.

Nächster Halt: das Bürgerhaus in Oberbrügge

Nächster Halt Bürgerhaus – samt Regenbogenschule, Kita Wunderland und Mehrgenerationenpark. Hier wird in Zukunft noch viel passieren und sich weiterentwickeln, sagt Brosch. „Das ist die Stelle, die den Oberbrüggern unheimlich am Herzen liegt – das ist mir in den vergangenen Jahren auch immer deutlicher geworden.“ Brosch redet ruhig und sehr langsam, leicht fällt es ihm nicht. Der Ort, an dem wir stehen, habe eine immense Bedeutung für Oberbrügger als zentraler Treffpunkt, den man nicht kopieren kann. „Das ist einfach historisch gewachsen.“ Wenn in Oberbrügge etwas los sei, dann hier.

Gerade läuft eine Frau über den Hof und hat ein kleines Kind an der Hand. Etwas weiter bei den Pferden stehen mehrere Personen. Über die Wiese fährt ein Mann mit seinem Fahrrad und immer wieder läuft jemand mit Hunden Richtung Teich. „Der Ort ist einfach schön“, sagt Michael Brosch. Vögel zwitschern im Hintergrund, während wir uns unterhalten. „Hier sind Dinge passiert, die die Oberbrügger traurig gemacht haben.“

Hier sind Dinge passiert, die die Oberbrügger traurig gemacht haben.

Michael Brosch, amtierender Bürgermeister

Das Thema Schule. Die Einrichtung sollte geschlossen werden. „Ich verstehe im Laufe der Zeit immer besser, warum das als ganz feindlicher Akt empfunden wurde.“ Letztendlich wurde die Schule ein Teilstandort der Regenbogenschule, „ein gelungener Kompromiss“ in den Augen Broschs. Das habe nun den Vorteil, dass man auch bei wenigen Anmeldungen, die Schule halten kann. Muss man sich Gedanken machen, dass Oberbrügger Kinder, die auf diese Schule wollen, keinen Platz bekommen? Brosch glaubt das nicht. Er sagt aber auch, dass man gucken muss, was es heißt, wenn am Schmittenkamp nur Familien mit zwei oder drei Kindern im Grundschulalter bauen – und dann müsse man darauf reagieren.

Er schaut sich um. Kaputte Basketballkörbe, Müll auf dem Weg, abgetretene Müllkörbe, eine in die Jahre gekommene Sportanlage. „Man sieht, dass wir dringend sanieren müssen.“ Das Aktionsbündnis soll und will mehr Verantwortung übernehmen und bei der Entwicklung mithelfen. „Das muss keiner am Schreibtisch im Rathaus machen. Das wissen die Menschen hier vor Ort besser.“ Über den Förderbescheid für den Mehrgenerationenpark habe er sich daher sehr gefreut.

Kreativ und aktiv: So sind die Oberbrügger, sagt Brosch. Der Bienenfutter-Automat ist nur ein Beispiel.

Leuchtend gelb strahlt von weiten der Automat für Bienenfutter. Michael Brosch möchte gerne dort ein Foto machen. Hier? „Ja, weil das einfach typisch ist für die Oberbrügger“, sagt Brosch. Sie sind kreativ und setzen Dinge in die Tat um. Wenn der Halveraner lacht, dann mit dem ganzen Gesicht. Sein Lachen steckt an.

Brosch hat eine angeborene Gelenkversteifung

Wir steigen wieder ins Auto. Für Michael Brosch ist das nicht einfach. Zumindest sieht es schwer aus. Er hat eine angeborene Gelenkversteifung. „Den genauen Begriff versteht keiner“, sagt er. Ärzte vermuten einen Autounfall, den seine Mutter in der Schwangerschaft hatte. Vielleicht sei der Grund aber auch ein anderer. „Mein Job ist es jetzt, das Beste daraus zu machen.“

Wir fahren ein Stück. Auf dem Weg reden wir über seine Familie. Aufgewachsen ist der Bürgermeister in Halver, noch heute lebt er mit seiner Frau und den beiden Töchtern hier. Sein Vater war Busfahrer bei der MVG, seine Mutter Postbeamtin. Mit noch zwei weiteren Geschwistern entschied sich seine Mutter dazu, zuhause zu bleiben. Beide Elternteile sind mittlerweile verstorben. Der Vater mitten im Wahlkampf 2015. „Das war sehr, sehr schwierig für mich.“ Der Halveraner erzählt von seiner Kindheit, die sehr glücklich gewesen sei. Er schweift ab und spricht begeistert von seinem Vater, der die Kinder mit in die Werkstatt nahm und ein unheimlich guter Schrauber war. Beim Erzählen verpasst Brosch beinahe die Straße, in die er mich als nächstes führt.

