Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl in Halver: Markus Tempelmann (CDU) zeigt seine fünf wichtigsten Spots

Kommunalwahl Markus Tempelmann Herausforderer BM-Kandidat Halver
+
Eine Stadtrundfahrt mit Markus Tempelmann. Er bringt Redakteurin Sarah Lorencic an fünf Orte, die ihm wichtig sind.

Er träumt schon als Kind von Zahlen. Worte seiner Mutter aus längst vergangener Zeit hört er noch heute. Sie prägen ihn. Wir treffen Markus Tempelmann.

Halver – Bürgermeisterkandidat Markus Tempelmann durfte sich fünf Punkte in Halver aussuchen, zu denen er mit Redakteurin Sarah Lorencic im Auto fährt. Wo es hingeht, weiß sie nicht. Markus Tempelmann erzählt an den jeweiligen Haltepunkten, warum er genau dort hin wollte. Sie treffen sich auf einem Parkplatz.

Ein langer Weg bis zum Einkaufszentrum

Neben uns steht eine bunt in den Himmel ragende Werbetafel. Viele Geschäfte sind dort aufgelistet. Ein langer Weg sei das gewesen, sagt der Kämmerer der Stadt. Acht Jahre hat ihn das Projekt am Bahngelände begleitet. Komplex und schwierig sei es gewesen. 2008 fängt Markus Tempelmann als Kämmerer in der Stadt Halver an. Das Projekt wird eines seiner ersten großen, die er begleitet. Auf acht Jahre Verhandlung folgt eine 7,5-stündige Beurkundung. Mehrfach steht der Vertragsabschluss kurz vor Abbruch, manche Vertragspartner sind schon aufgestanden und wollen gehen.

Markus Tempelmann will Bürgermeister in Halver werden.

Das Eisenbahnrecht endete am Aldi-Markt. Es war „wie eine Exklave“, sagt Tempelmann. Im Extremfall hätte man zwei Straßen bauen müssen, um dem Eisenbahnrecht der Deutschen Bahn und der Schleifkottenbahn nicht in die Quere zu kommen. Am Ende funktioniert alles planmäßig. Das Zentrum sei heute ein Pluspunkt für Halver. Tempelmann treffe viele Menschen, die nach Halver ziehen wollen, nennt das Zentrum einen „wichtigen Magneten“, mit dem Halver als Zuzugsgemeinde wieder attraktiv gemacht werden soll. Mit Erfolg, seiner Meinung nach.

Sein erster Gedanke beim Berufsstart in Halver? „Die Stadt befand sich in einer leichten Abwärtsspirale. Der Handel ließ nach, alle Nachbarstädte haben aufgerüstet oder waren gerade dabei. Es war zwingend geboten, dass Halver sich wappnet.“ Dieser Trend soll gedreht werden. Mit positiven Entwicklungen in den Bereichen Gewerbe, Wohnen und Handel. Damit will der 51-Jährige versuchen, Halver „zu den Gemeinden auf der Sonnenseite zu entwickeln“.

 Ich denke eher, dass die Bahnhofstraße stark von den Entwicklungen profitieren wird. 

Markus Tempelmann, Bürgermeister-Kandidat

Ist das Zentrum eine Konkurrenz zur Innenstadt? „Das glaube ich nicht. Ich denke eher, dass die Bahnhofstraße stark von den Entwicklungen profitieren wird. Jetzt ist die nächste Aufgabe, die westliche Frankfurter Straße positiv nach vorne zu bringen.“

Wir wollen weiter. Bevor ich ins Auto einsteige, macht mich mein Fahrer auf Flecken am Auto aufmerksam, die mir gar nicht aufgefallen wären. Er entschuldigt sich. Es sind Fettflecken. Patsche-finger. Sonnencreme – von den Kindern. Ein Lächeln kann sich der Kandidat nicht verkneifen. Wir steigen ins Fahrzeug. Beim Öffnen der Beifahrertür fallen viele bunte Plastiktüten auf. Sie sind alle offen. Zerknittert stecken sie im Seitenfach der Tür. „Auch von den Kindern“, sagt Tempelmann und lacht wieder. Wenn er seine drei Söhne von der Schule abholt, greifen sie schon mal in die Tüten. Salzstangen und Studentenfutter stehen zur Auswahl.

