Bürgermeisterwahl in Halver: Michael Brosch im Interview

"Die Bürger müssen Auswahl haben"

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Halver – Er habe mit der Kandidatur des Kämmerers Markus Tempelmann in der Bürgermeisterwahl durchaus gerechnet, sagt Amtsinhaber Michael Brosch. Und er halte dies für einen völlig normalen demokratischen Vorgang: „Die Bürger müssen Auswahl haben.“

Mit dem AA-Redakteur Florian Hesse sprach Michael Brosch über die neu entstandene Situation im Rathaus und in der Halveraner Kommunalpolitik. Konkrete Auswirkungen auf das Miteinander innerhalb der Stadtverwaltung erwartet er aus der Konkurrenzsituation jedoch nicht. 

Wann haben Sie von der Kandidatur Tempelmanns erfahren – und von wem? 

Ich kam am Donnerstag von einem langen Termin in Arnsberg zurück. Markus Tempelmann hat es mir nach der Bekanntgabe durch die Fraktionen im Rathaus persönlich gesagt. Und auch die UWG hat mich besucht und informiert. Das ist fair gelaufen. 

War Ihnen denn klar, dass die vier Fraktionen mit Tempelmann einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren würden? 

Nein. Dieser Zusammenschluss war mir zuvor nicht bekannt. 

Eine Gegenkandidatur aus eigenem Haus empfindet man nicht als Putsch? 

Nein (lacht). Das ist ein ganz normaler demokratischer Prozess, dass sich jemand für ein Amt interessiert und sich darum bewirbt. Die Bürger müssen Auswahl haben. (Anmerkung der Redaktion: Ähnlich hatte sich Markus Tempelmann am Donnerstag gegenüber dem Allgemeinen Anzeiger geäußert: „Das ist ein normaler Vorgang. Wir kommen beide aus dem demokratischen Lager.“) 


Sie müssen sich jetzt bis zur Wahl, vielleicht darüber hinaus mit vier Fraktionen auseinandersetzen, die erklärtermaßen jemand anderen als Bürgermeister wünschen. Wie geht man damit um? 

Das sieht von außen auf den ersten Blick dramatischer aus als es ist. Bei den allermeisten Themen sind Einschätzungen zu Sachfragen und Entscheidungen gar nicht streitig. Das muss nicht für alle gelten, aber eben für die meisten. Und das sollte zum Wohl der Stadt auch so bleiben. Da habe ich eigentlich großes Vertrauen. 


Warum setzt sich aber die UWG nun von Ihnen ab? 

Die Frage kann ich nicht beantworten, weil ich der Auffassung bin, dass in den vergangenen Jahren seit 2015 keine Fraktion in irgendeiner Weise bevorteilt worden ist, was Anträge oder Wünsche angeht. Auch wenn ich es vom Ergebnis her sehen will, hat sich die Stadt Halver in den letzten vier Jahren nach meiner Einschätzung in vielerlei Hinsicht sehr gut entwickelt. 

Wie wird sich die Doppelkandidatur im Rathaus verwaltungsintern auswirken? 

Ich denke und hoffe, gar nicht. Was wir hier für die Bürger tun, personell übrigens nicht üppig ausgestattet, ist eine öffentliche Dienstleistung in unterschiedlichsten Bereichen. Darauf können die Beschäftigten hier im Haus stolz sein. Und noch eine Anmerkung: Zu dieser Dienstleistung zählt auch das, was Kommunalpolitiker in ihrer Freizeit leisten, das Ringen um Entscheidungen zur Gestaltung des städtischen Zusammenlebens. 

Hat der Wahlkampf denn jetzt tatsächlich angefangen? 

Ich kann für mich sagen: Ich bin nicht im Wahlkampfmodus. Es geht um Projekte und Inhalte. Wo meine Schwerpunkte liegen, habe ich oft genug gesagt. Das ist unverändert insbesondere sozialer Wohnungsbau, das ist Barrierefreiheit, die Breitbandanbindung und das Medizinische Versorgungszentrum. 

Sollten Sie die Wahl verlieren, haben Sie dann ein Rückkehrrecht in ihren früheren Job? 

Nein. Ich kann nicht automatisch zurück zum Märkischen Kreis. Aber ich trete mit dem klaren Ziel an, nicht zu verlieren.

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