Neue Bürgerinitiative will vernünftigen Umgang mit Windenergie

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Renate Sikora, Anja Grosse, Dietmar Schmalisch, Jaqueline Grosse, Jürgen Sikora, Anja Krause und Dirk Panczyk gehören zur Bürgerinitiative Windvernunft.

Halver - „Wir sind nicht gegen Windkraft generell, sondern gegen Abstandsflächen, die wir in Nordrhein-Westfalen als zu gering empfinden, und die Art und Weise, wie Windkraft durchgesetzt wird.“ Mit dem Ziel, den Ausbau der Windkraft in Halver im menschen- und landschaftsverträglichen Rahmen zu begleiten, haben sich engagierte Bürger am vergangenen Sonntag zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen.

Vorrangiges Anliegen der „Windvernunft Halver“, wie sich die Gruppe nennt, ist es, den privilegierten Bau von Windkraftanlagen zu verhindern und die Bevölkerung für das, was im Falle einer Privilegierung kommen könnte, zu sensibilisieren.

Zum Hintergrund: Bei der nächsten Planungsausschusssitzung des Rates der Stadt Halver soll laut Initiative über den Umgang mit Windenergie in Halver diskutiert werden. Dabei stehen zwei konträre Optionen im Raum: Einerseits die Ausweisung von Vorrangflächen durch die Stadt, andererseits der privilegierte Bau von Windkraftanlagen, über deren Genehmigung dann der Märkische Kreis – nicht die Stadt – entscheiden würde.

Käme die Privilegierung, fürchten die Halveraner, dass an mehr als 20 Standorten in Halver bis zu 30 Windräder gebaut werden könnten. „Potentielle Investoren stehen bereits in den Startlöchern“, war am Mittwoch bei einem Treffen von Gründungsmitgliedern und Interessierten zu hören. Zudem fürchten die Halveraner, dass die Privilegierung Investoren anlockt, die nicht rentable Windräder bauen, die sich über Subventionen rechnen. Von Goldgräberstimmung ist die Rede. Aufrütteln und eine Zerspargelung der Landschaft verhindern, ist Anliegen der Gruppe.

Immerhin seien die Windkrafträder neuester Generation so hoch wie der Kölner Dom. Was die Anwohner am meisten aufregt, sind die geringen Abstandsflächen von Windkraftanlagen zu Wohngebieten, was sich, so die Befürchtung, negativ auf die Gesundheit und die Lebensqualität auswirken würde. Anders als in anderen Bundesländern – in Baden-Württemberg beispielsweise gelten 700 Meter Vorsorgeabstand – gebe es in Nordrhein-Westfalen kein Gesetz, sondern nur Erlasse, die den Abstand von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung regeln würden. Danach könnte ein Windrad im Abstand der zwei- bis dreifachen Höhe einer Windkraftanlage zu Wohnhäusern stehen.

„Windenergie ist in Nordrhein-Westfalen ein rechtsfreier Raum.“ Daher fordert die Bürgerinitiative Windvernunft: „Die Stadt soll einen Weg zum vernünftigen Umgang mit Windenergie suchen.“ Es sei absolut nicht notwendig, den jetzigen Flächennutzungsplan zu ändern. Die Stadt solle sich die Entscheidung, wo Windkrafträder gebaut werden dürfen, nicht aus der Hand nehmen lassen.

Durch den geringen Abstand zur Wohnbebauung fürchten die Anwohner aerodynamischen Lärm, Gesundheitsbeeinträchtigungen durch den Infraschall und eine deutliche Wertminderung ihrer Immobilien. „Auch der Naturschutz bleibt auf der Strecke“, so die Gruppe.

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