Regelmäßige Abkühlungen in der Herpine als Schüler

Wir fahren durch eine Straße, die von hohen Laubbäumen umgeben ist. Am Ende: das Waldfreibad Herpine. Schon von Weitem hört man Kinderlachen. Nur vereinzelt stehen Fahrzeuge direkt vor dem Eingang des Freibades. „Grüß Gott“, ruft er Richtung Simone Hutt. Zwei Mädchen kommen vorbei. Ein aufgeschürftes Knie. Schnell holt Simone Hutt ein Pflaster. Ihr Sohn Phillipp, Geschäftsführer der Herpine, gesellt sich zu uns. Wir setzen uns zu dritt an einen Tisch. Tempelmann erklärt kurz, was wir gerade machen. „Ich fahre mit Frau Lorencic zu fünf Orten, die mir wichtig sind. Und die Herpine ist mir so wichtig, weil ich hier als Schüler schon geschwommen bin“, sagt er und erzählt weiter: „Hier habe ich mich vom Unterricht abgekühlt.“ Gab es einen bevorzugten Platz zum Liegen? – Ein Fingerzeig auf die Wiese neben dem Schwimmbecken: „Immer da.“

Vor ziemlich genau zehn Jahren kamen die ersten Gespräche mit Dietrich Turck und dem Freundeskreis Herpine zustande, erzählt Markus Tempelmann. Damals plante die Stadt, die Herpine zu schließen. Die private Trägerschaft ist steuerlich günstiger, erklärt der Kämmerer, der eine seiner Diplom-Arbeiten zum Thema Besteuerung von Gemeinden geschrieben hat. Der 51-Jährige ist Diplom-Betriebswirt, Diplom-Verwaltungswirt und hat ein Wirtschafts-Diplom (VWA).

In der Herpine war der 51-Jährige schon als Schüler schwimmen. Er blieb sich treu und geht noch immer hin.

Als Bürgermeister will Markus Tempelmann den in der kommenden Legislaturperiode auslaufenden Vertrag mit der Herpine verlängern. „Es ist ein Erfolgsmodell“, sagt er und lobt das ehrenamtliche Engagement der vielen Bürger. Philipp Hutt sagt, er habe ein „hervorragendes Verhältnis mit der Stadt“. Das sei nicht die Regel. „Normalerweise ist man als Bad nicht gerne gesehen, weil es ein großer Kostenfaktor ist.“

Im Rekordjahr 2018 benötigte das Waldfreibad keine Zuschüsse der Stadt. In dieser Saison könnte es anders werden – wegen der Corona-Pandemie, aber auch wegen des bis dato eher schlechten Wetters. Dem Rat will Tempelmann vorschlagen, die Herpine „deutlich“ zu unterstützen, sollte sich herausstellen, dass dieses Jahr nicht gut endet. So sehr Phillipp Hutt auch hofft, noch mit einem blauen Auge davon zu kommen, sei die Realität momentan eine andere. Alles hängt am August. Sonst wird es die schlechteste Saison der vergangenen 15 Jahre. Viermal war Tempelmann beim Anschwimmen dabei. 2019 sprang er ins acht Grad kalte Wasser bei einer Außentemperatur von drei Grad. „Da ist er schmerzfrei“, meint Hutt und lacht.

Motto seiner Mutter als innerer Antrieb

Wir verlassen das Waldfreibad. Im Auto reden wir über seine Eltern. „Das Motto meiner Mutter war immer: ,Du musst das Beste für die Allgemeinheit tun‘.“ Das ist sein innerer Antrieb. „Sie ist leider 2006 verstorben.“ Sein Vater lebt noch, ist 86 Jahre alt, „aber topfit“. Sein Leben lang habe er Batterien erforscht und gebaut. „Er hat mir 1985 schon gesagt, die Zukunft gehört der Brennstoffzelle.“ Noch heute gehe er zuhause oft „einfach die Treppe hoch“ und spricht mit seinem Vater. Seine Eltern sind Vorbilder für ihn.