Wenn der Kopf frei werden soll und der Tag zu Ende ist, fährt Michael Brosch in Außenbereiche.

Wir fahren über den Mittel Herweg Richtung Berge. Mitten im Nichts halten wir an. Am Rand steht eine Bank. „Wenn ich ein Stündchen für mich haben will und Zeit habe, dann genieße ich diese Ecke“, sagt er. Rechts von der Bank wächst Mais zwei Meter in die Höhe. Der Blühstreifen ist bunt und voller Sonnenblumen. „Ein Traum“, sagt Brosch. Früher sei er um die Glör gelaufen, heute ist ihm der Weg zu weit. Wir sitzen eine Weile auf der Bank.

Würde er hier stolpern, wäre er allein. Deshalb ist das Handy stets in seiner Hosentasche. An manchen Stellen bittet er um eine Hand. Ich sehe ihn heute privat und ein Stück weit zerbrechlich. In der Öffentlichkeit zeigt er sich so nie. Dass in seinem Kofferraum ein Rollstuhl liegt, weiß eigentlich nur seine Familie. Damit sehen werden ihn Halveraner und auch Politiker, die er im Berufsalltag als Bürgermeister trifft, nie, sagt er.

Rathaus-Spielplatz: kein Millionenprojekt, aber sympathisch

Wir fahren wieder ins Zentrum und parken vor dem Rathaus. Ab ins Büro? Nein. Während Kinder vor uns Sandburgen bauen und barfuß durch die Gegend laufen, reden wir. Immer wieder winken uns Leute zu oder rufen von Weitem „Hallo, Michael!“ Auf den Halveraner Spielplätzen war er mit seinen Töchter früher nicht, wie er offen sagt. „Die Spielplätze waren einfach nicht attraktiv genug.“ Heute sei das anders.

Kein Millionenprojekt, aber sympathisch: Der Spielplatz am Rathaus ist Michael Brosch wichtig.

„Wir brauchten etwas, wo die Mami aus vollem Herzen sagt: ,Der eine Kilometer Weg lohnt sich’.“ Der Spielplatz sei kein Millionenprojekt, aber ein sympathisches. Auf dem Zentralspielplatz sollen alle Generationen zusammenkommen, und Brosch ist froh, dass der Platz so gut angenommen wird. Im Rahmen der Regionale 2025 soll auch die andere Rathausseite angegangen werden. Das Wippermann-Gelände sei gesetzt, aber auch der Rathauspark und das DRK-Gebäude sollen berücksichtigt werden. „Dass wir nicht alles zubetonieren können, haben wir mittlerweile alle verstanden.“

Zum Abschluss: Zurück in die Vergangenheit

Der letzte Punkt bleibt bis zum Abend geheim. Er bringt uns zurück in die Vergangenheit von Michael Brosch. Zum Schießclub Halver mit Sitz im Lern- und Begegnungszenrum (LBZ). Gewählt hat Brosch den Ort eigentlich als Symbol für das Ehrenamt in Halver. Aber das LBZ lobt er auch. „Gut ist, was funktioniert und den Ort weiterbringt“, sagt Brosch und erwähnt, dass es in der Politik unterschiedliche Auffassungen zu den Standorten gab. Das LBZ wird gut angenommen, sagt er. Von vielen Vereinen, der VHS, der Tafel vom Bürgerzentrum und bald kommt die Musikschule hinzu.

Der Schießclub Halver allerdings ist Teil von Michael Broschs halbem Leben. Er war 25 Jahre lang im Vorstand und ein guter Schütze. Die erste ehrenamtliche Aufgabe hat er mit 16 Jahren übernommen. Erst 2015 – mit Amtsantritt – trat er kürzer. Sollte er irgendwann nicht mehr Bürgermeister sein, wann auch immer das sein mag, dann will er wieder etwas machen. „Weil ich es nicht anders kenne, ich es immer gerne gemacht habe und weil es wichtig ist für den Ort.“

Sein Herausforderer ist Markus Tempelmann.

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