Tempelmann lebt in Breckerfeld mit seiner Frau, seinen drei Kinder und seinem Vater in einem Mehrgenerationenhaus. Das ist auch der Grund, warum er nicht in Halver wohnt. Seinen Vater will er nicht mehr entwurzeln. Ausgeschlossen ist Halver für ihn mit Blick in die Zukunft aber nicht. Das zweite Zuhause ist ohnehin sein Büro unterm Dach des Rathauses. Das sagt zumindest immer seine Frau Yvonne. Markus Tempelmann muss lachen.

Wir fahren am Bauhof entlang und halten auf einem Schotterparkplatz am Höveler Weg. Der Straßenrand ist geöffnet. Die Baustelle steht still. Das ist gut so, sagt Tempelmann. Die Häuser bekommen einen Gas-Anschluss. Die Baustelle habe er gestoppt, um zu erreichen, dass die Straßenöffnung genutzt wird, um Leerrohre für einen Breitbandausbau zu verlegen. So nutze man die Baustelle doppelt, wie es seit 2016 rechtlich der Stadt zustehe. Als Bürgermeister möchte er den Breitbandausbau zur Chefsache machen. Er sieht bei dem Thema die Stadt als zentrale Steuereinheit, die die Informationen bündelt. Schnelles Internet sei die Zukunft.

Erinnerungen an die Schulzeit am AFG

Nächster Halt: das Anne-Frank-Gymnasium. Wir stehen auf dem Schulhof. 1988 hat er hier sein Abitur gemacht. Mit Mathematik und Geschichte als Leistungskurse. Mathe war immer das Lieblingsfach, erst gegen Ende der Schulzeit zog Geschichte auf der Beliebtheitsskala vorbei. In Mathe war er immer gut. Seine Mutter konnte schnell rechnen, erinnert sich der Sohn. Er ist sicher, von ihr das Talent geerbt zu haben. Als Kind habe er oft sogar von Zahlen geträumt.

An die Zeit am AFG denkt Markus Tempelmann gerne zurück.

Seine Mutter war Hausfrau, so wie es damals üblich war, sagt Tempelmann. Eigentlich wollte sie Kinderkrankenschwester werden. Die gebürtige Oberhausenerin kam für ein Anerkennungsjahr nach Breckerfeld und verliebte sich in den Mann, der Tempelmanns Vater wurde. Sie konnte auch schnell stricken, erzählt er begeistert und erinnert sich an einen Norweger-Pulli für den Ski-Urlaub.

Heute besuchen auch seine Kinder die Halveraner Schule. Erzählen möchte er bewusst nichts über sie, weil sie ganz bewusst aus dem Wahlkampf herausgehalten werden sollen. Aber er ist stolz. Für manche Dinge braucht man keine Worte. Zurück zum Wagen.

Mehr Investitionen in Infrastruktur ist eines der Ziele von Markus Tempelmann.

Grüne Kreuze auf der Straße. Noch ist keine Baustelle in Sicht, aber bald geht es an der Ringstraße los. Deshalb sind wir hier hingefahren, sagt er. Als er in Halver anfing, gab es 100 000 Euro für Straßenunterhaltung bei einem Vermögen von 30 Millionen Euro. „Das ist zu wenig, um die Substanz zu erhalten.“

In den 20 Jahren, die er insgesamt Kämmerer ist, habe er immer dafür gesorgt, dass die Investitionen in die Infrastruktur sukzessive gestiegen sind. In diesem Jahr sind es 3,3 Millionen insgesamt, die in Halvers Straßen fließen. „Darauf bin ich ein bisschen stolz“, sagt er vorsichtig. Steuern unten gelassen, Schulden abgebaut und trotzdem in die Infrastruktur investiert. „Wir haben noch immer sehr viel aufzuholen.“ Gute Straßen sowie das Stadtbild nach außen seien Teil einer Spirale, die nach oben führt.

Markus Tempelmann tritt gegen den amtierenden Bürgemeister Michael Brosch an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare